Wichtige Informationen für Einwanderer

Wichtige Informationen für Einwanderer

Wer Fragen zum Thema Integration hatte, erhielt Antworten auf der Messe Immigra in der Merziger Stadthalle. In Workshops, Vorträgen und an Infoständen wurde eine große Bandbreite an Themen erörtert.

Als das Format der Immigra 2008 entwickelt wurde, war noch gar nicht abzusehen, wie dringlich und brisant das Thema heute sein würde. Angesichts des nicht abreißenden Flüchtlingsstroms trifft die zweite Auflage der Fachmesse in Merzig den Nerv der Zeit - auch wenn die Immigra durch das Programm "Integration durch Qualifizierung" und das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie finanziert wird und eigentlich auf die nachhaltige Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund abzielt. Dass sich am Dienstag so viele Besucher in der Merziger Stadthalle informierten, zeigt, dass Deutschland schon lange ein Einwanderungsland ist.

"Integration ist keine vorübergehende Sonderaufgabe, sondern eine Daueraufgabe", sagte Ministerin Monika Bachmann , die Integrationsbeauftragte des Saarlandes, bei ihrem Grußwort zur Fachtagung. Angesichts der Schätzung von Experten, dass bis zum Jahresende 800 000 bis eine Million Flüchtlinge die Bundesrepublik erreichen würden, brauche Deutschland eine Willkommenskultur. Dieser Aufgabe müssten sich alle stellen. Die Politik, die Wirtschaft und vor allem der Gesellschaft. Wichtig ist laut Bachmann vor allem eine schnelle Erfassung und im Anschluss eine schnelle Entscheidung über Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung von Einwanderern.
Unternehmen informierten



Denn Integration funktioniert in erster Linie über Sprache, Arbeit und der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. So punktete die Immigra bereits am Vormittag mit einer Informations- und Beratungsbörse, bei der sich auch viele Unternehmen aus der Region präsentierten. Ob Informationen zu Sprachkursen, zur Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen, zu Bewerbungsmappen , den Themen Schule und Schulsystem in Deutschland, zur Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis oder Selbständigkeit - keine Frage sollte hier unbeantwortet bleiben, thematisiert in Workshops, Vorträgen und an Infoständen.

Bei der Fachtagung der Immigra wurde auch klar, dass es nicht vorrangig um die Neuankömmlinge geht. "Merzig ist schon eine Stadt der Vielfalt", sagte Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld . "Hier leben bereits 6300 Menschen mit Migrationshintergrund , das sind über 20 Prozent." Deshalb sei die Willkommens- und Anerkennungskultur hier immer groß geschrieben worden. Hoffeld verwies hier vor allem auf die große Anzahl an Ehrenamtlichen, die die neuen Bürger unterstützen.

Positiv, aber nicht ohne Diskussionsbedarf äußerte sich Dieter Filsinger, Professor für Sozialpolitik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW): "Vielfalt ist keine Wohlfühlaktion. Es wird Probleme geben." Denn neben einer massiven Hilfsbereitschaft sehe er auch eine starke Gegenbewegung. Diese Konflikte müsse man in den Blick nehmen. Deshalb müsse eine neue Leitbild-Diskussion über eine grundsätzliche Selbstbeschreibung und pragmatische Lösungen geführt werden. "Dieser Debatte dürfen wir uns nicht entziehen, dann sind wir besser vorbereitet", sagte Filsinger, "aber mit der Immigra ist Merzig schon gut aufgestellt". Weil sie Austausch, Hilfe und Vermittlung biete.

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