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Wohnkonzept: Wohngemeinschaft statt Altenheim

Wohnkonzept : Wohngemeinschaft statt Altenheim

Maria Bänsch-Schnur hat in der Merziger Hochwaldstraße eine Senioren-WG eröffnet – nach ihren Worten die erste im Saarland.

Josef Burkert fühlt sich sehr wohl, denn „hier kann ich gut bleiben, bis zum Ende“. Der 87-Jährige aus Mechern lebt in einer Seniorenwohngemeinschaft. Er beweist, dass eine WG nicht nur was für Studenten oder junge Menschen ist. Im April bezog er mit anderen Senioren die Wohnung im Wohnpark der Hochwaldstraße Merzig, am vergangenen Freitag fand die offizielle Einweihung statt.

„Ich habe drei Jahre allein in einem großen Haus gewohnt. Und das Alleinsein ist einfach nichts“, sagt Burkert. Er brauche den Kontakt zu anderen, sei gern unter Menschen. Auch wenn es für ihn nicht einfach war, nach über 60 Jahren sein Zuhause zu verlassen. Doch es herrsche „so eine tolle, familiäre Atmosphäre hier. Ich bereue es nicht.“ Seine Tochter und sein Schwiegersohn haben sich die WG zuvor genau angeschaut, Burkert konnte zunächst vier Wochen zur Probe dort wohnen. „Nach drei Tagen hab ich gemerkt, das ist es, hier bleibe ich.“

Das Konzept der Senioren-WG ist einfach, aber innovativ: Trotz körperlicher Einschränkungen den Alltag eigenständig gestalten. Die Senioren erhalten nur die Unterstützung, die sie tatsächlich benötigen. Burkert bewohnt ein rund 20 Quadratmeter großes Einzel-Apartment mit Telefon- und Fernsehanschluss sowie WLAN-Zugang. Er hat ein eigenes Bad und einen Balkon. Alles barrierefrei. Im großen Gemeinschaftsraum frühstückt er mit seinen Mitbewohnern, kocht mit ihnen, spielt Gesellschaftsspiele oder schaut abends Fernsehen.

Ab und zu läuft er an seinem Rollator in die Innenstadt, allein oder mit der WG-Familie. Im Außenbereich gibt es Hochbeete sowie eine Terrasse mit Grillplatz. Aufräumen, Geschirr spülen, Wäsche waschen. All das machen die Senioren selbst. Fünf Stunden pro Tag sind auch Betreuer vor Ort, die – wenn gewünscht – die Senioren beispielsweise im Haushalt, beim Einkauf oder bei Arztbesuchen unterstützen. Außerdem kommt täglich ein Pflegedienst vorbei. Nachts sind die Senioren zwar alleine in ihrer Wohnung, aber durch Rufgeber rund um die Uhr mit einem Bereitschaftsdienst verbunden, der im Notfall innerhalb weniger Minuten vor Ort ist.

Maria Bänsch-Schnur, Initiatorin des Wohnprojekts „Eigenständig Wohnen im Alter“ (EWA), habe sich damit einen Lebenstraum erfüllt. „Ich wollte immer etwas auf die Beine stellen, etwas zwischen Altenheim und allein daheim.“ Das familiäre Konzept ermögliche es, dass Menschen auch im Alter „ganz toll leben können. Es ist ein Ort zum Verweilen, Glücklichsein, und wo man auch noch was erlebt.“ In Altenheimen sei es oft so, dass die Senioren ihre Eigenständigkeit an der Tür abgeben, auch wenn sie körperlich und geistig noch fit seien, sagt Bänsch-Schnur. In der WG leben sie hingegen eigenständig, selbstbestimmt, aber nicht allein.

Es gibt zehn Einzel-Appartments und eine Wohnung für zwei Personen mit einem Schlafzimmer und gesondertem Wohnbereich. Die Hälfte der Plätze ist zurzeit belegt. Es sei die erste Wohngemeinschaft dieser Art im Saarland, ein Pilotprojekt, so Bänsch-Schnur. In Rheinland-Pfalz gebe es hingegen bereits 80 solcher Seniorenwohngemeinschaften. „Ich hoffe für unsere Bürger, dass unsere WG nicht die einzige dieser Art im Saarland bleibt“, sagt die Initiatorin. Je nach Pflegegrad wird das Wohnen in der WG auch von der Pflegekasse bezuschusst. Bei Pflegestufe I sind das 350 Euro monatlich.

Die Senioren können sogar mitbestimmen, wer bei ihnen einzieht und wer als Betreuungskraft eingestellt wird, erklärt Torsten Bänsch, Investor und Ehemann der Initiatorin. Zwar entscheiden letztlich die Verantwortlichen, aber die Meinung der Senioren wird berücksichtigt. „Wir achten sehr darauf, dass die Menschen, die hier leben, auch zusammenpassen“, sagt Bänsch.

Die WG sei mehr als nur ein Zusammenleben, es sei eine richtige Familie. Mit dieser und seinen Angehörigen will Josef Burkert in Kürze auch seinen 88. Geburtstag im Gemeinschaftsraum feiern. Und spätestens wenn die große Party steigt, hat die Senioren-WG vielmehr gemein mit einer Studentenbude, als man zunächst glauben mag.

 Maria Bänsch- Schnur hatte die Idee für die WG.
Maria Bänsch- Schnur hatte die Idee für die WG. Foto: Ruppenthal

Weitere Infos zur Seniorenwohngemeinschaft unter www.ewa-saar.de