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Serie Gipsabbau in Merzig
Wo der Gipsstein heute im Waldboden schimmert

Verwaltungsgebäude (hinten l., Lokschuppen (Mitte) und Haspelanlage auf dem Modell der Gipsgrube St. Maria in Mechern. Foto: Siebenborn
Verwaltungsgebäude (hinten l., Lokschuppen (Mitte) und Haspelanlage auf dem Modell der Gipsgrube St. Maria in Mechern. Foto: Siebenborn FOTO: Stefan Siebenborn
Mechern. Die Firma Knauf prüft, ob sich Gipsabbau in Merzig lohnen könnte (wir berichteten). Der Abbau des Baustoffs hat in Merzig Tradition. Die Geschichte der Gipsgrube Mechern, besser bekannt als „Gipskaul“, erzählt unsere Serie. Teil 17 und Schluss unserer Serie: das Ende


Aufgrund der Herstatt-Pleite werden die Bankengesetze dahingehend geändert, dass keine  Einzelperson mehr die Geschäfte einer Bank führen darf. So muss Harald Bickelmann als Alleinvertreter die von seinem Vater gegründete Bank 1977 an die Dresdener Bank verkaufen. Das Bankhaus Bickelmann hatte die geschlossene Gipsgrube 1963 an den Architekten Adolf Wenz, Saarbrücken, veräußert.

 Von den oberirdischen Anlagen des Bergwerkes ist kaum noch etwas sichtbar. Neben den Fragmenten der Feldbahntrasse an der Grube und im Wald findet man noch die Fundamente und die Betonplatte der Holzbaracke und der zu ihr führenden Treppenanlage, das teilweise eingestürzte Sprengstofflager im Hang, Mauerreste und Betonfundamente des Lokschuppens sowie die drei Betonsockel der Haspelanlage.



Unterhalb des Lokschuppens rosten seit fast 50 Jahren die Reste dreier Kipploren vor sich hin. Und überall im Gelände findet sich Gipsstein als Stützmauer, Packlage oder einfach nur verloren. Das kleine gemauerte Stollenportal aus Ziegelsteinen ist gänzlich verschwunden. Ein Erdrutsch hat es 2002 total verschüttet. Nur Teile der Stützmauer ragen aus der Erde.

Die ehemalige Verladeanlage liegt als überwucherter Hügel am Waldrand. Auch hier schimmert immer wieder der weiße Gipsstein aus dem Waldboden. Die Trasse des Rondells ist noch vorhanden. Ein gelbes Warnschild auf dem Grubengelände weist daraufhin, dass das Betreten des Geländes lebensgefährlich ist. Da die Stollen nicht verfüllt sind, entstehen immer wieder Bruchspalten und Tagebrüche. Die Stelle, wo der Lüftungsstollen ans Tageslicht kam, ist als eingezäuntes Areal auf einer Wiese erkennbar. Von dem eingestürzten zweiten Ausgang, der in Richtung Feldscheune Brunnenstraße vorgesehen war, ist noch eine etwa ein Meter tiefe und 20 Meter lange Rinne quer zum Hang auszumachen.

Vom eigentlichen Bergwerk aber ist nichts mehr zu sehen. So kann man kaum erahnen, dass der Berg fast komplett ausgehöhlt ist. Immerhin betragen die unterirdischen Ausdehnungen des Bergwerkes ungefähr 370 x 540 Meter. Bis April 1964 werden die Tagebrüche an den äußersten östlichen und westlichen Abbaufronten im Plan der Grube nachgetragen. Legt man zugrunde, dass bei der Vermessung der unterirdischen Anlage durchaus Differenzen vorkommen können, so beträgt die Längsausdehnung gemessen an den Tagebrüchen etwa 610 Meter.

Wäre die Geschichte anders gelaufen, hätte Mechern mit ein wenig Glück der Sitz des Knauf-Konzerns werden können.