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Willkommen im grünen Wohnzimmer

Merzig-Wadern. Derzeit ist Hoch-Zeit für Gartenfreunde. Am 25. Juni ist Tag der offenen Gartentür, wenig später wird der schönste Garten im Grünen Kreis gekürt. red

Auch wenn es eine lange Trockenheit und böse Fröste gab, welche den Gärten und Streuobstwiesen im Landkreis zusetzten, zeigen sich Ende Mai die Zier- und Nutzgärten im Landkreis sowie die Streuobstwiesen von ihren schönsten Seiten. Richtig ist: Die lange Trockenheit zwang die Gärtner zum Gebrauch der Gießkanne, und die frostempfindlichen Frühblüher haben Schäden davon getragen. Für viele fällt die Kirschenernte dieses Jahr praktisch aus und die Hortensien fangen erst jetzt wieder an, Knospen zu zeigen, welche dann im nächsten Jahr wieder Blumen hervorbringen. Aber das ficht die Gartenfreunde wenig an. "Früher waren es die Eisheiligen, welche regelmäßig für Verdruss sorgten, die kannte man ja schon. Diesmal waren sie etwas früher da. Die Vielfalt in unseren Gärten sorgt dafür, dass man sich an den verbleibenden Früchten und Blühern erfreuen kann", tröstet Alois Engeldinger, der Kreisvorsitzende der Obst- und Gartenbauvereine, die Gartenbesitzer. Es gelte, sich dieses Jahr auf die Beeren und Gemüsesorten zu konzentrieren. Das notwendige Wissen hierzu vermitteln die örtlichen Obst- und Gartenbauvereine.


Ihre Mitglieder erfahren regelmäßig die Termine zu Lehrgängen und Fachvorträgen, die sie zumeist kostenlos nutzen können.

Wie alle Jahre finden auch 2017 zwei Wettbewerbe statt: Die Jury des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine Merzig-Wadern wird in wenigen Wochen (28. und 29. Juni) die zum Wettbewerb "Schönster Garten in Merzig-Wadern" gemeldeten Hausgärten aufsuchen und bewerten. Wenige Tage vorher (Sonntag, 25. Juni) findet der "Tag der offenen Gartentür" statt, an dem sich immer auch mehrere Gartenbesitzer aus dem Landkreis Merzig-Wadern beteiligen. Erst einige Wochen später, wenn die Obstbäume in voller Pracht dastehen, wird eine Fachjury des Kreisverbandes die gemeldeten Streuobstwiesen bereisen und kritisch unter die Lupe nehmen. Hierzu wird es noch einen gesonderten Aufruf geben.



Zumeist hat es die Jury nicht leicht, einen eindeutigen Sieger auszumachen. Die Kreativität der Haus- und Hobbygärtner scheint keine Grenzen zu kennen. "Was hier geleistet wird, verdient Anerkennung! Davon profitieren nicht nur die Gartenbesitzer selbst: von ihrem Fleiß und ihrer Kreativität profitiert auch die Allgemeinheit in Form attraktiver Ortsbilder und Landschaften", hebt Kreisvorsitzender Engeldinger den Wert der Hausgärten und des Wettbewerbs hervor. Dabei sei es nicht nur die Generation jenseits der 50, die ihre Liebe zur Gartengestaltung entdeckt.

Mehr und mehr erkenne man auch in den nachwachsenden Generationen den Wert des eigenen Gartens, und immer öfter seien es junge Hausbesitzer und umweltbewusste Familien, welche ihr kleines Paradies präsentieren und begierig Tipps der Jurymitglieder entgegen nehmen. Im vergangenen Jahr wollte die Jury keinen alleinigen Sieger benennen, sie vergab drei erste Plätze, davon zwei in die Gemeinde Beckingen (Familie Ingrid Gerling, Beckingen, und Familie Marita Schiffmann, Haustadt) und einen nach Britten zu Familie Mathilde Jungfer.

Beide Wettbewerbe sind offen - auch Hobbygärtner und Besitzer von Streuobstwiesen, die nicht Mitglied in einem Obst- und Gartenbauverein sind, können sich anmelden und teilnehmen. Es lohnt sich auf jeden Fall, verlieren kann bei diesen Wettbewerben niemand. Jeder gemeldete Teilnehmer erhält zumindest einen Sachgutschein und ein einjähriges Abo der Gartenzeitung des Verbandes. Die drei Erstplatzierten erhalten zusätzlich Geldprämien im Wert von 100, 75 oder 50 Euro. Und nicht zu vergessen: Die Beratung der Fachjury für jeweils fast eine halbe Stunde hat man kostenlos.

Zum Schluss findet Engeldinger ein kritisches Wort zum seit Jahren anhaltenden Trend vieler Eigenheimbesitzer, die Vorgartenflächen mit "Schotter" zu gestalten. "Die ‚Steinepes' grassiert ausgerechnet hier, im Grünen Kreis." Während in vielen Städten "urban gardening" Mode sei und Bienenvölker auf Hochhäusern ein Zuhause geboten wird, meine man hier, bunte Steine aus Übersee vors Haus kippen zu müssen, weil das vermeintlich pflegeleichter sei.

Engeldinger mahnt: "Aber der Vorgarten ist die Visitenkarte des Hauses. Schon hier erkennt man, mit wem man es zu tun hat. Ein Vorgarten mit Schotter auf Vlies ist tot! Nichts in dieser Mondlandschaft lädt ein zum herzlichen ‚Hereinspaziert!', weder an die Adresse von Menschen, noch die von Tieren. Bienen und Vögel müssen woanders nach Nahrung suchen. Das spricht für sich!"

Der Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine freut sich über jede Anmeldung. Diese sollten bis spätestens Mitte Juni erfolgen zu den üblichen Bürozeiten an die Geschäftsstelle des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine beim Landratsamt in Merzig, Telefon (0 68 61) 8 02 41.

Zum Thema:

Zehn Punkte werden bewertet Zehn Punkte umfasst der Kriterienkatalog, nach dem die Juroren unter dem Vorsitz von Alois Engeldinger die am Wettbewerb teilnehmenden Hausgärten beurteilen. Hierzu zählen außer der optischen Vielfalt und Blumenpracht auch der Pflegezustand von Nutz- und Ziergartenbereichen, die Berücksichtigung der Interessen von Kindern und die Speicherung und Nutzung von Regen-wasser. Bei den Streuobstwiesen zählen vor allem die Kriterien Vielfalt und Pflegezustand der Obstsorten, ökologische Wertigkeit, auch mit Blick auf die Förderung von Nützlingen und der Gesamtpflegeeindruck.

Impressionen des Siegergartens des Wettbewerbs 2016 der Familie Gerling in Beckingen. Fotos: Alois Engeldinger
Impressionen des Siegergartens des Wettbewerbs 2016 der Familie Gerling in Beckingen. Fotos: Alois Engeldinger