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Wie die Senioren-WG in Merzig mit der Corona-Krise umgeht

Kostenpflichtiger Inhalt: „Eigenständig wohnen im Alter“ in Merzig : Komplettes Kontaktverbot nach draußen

Wie die Senioren-WG „Eigenständig Wohnen im Alter“ in Merzig mit der Corona-Krise umgeht.

Als am 9. März der erste Fall von Covid-19 im Landkreis Merzig-Wadern bekannt wurde, schrillten bei Maria Bänsch die Alarmglocken. Bänsch ist die Leiterin der Senioren-WG „Eigenständig Wohnen im Alter“ (EWA) in Merzig. Die Bewohner der WG sind zwischen 62 und 90 Jahre alt und gehören somit einer Risikogruppe an. Sie habe damals umgehend auf die neue Situation reagiert und Vorkehrungen getroffen, erinnert sie sich im Gespräch mit der SZ. So sei zum Beispiel ein Besuchsverbot für Verwandte erlassen worden. Außerdem dürfen die Bewohner das Haus nicht mehr verlassen. Laut Bänsch bestehe ein „komplettes Kontaktverbot nach draußen“.

Der Zugang zur WG ist für Außenstehende massiv eingeschränkt worden. Bänsch erläutert das Vorgehen anhand eines Beispiels: „Lieferanten kommen im Moment nur noch bis zum Eingang. Dort nehmen wir alles in Empfang und sortieren es selbst ein.“ Sie fügt hinzu, dass in der WG zwar theoretisch noch ein Platz frei wäre. Doch ein potenzieller Neubewohner müsste 14 Tage Isolation auf dem Zimmer in Kauf nehmen. Das Betreten der WG sei nur noch im absoluten Notfall gestattet. Wenn es gesundheitliche Probleme gebe, dann werde die Behandlung über Skype geregelt, erzählt Bänsch. Bislang habe es einen medizinischen Notfall gegeben, infolgedessen musste eine Bewohnerin zum Arzt gefahren werden – diese befindet sich laut Bänsch zurzeit in der WG in Quarantäne.

Ansonsten sieht sich die EWA-Leiterin so gut es geht gerüstet für die Pandemie: „Unsere Leute sind geimpft gegen Grippe und Pneumonie (Lungenentzündung, Anmerkung der Redaktion).“ Diese Impfungen verbesserten die Überlebenschancen im Falle einer Infektion mit Covid-19, sagt Bänsch. Wichtigste Ansprechpartner hinsichtlich Hygiene und gesundheitlicher Vorkehrungen seien die Heimaufsicht und das saarländische Sozialministerium. Die Heimaufsicht mache verbindliche Vorgaben, an die sie sich zu halten habe, führt Bänsch aus.

Die Pandemie hat den Alltag der WG-Bewohner verändert. Bänsch berichtet, dass nun Improvisation gefragt sei und nennt als Beispiel das Haareschneiden. Zwar dürfen Friseure die WG jetzt nicht mehr betreten, aber eine Bewohnerin habe früher als Friseurin gearbeitet. Also hätten Bänsch und das WG-Team ihr eine Schneidemaschine besorgt, mit der sie ihren Mitbewohnern die Haare schneiden könne.

Das Besuchsverbot für Kinder und Enkel ist laut Bänsch für die Bewohner der Senioren-WG eine besonders schmerzhafte Einschränkung. Jedoch seien Wege gefunden worden, um den Kontakt aufrechtzuerhalten. So rufen die Angehörigen vorher an und vereinbaren, wann sie vor dem Balkon erscheinen sollen – jedes Zimmer in der Senioren-WG hat einen Balkon. Die Bewohner kommen dann dorthin und können sich aus sicherem Abstand mit ihren Familienmitgliedern unterhalten. Zwar bestehe auch die Möglichkeit, über Skype zu kommunizieren, aber die Senioren bevorzugten die Begegnungen am Balkon, so Bänsch.

Jedoch hat sich nicht alles verändert. Das gemeinsame Mittagessen ist nach wie vor ein Fixpunkt im WG-Alltag. Damit der Zwei-Meter-Abstand eingehalten wird, werden die Stühle so weit wie möglich auseinandergezogen. Bänsch betont: „Wir versuchen alles, um möglichst alle Risiken zu vermeiden.“ Jedoch weiß sie auch: „Die Leute leben hier auf engstem Raum.“ Und was ist mit dem in diesen Tagen berühmt-berüchtigten Toilettenpapier? „Wir bestellen es alle sechs bis acht Wochen in großen Mengen“, entgegnet sie auf diese Frage. Die WG sei mit Mundschutz und Desinfektionsmitteln „gut bestückt“ und der Lebensmittelvorrat „gut gefüllt“. Bänsch erzählt, dass die Bäckerei Tinnes die Wohngemeinschaft mit Brötchen versorge. Es bestehe kein Grund zur Sorge: „Wir könnten drei bis vier Wochen autark leben, ohne groß einkaufen zu müssen.“

Ohne das Personal könne der Betrieb in der Senioren-WG während der Corona-Krise nicht aufrechterhalten werden. Um die Bewohner vor einer Infektion zu schützen, sind Mitarbeiter mit viel Sozialkontakt beziehungsweise einer Familie derzeit nicht im Einsatz. Die fünf Mitarbeiter, die sich im Moment um die Bewohner kümmern, bedecken ihren Mund mit einer Schutzmaske, „wenn direkter Kontakt zu Bewohnern besteht“, wie Bänsch sagt. Außerdem benutze das Personal Desinfektionsmittel und trage Handschuhe.

Bänsch bricht zum Schluss noch eine Lanze für ihre Mitarbeiter: „Es ist absolut bemerkenswert, was unser Personal leistet, um unsere Bewohner zu versorgen und zu schützen. Was wir und viele andere in der Pflege und der Betreuung leisten, ist gigantisch.“