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Knapp 80 Vereine aus der Kreisstadt Merzig besprechen Zukunft im Neuen Rathaus
Wie macht man Vereine fit für die Zukunft?

Auf dem Abend der Sportvereine: Frank Wagner, MdL, und Vorsitzender des Stadtverband Sport; Fotograf Jerry André; Robert Reiter, Vereinsberater des Landessportverbandes Saar; Bürgermeister Marcus Hoffeld (v. l.).
Auf dem Abend der Sportvereine: Frank Wagner, MdL, und Vorsitzender des Stadtverband Sport; Fotograf Jerry André; Robert Reiter, Vereinsberater des Landessportverbandes Saar; Bürgermeister Marcus Hoffeld (v. l.). FOTO: Kreisstadt Merzig
Merzig. Berater Robert Reiter gab beim Abend der Vereine in Merzig Tipps gegen Mitgliederschwund.

() Die Probleme, denen sich Vereine in Zukunft gegenübersehen, standen vor kurzem im Mittelpunkt auf dem dritten Abend der Sportvereine im Neuen Rathaus. Das teilt Stephan Fandel von der Kreisstadt Merzig mit.



Wie mache ich meinen Verein fit für die Zukunft? Diese Frage stellen sich derzeit nicht nur Mitglieder und Vorstände von Sportvereinen, und so hatte der Stadtverband Sport alle Vereine der Kreisstadt zu diesem Abend eingeladen – mit Erfolg. Laut Stadtverband hatten sich knapp 80 Merziger Gruppen im großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses eingefunden.

Unter den Gästen war auch Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld. Er zeigte sich von dem vielen Besuch begeistert: „Normalerweise gibt es hier ja nur die Sitzungen des Stadtrates, und die sind selten so gut besucht.“ Das Thema des Abends sei aber ein besonders wichtiges für die Vereinsvorstände. Dies habe sich aktuell beim Merziger Viezfest gezeigt, resümiert Hoffeld. „Das Fest ist immer noch sehr beliebt, und es machen auch noch viele Vereine mit“, sagte der Verwaltungschef, „aber die Rückmeldung zeigt, dass es kaum noch ehrenamtliches Personal für die Besetzung der Stände gibt.“ Dies sei leider ein allgegenwärtiger Trend, der gestoppt werden müsse.

Aus diesem Grund hatten Stadtverband und Kreisstadt Robert Reiter, den Vereinsberater des Landessportverbandes Saar (LSVS) nach Merzig gebeten. Reiter sagte, er habe diese Einladung gerne angenommen, denn von seinem Vortrag im Rahmen der Merziger Vereinsmesse im vergangenen Jahr wisse er, wie sehr das Thema interessiere. „Aber“, unterstrich Reiter, „ich kann mit meinen Infos leider auch nur eine Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Einen Ehrenamtlichen, der Arbeit und Zeit in einen Vereinsjob investiert, kann ich nicht backen.“ Ein Patentrezept für ein attraktives Vereinsleben gebe es ebenfalls nicht. „Was in dem einen Verein gut funktioniert, muss in einem anderen nicht zwingend zünden. Hier gilt es, die Vorgaben auf den eigenen Verein anzupassen“, riet Reiter. Man solle es immer weiter probieren, steter Tropfen höhle den Stein.

Alle Vereine stehen derzeit vor großen Herausforderungen, wie Reiter bekräftigte: Mitgliederschwund, die demografische Entwicklung, Veränderungen in der Schulpolitik, finanzielle Probleme und die sinkende Bereitschaft zum Ehrenamt sind nur einige davon. Ein Verein, betonte der Fachmann, brauche eine Strategie, er müsse über den eigenen Tellerrand blicken können. „Eine Strategie, ein klar formuliertes Ziel, das schafft Motivation“, erläuterte der Berater, wobei das Ziel „präzise, messbar und zeitlich genau terminiert“ sein müsse. Ein weiteres Problem sei das Finden von Führungspersonal. In jüngerer Zeit habe sich ein Trend verfestigt, wonach sich immer weniger Menschen bereit erklären, den Vereinsvorsitz zu übernehmen. Grund sei die Angst, für Tätigkeiten des Vereins haftbar gemacht zu werden. In dieser Hinsicht seien die Gesetze jedoch jüngerer Vergangenheit so weit entschärft worden, dass diese Angst genommen werden könne. Wichtig seien auch eine gesunde Finanzierung und die Qualifizierung des Personals. Hier bietet auch der Stadtverband Sport an, Fragestellungen der Vereine an den LSVS zu übermitteln.

Im zweiten Teil des Abends berichtete der Merziger Fotograf Jerry André über sein Leben im Tross des Formel-Eins-Zirkus. Seit 2005 ist der Luxemburger mit Wohnsitz in der Kreisstadt bei der Formel Eins akkreditiert, seit 2016 zählt er zum elitären Kreis derer, die bei jedem Rennwochenende dabei sind. „Mit Einsätzen bei der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft und den Testfahrten sind es 38 Wochenenden im Jahr, an denen ich rund um den Erdball unterwegs bin“, sagte André. Das Ganze sei schon ein Traumjob, aber auch knallharte Arbeit.

An jedem Einsatz-Wochenende ist André, wie er erzählte, von Donnerstag bis Sonntag jeweils 14 Stunden unterwegs und schleppt 30 Kilo Ausrüstung mit. Pro Wochenende stellt er seinen verschiedenen Auftraggebern annähernd 15 000 bearbeitete Bilder zur Verfügung. Zu diesen Kunden gehören die Formel-Eins-Organisation, verschiedene Teams und auch Magazine. Größter Erfolg waren eine Million Facebook-Likes auf einem seiner Fotos auf der Seite von Weltmeister Lewis Hamilton. „Ich liebe meine Arbeit“, meinte Jerry André, „es ist das, was ich immer machen wollte. Man kann kreativ sein, und immer Neues entdecken.“

Robert Reiter ist zu erreichen per E-Mail unter r.reiter@lsvs.de sowie  unter Tel. (0681) 3 87 93 21.