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"Wir packen an, ziehen es durch"

"Wir packen an, ziehen es durch"

Wie steht's mit den Vorbereitungen zur großen Reise? Goergen: Jetzt wird es Ernst. Alle Vorbereitungen sind getroffen und kommende Woche ist Abflug nach Afrika. Es gibt aber zuvor noch allerhand zu tun. Deshalb habe ich immer noch nicht gepackt, aber das nehme ich mal ganz gelassen - also afrikanisch

Wie steht's mit den Vorbereitungen zur großen Reise? Goergen: Jetzt wird es Ernst. Alle Vorbereitungen sind getroffen und kommende Woche ist Abflug nach Afrika. Es gibt aber zuvor noch allerhand zu tun. Deshalb habe ich immer noch nicht gepackt, aber das nehme ich mal ganz gelassen - also afrikanisch. Soeben haben Sie Ihre Bildungskampagne "One Goal - Bildung für alle" gestartet. Was erhoffen Sie sich davon? Goergen: Der Titel hat zwar etwas mit der Fußballweltmeisterschaft in Afrika zu tun, aber das englische Wort "Goal" bedeutet nicht nur "Tor", sondern auch "Ziel". Also dachten wir, "Ein Ziel, ein Spiel" ist eine gute Metapher für unsere Kampagne. Wir denken, dass das genau zu unserem Motto "Bildung für alle" sehr gut passt.Jetzt müssen Sie zu all Ihrer Arbeit auch noch die Werbetrommel für dieses Projekt rühren. Gibt es dazu irgendeine Unterstützung? Goergen: Ja, wir haben bereits eine Anfrage der Kindernothilfe bekommen, die mit unserem Clip auf ungleiche Bildungschancen aufmerksam machen will. Die Sache passt sehr gut ins Konzept und könnte unser Engagement nochmal ein gutes Stück weiter bringen.Wie hat sich die Herstellung dieses Videoclips gestaltet und wer hat Sie dabei unterstützt? Goergen: Als wir das Thema aufgriffen, gab es spontane Zusagen von unseren Merziger "Rappern", die das Ding ganz professionell durchgezogen haben. Dazu hatten wir sehr gute Musiker, und nicht zuletzt unseren Projektchor, der sich aus den mittlerweile 140 Mitgliedern des Vereins "Ein Licht für Afrika" rekrutiert. Die eigentlichen Hauptdarsteller waren allerdings unsere Schüler, die einen riesen Spaß hatten.In diesem Videoclip sind teilweise Aufnahmen aus Afrika mit eingeschnitten. Wann haben Sie diese Videoaufnahmen gemacht? Goergen: Diese Filmsequenzen stammen von unserem letztjährigen Besuch in Mosambik. Damals haben wir die Lage sondiert und unser Konzept gemeinsam mit unseren Afrikanischen Freunden erarbeitet. Bis heute begleitet uns die einheimische Künstlerin Joaquina Siquice, die seit einigen Jahren in Saarbrücken als Tanzlehrerin tätig ist und Trommelkurse gibt.Mit welchen finanziellen Mitteln gehen Sie nun an die Arbeit? Goergen: Unsere Spendenaktion "Ein Licht für Afrika" läuft seit 2007. Während aller Aktivitäten und hauptsächlich während der Konzerte unseres Chores haben wir rund 25 000 Euro eingesungen. Die Sachspenden wie Zahnarztpraxis, Schulmobiliar, weit über 100 Fahrräder und viele Gegenstände des täglichen Bedarfs addieren sich noch dazu. Der große Container mit den Sachspenden ging ja bereits Mitte Mai auf die Reise nach Mosambik und wird gleichzeitig mit unseren Helfern dort sein. Konnten Ihnen Mosambikanische Behörden bei der Organisation etwas unter die Arme greifen? Goergen: Ganz im Gegenteil. Zwar hatte der Mosambikanische Botschafter bei einem Treff in Berlin mir seine ganz persönliche Unterstützung zugesichert. Aber davon ist leider nichts übrig geblieben. Jetzt hat uns der Zoll des ostafrikanischen Staates angekündigt, dass wir für die Einfuhr der Spenden noch 2000 Euro bezahlen sollen. Das versteht kein Mensch, dass Hilfsgüter - allesamt Spenden - verzollt werden müssen. Korruption lässt grüßen. Wir mussten schon 5000 Euro für die Verschiffung aufbringen, da gab es ebenfalls nichts zu verhandeln.Kann Ihnen dabei die Deutsche Botschaft nicht ein wenig Unterstützung gewähren? Goergen: Nein, die haben uns klipp und klar gesagt, dass es nicht möglich sei, sich in Angelegenheiten des Mosambikanischen Staates einzumischen. Gott sei Dank haben wir vor Ort einheimische Helfer, die für uns die ebenfalls schwierigen Behördengänge erledigen. Jetzt wissen wir erst, was wir auf uns geladen haben und es gab Tage, an denen ich nicht mehr weiterwusste. Aber Schwamm drüber. Wir packen es an und ziehen es durch.Sie werden jetzt knappe sechs Wochen in Afrika sein. Wie geht es dann weiter? Goergen: Ich hoffe, wir können die Saarbrücker Zeitung nach unserer Rückkehr aus Afrika mit tollen Erfolgsmeldungen und schönen Bildern versorgen. Wir werden dann ein Blog über unsere geleistet Arbeit liefern und sofort mit einer neuen Staffel unseres Projektchors beginnen. Ich bin sehr froh, dass sich bereits im Vorfeld mehr als 120 Menschen dafür gemeldet haben.

HintergrundNach einem langen Bürgerkrieg ist das Land im Südosten Afrikas ausgeblutet und kommt, nachdem die Menschen zudem noch von einer Flutkatastrophe heimgesucht wurden, kaum noch auf die Beine. Es bedarf großer Anstrengungen und vieler Hilfsaktionen, um den Menschen dort - besonders den Kindern - zumindest regional eine Perspektive zu geben. Die Initiative der Christian-Kretzschmar-Schule Merzig "Ein Licht für Afrika" stellt sich dieser Aufgabe mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. Deshalb werden die Männer und Frauen um Projektleiter Christoph Goergen jetzt in unseren Sommerferien vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe leisten. owaAuf einen Blick:An der Musikproduktion und am Videoclip "One Goal", haben mitgewirkt: Musik: Christoph Goergen; Text: Martin Schuck; Bass: Steven Klein; Gitarre: Dominik Gimler; Keyboards: Daniel Barth; Schlagzeug: Benjamin Haupental; Percussion: Joaquina Siquice, Christoph Goergen; Gesang: Projektchor "Ein Licht für Afrika"; Rapper: Dardan Idrizi, Ali Kassim, Anna-Maria-Kral, Serdar Misini. owa