Wie eine SZ-Mitarbeiterin von der Pleite von Thomas Cook betroffen war

Kostenpflichtiger Inhalt: Besseringen : Bange Tage in Chania

SZ-Mitarbeiterin Tina Leistenschneider befindet sich zurzeit auf Kreta im Urlaub – und wurde dort von der Pleite des Konzerns Thomas Cook erwischt: Sie und ihre Eltern waren mit der Thomas-Cook-Tochter Condor auf die Insel geflogen. Was das für sie bedeutete, schildert sie unserer Redaktion.

Gestrandet – wie eine nervige Fliege schwirrt mir dieses Wort im Kopf herum, brummt hin und her, beschäftigt mich im Geiste. Dann wieder lässt sie sich nieder und bleibt ruhig, ich kann die trüben Gedanken zur Seite schieben und wieder an etwas Anderes, an etwas Schöneres, denken.

Dabei war alles so idyllisch in den ersten Tagen: Vor zwei Wochen bin ich mit meinen Eltern in den gemeinsamen Urlaub gestartet. Zwei unbeschwerte Wochen auf der schönen Mittelmeerinsel Kreta. Ein Urlaub, auf den wir uns schon lange gefreut haben. Gebucht haben wir ihn über die Tui, geflogen sind wir mit der namhaften deutschen Fluggesellschaft Condor. In Chania an der Nordwestküste der Insel haben wir unser Quartier bezogen Und alles war schön, alles war sorgenfrei. Bis Sonntagabend.

Ich rufe mir den warmen Sand unter meinen Füßen und das glasklare und türkis-schimmernde Wasser vor Augen, das in meinem Kopf erscheint, wenn ich an das Wort „gestrandet“ denke.

Für viele Touristen bedeutet „gestrandet“ aktuell jedoch etwas Anderes, weitaus Unangenehmeres. Was sich am Sonntag ankündigt, wird am Montag wahr: Der britische Reiseveranstalter Thomas Cook meldet Insolvenz an, über 140 000 deutsche Touristen sind Medienberichten zufolge allein  von der Pleite betroffen und stecken fest – sind gestrandet. Schnell schwappt die Sorge von England, dem Hauptsitz des Reisekonzerns aus, nach Deutschland, viele denken: Was ist mit den deutschen Tochter-Unternehmen des Pleite-Konzerns, wie Neckermann-Reisen, Öfer-Tours, Bucher-Reisen – oder Condor, der Airline?

Heißt es am Montag noch, Condor sei profitabel und erziele wirtschaftlich Erfolge, beantragt das Unternehmen wenige Stunden später bei der Bundesregierung einen staatlichen Hilfskredit. In der Schwebe bleibt die Frage: Kommen die Touristen, die mit Condor im Ausland sind, wieder zurück? Auch wir stellen uns diese Frage: Geht unser Flugzeug? Die Medienberichte über Thomas-Cook-Urlaubern, die von Hoteliers in ihren Reiseländern nicht mehr aus den Unterkünften gelassen werden und genötigt werden, ihre Zimmer dort noch einmal direkt beim Hotel zu bezahlen, sorgen nicht gerade für Beruhigung bei mir und meinen Eltern.

Neugierig und gespannt verfolgen wir jeden Medienbericht, beinahe stündlich gibt es neue Stellungnahmen, die immer ein bisschen mehr Hoffnung machen. Es heißt, Fluggäste, die eine Pauschalreise gebucht haben, kommen nach Hause. Auch wir haben unsere Reise konventionell im Reisebüro bei einem großen Reiseveranstalter, der nicht zum Thomas-Cook-Imperium gehört, gebucht.

Am Dienstag ist die Stimmung dennoch angespannt. „Fliegen Sie auch mit Condor?“, frage ich Mitreisende, die verhalten lachen. Auch sie haben von der Nachricht gehört, kaum ein Nachrichtensender berichtet nicht darüber. „Sorgen machen wir uns keine“, sagt die Gruppe, auch unsere mitreisenden Bekannten aus Brotdorf geben sich gelassen. Sie lassen sich den Urlaub scheinbar nicht verderben, zu weit entfernt scheint die Abreise. „Wenn wir erst mal in Malta sind, kommen wir auch nach Hause“, sagt meine Mama. Auch die Reiseleitung schweigt diesbezüglich und gibt den Hinweis, dass der Transfer zum Flughafen noch buchbar ist. Gibt es überhaupt Grund zur Sorge?

SZ-Mitarbeiterin Tina Leistenschneider Foto: privat. Foto: Tina Leistenschneider

Wie sich dann am Mittwochmorgen zeigt: Nein, den gibt es nicht, Condor erhält von der Bundesregierung einen millionenschweren Kredit und kann vorerst weiterfliegen. So können auch am Sonntag wir beruhigt die Heimreise antreten. Und doch: Ein wenig mitfühlen können ich und meine Eltern mit all den gestrandeten Thomas-Cook-Kunden schon. Für manche von ihnen ist der Urlaub, eigentlich die schönste Zeit des Jahres, zum Horrortrip geworden. Für uns ist noch einmal alles gut gegangen.

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