Gips-Bohrungen : Wird in Zukunft in Merzig Gips abgebaut?

Gips-Bohrungen : Wird in Zukunft in Merzig Gips abgebaut?

Zwischen Bietzen und Merchingen liegt das Gebiet, in dem die Firma Knauf Gips abbauen will. Zuerst soll es aber noch Probebohrungen geben.

Die Stelle, an der Mitarbeiter der Firma Knauf ihre Probebohrungen nach Gips in der Kreisstadt starten, haben sie ausgemacht: in einem Gebiet zwischen Bietzen und Merchingen, wie Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld auf SZ-Anfrage sagt. Auf diesem Plateau will die Firma aus Bayern nach Worten des Geologen Dr. Matthias Reimann ausloten, ob es sich überhaupt lohnt, den Rohstoff an dieser Stelle abzubauen.

„Es ist die einzige Stelle im Saarland, an der wir untersuchen“, sagt der Geologe. Eine Anfrage der Firma, Probebohrungen starten zu können, liegt laut Verwaltungschef Hoffeld seit einigen Wochen vor. Dieser Tage sei dem Rathaus eine Vereinbarung mit genauen Details aus dem fränkischen Iphofen zugegangen. „Wir werden uns zunächst einmal intern mit dem Schreiben auseinander setzen. Ob wir die Bohrungen wollen oder nicht, ist noch völlig offen“, sagt er. Der Prozess stehe erst ganz am Anfang.

Unabhängig davon, ob es zu den Bohrungen kommt oder nicht, hat der Verwaltungschef seine Forderungen klar formuliert: „Kein Mensch darf dadurch beeinträchtigt werden. Es dürfen keine Lärmbelästigungen entstehen, und die Umwelt darf nicht in irgendeiner Weise belastet werden.“

Eingebunden sind nach Bekunden von Hoffeld das Umweltministerium und das Bergbauamt. Auch müssten die Grundstückseigentümer einverstanden sein – eine Angelegenheit, die laut Reimann die Vereinbarung mit der Stadt regeln.

„In dem Vertrag wollen wir klären, wann und wie wir die Grundstücke der Besitzer betreten dürfen.“ Auch den Saarforst habe die Firma in die Sache involviert.

Das Testgebiet liegt nach Bekunden des Geologen auf dem Plateau oberhalb der Grube Saarfels, die 1962 geschlossen wurde. „Der Südrand des Plateaus ist von Tälern eingeschlitzt. Hier vermuten wir ein zusammenhängendes Gipsgelände.“

Als Grund für die Annahme nennt der Leiter Rohstoffsicherung und  Umwelt Ergebnisse, die eine Untersuchung von Knauf 1969 zu Tage brachten. „In dem Terrain der Grube, die Knauf nicht gehörte, ist  damals Gips entdeckt worden.“  Die erneuten Bohrungen sollen ergeben, ob das Feld ergiebig genug sei.

„Bei unseren Arbeiten werden weder Naturschutzgebiete noch Natura-2000-Gebiete berührt“, sagt er. Als beste Zeit für die Bohrungen bezeichnet er  den Zeitraum von September bis in den November hinein. „Auch bei Frost im Winter sind sie möglich. Nur nicht bei Regen, dann ist alles aufweicht.“

Reimann rechnet mit 14 bis 15 Bohrungen, um endgültige Gewissheit zu haben. „Dafür wird das  Bohrgerät, ein aufklappbarer Mast,  bis zu 70 Metern in den Boden eingelassen. Es ist eine dünne Stange, ähnlich der, wie man sie von Arbeiten an einer Autobahn kennt, wenn Gesteinsproben gezogen werden. „Auf einem Tieflader bringen wir alle Gerätschaften aus Bayern mit.“ Sollte in diesem Bereich wirklich einmal Naturgips abgebaut werden können, hat dies für den Geologen den besonderen Charme: die Nähe zur Saar. „Der Rohstoff könnte dann direkt über den Fluss verschifft und müsste  nicht auf Lkw durch die Ortschaften gekarrt werden.“

Doch soweit ist es nach seiner Darstellung noch lange nicht. Zunächst müssten die Merziger den Probebohrungen zustimmen. Vorausgesetzt die Merziger willigten ein und die Probebohrungen würden einen lohnenden Abbau versprechen, ginge es ans Genehmigungsverfahren. Wegen all seiner erforderlichen Gutachten könne es sich bis zu 20 Jahren hinziehen. „Es ist eine umfangreiche Sache“, sagt Reimann. Daher sei sein Unternehmen frühzeitig unterwegs. Es gelte, Alternativen für REA-Gips zu suchen. Bislang sei der in großen Mengen in den Rauchgas-Entschwefelungsanlagen der Kohlekraftwerk als Abfallprodukt. entstanden. Doch durch die Energiewende könnte das Material irgendwann knapp werden. Wenn Kohlekraftwerke abgeschaltet würden, müsste kein Rauchgas mehr entschwefelt werden. Setze die Bundesregierung ihren Plan beharrlich um, sei dies 2050 der Fall.