Demokratie-Projekt: Wie das Kreuzchen machen? Schüler lernen den Urnengang

Demokratie-Projekt : Wie das Kreuzchen machen? Schüler lernen den Urnengang

Auch am Merziger Gymnasium am Stefansberg beteiligen sich die Schüler an der „Juniorwahl“, mitmachen können sie ab der neunten Klasse.

( Auch am Merziger Gymnasium am Stefansberg (GaS) läuft in dieser Woche das Projekt „Juniorwahl“. „Seit Montag herrscht aufgeregtes Treiben: In regelmäßigen Abständen laufen Schüler mit Personalausweisen und Wahlbenachrichtigungskarten durch die Flure“, teilt GaS-Direktor Albert Ehl mit. Ihr aller Ziel: die Wahlurne im ersten Stock des Verwaltungsgebäudes der Schule. Denn dort findet diese Woche die „Juniorwahl“ statt, bei der die Schüler den Wahlvorgang der Bundestagswahl simulieren.

„Die „Juniorwahl“ läuft deutschlandweit seit Jahren parallel zu Landtags- und Bundestagswahlen. „Wir nehmen mit unserer Schule bereits zum vierten Mal teil“, berichtet Politiklehrer Wolfgang Lorenz und erklärt: „Wir versuchen es genauso zu handhaben wie bei der richtigen Bundestagswahl. Wir führen ein Wählerverzeichnis, es werden Wahlbenachrichtigungskarten ausgeteilt, die die Schüler zum Wählen auch mitbringen müssen. Und natürlich sollen sie – wie bei der echten Wahl – auch ihren Personalausweis dabei haben. Wir wählen mit Originalstimmzetteln unseres Wahlkreises 297 und natürlich ist die Wahl auch geheim.“ Eigens für die „Juniorwahl“ wurde der Computerraum des GaS in ein Wahllokal verwandelt. Oberstufenschüler üben sich als Wahlhelfer und sorgen für einen reibungslosen Ablauf der Wahl, so auch Paul Thiede aus der Klassenstufe 11: „Wir müssen die Personalausweise kontrollieren, die Namen der Schüler mit dem Wählerverzeichnis abgleichen, die Wahlbenachrichtigungskarten einsammeln, die Stimmzettel ausgeben, die Wahlurne freigeben und auch die Stimmen auszählen.“

Überreden zum Helfen musste die Schüler niemand – im Gegenteil: „Wir machen das gerne, weil wir politisch interessiert sind“, sagt Elftklässlerin Rebeka Hatvani und nennt auch den Grund: „Wir wollen gerne unterstützen, dass die Schüler sich politisch engagieren und sich ernsthaft mit der Wahl beschäftigen.“ Während an vielen anderen am Projekt beteiligten Schulen schon ab der siebten Klasse gewählt wird, dürfen die Schüler am Gymnasium am Stefansberg erst ab Klassenstufe 9 teilnehmen. „Wir haben uns dazu entschlossen, weil die Schüler erst ab der neunten Klasse Politikunterricht haben. Dort kann die Wahl von den Lehrern inhaltlich vorbereitet werden: Wir stellen das Wahlsystem vor und auch die inhaltlichen Positionen der einzelnen Parteien vor allem zu Themen, die die Schüler interessieren“, nennt Politiklehrer Wolfgang Lorenz die Begründung. Die Schüler nehmen nach Auskunft der Schule das Wahl-Angebot dankend an. „Durch die Teilnahme an der ;Juniorwahl’ haben wir das Gefühl, mitreden zu können bei einem ziemlich erwachsenen Thema“, findet etwa Nina Terwort, die Klassensprecherin der 9b, und Mitschülerin Charlotte Walter ergänzt: „Für uns ist es total interessant zu sehen, wie alles abläuft, wenn man später wirklich wählen muss.“

Und auch wenn die „Juniorwahl“ nur eine Simulation ist, nehmen die Schüler den Gang zur Wahlurne in der Regel wirklich ernst – sehr zur Freude von Lehrer Lorenz: „Das erkennt man daran, dass die Wahlergebnisse der Schüler in den letzten Jahren immer mit den Ergebnissen der echten Wahl vergleichbar waren, die Schüler verhalten sich also durchaus so, als würden sie an der richtigen Wahl teilnehmen.“ Das kann Neuntklässlerin Marie Morlo nur bestätigen: „Ich fand’s spannend, weil man sich im Vorfeld genau überlegen musste, wen man wählt.“ Insgesamt nehmen in diesem Jahr rund eine Million Schüler an 3500 Schulen in ganz Deutschland an der „Juniorwahl“ teil – das ist ein neuer Rekord. Das große Interesse an der Wahlsimulation hält Wolfgang Lorenz mit Blick auf die Zukunft für sehr wichtig: „Sinn und Zweck ist es, die Schüler für die Wichtigkeit der Wahl als bedeutendstes Instrument der politischen Beteiligung der Bevölkerung zu sensibilisieren. Wir wollen sie motivieren, später — wenn sie wahlberechtigt sind — auch tatsächlich zur Wahl zu gehen und sich politisch zu positionieren.“ Und das scheint zu gelingen. „Ich werde später auf jeden Fall später wählen gehen. Auch wenn ich nur einer von 80 Millionen bin, will ich meine Meinung einbringen, schließlich zählt bei so einer Wahl jede Stimme“, findet Tim Reichert aus der 9b. Das bestätigt auch Klassenkameradin Nina Terwort: „Ich finde es doof, wenn alle sagen, sie wollen was verbessern, aber nichts dafür tun. Im Gegensatz dazu will ich später mithelfen, die Welt zu verändern.“

Wie die Schüler gewählt haben, kann man am  Wahlsonntag ab 18 Uhr auf www.juniorwahl.de sowie auf der Schulhomepage www.gas-merzig.de sehen.