1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Merzig

Maisalm in Merzig: Wer findet den richtigen Weg durch den Mais?

Maisalm in Merzig : Wer findet den richtigen Weg durch den Mais?

Auf rund 30 000 Quadratmetern bietet die Maisalm in Merzig noch bis September einen Irrgarten, der Jung und Alt anlockt.

Ich bin verloren. Rechts von mir steht Mais, links von mir steht Mais. Vor mir teilt sich der Weg, aber ich weiß nicht, ob ich nach rechts oder nach links abbiegen soll. Ich überlege kurz, komme aber zu keinem Ergebnis. Ich schaue in den einen Gang hinein, gehe um die Biegung – Sackgasse. Also muss der andere Weg der richtige sein . . . oder?

Ich bin auf der Anlage der Mais‑alm in Merzig am Saarwiesenring. Auf rund 30 000 Quadratmeter erstreckt sich das Feld, das Stefan Spangenberger und Mike Puhlmann in diesem Jahr zum zweiten Mal in einen Irrgarten verwandelt haben. Mit Erfolg: Denn ich habe mich zwischen den teilweise über drei Meter hohen Pflanzen völlig verirrt. Dabei ist mein Ziel nicht nur, irgendwann wieder herauszufinden. Ich soll auch noch insgesamt zehn Stationen aufstöbern und mir dort einen Stempel abholen. Die erste Station habe ich bereits in einer der Sackgassen entdeckt und mir einen Vogel auf meiner Stempelkarte gesichert.

Immer wieder treffe ich zwischendurch Besucher, die dasselbe Ziel wie ich verfolgen. Dabei hat besonders die jüngeren unter ihnen die Sammelwut gepackt. Fleißig suchen sie zwischen den Pflanzen nach einem weiteren Durchgang, bei dem sich hinter einer Kurve womöglich noch einer der fehlenden Tierstempel verbergen könnte. Teilweise fragen mich Besucher, ob ich wüsste, wo dieser oder jener Stempel sei. Aber helfen kann ich nicht. Denn selbst wenn ich das begehrte Tier bereits habe, weiß ich nicht mehr, wo genau sich dieses befindet. Zu schlecht ist meine Orientierung. Die einzigen Anhaltspunkte darauf, wo ich mich gerade befinde, sind die Bäume in der Ferne sowie die Geräusche der Autobahn.

Doch dann – andere Geräusche. Ich merke, dass ich mich der an die Maisalm angeschlossenen Lounge und damit dem Ausgang nähere. Ich biege noch ein paar Mal ab und dann habe ich es geschafft. Zumindest den ersten Teil. Denn der Irrgarten ist in diesem Jahr zweigeteilt. Die Teilung ist eine der Neuerungen, erklärt Stefan Spangenberger. „Die Strecke war teilweise zu lang“, erläutert er. Durch die Trennung besteht nun die Möglichkeit, dass die Menschen zwischendurch eine kleine Pause einlegen können und in der Lounge etwas trinken können. Wer den optimalen Weg durch den Mais findet, legt circa 1,6 Kilometer zurück, erläutert er weiter. Doch wer alle Stempel finden will – oder wie ich den Weg nicht findet – komme auch schon mal auf über drei Kilometer.

Ich spare mir eine längere Pause und begebe mich direkt zum Eingang von Teil zwei. Schon hinter der ersten Biegung kommt mir eine Gruppe Jugendlicher entgegen. Ich frage mich, ob sie mit Absicht Richtung Eingang gehen oder ob sie sich verlaufen haben. Ich streife durch die Pflanzen, sehe hin und wieder eine davon abgeknickt auf dem Boden liegen. An einigen wenigen Stellen liegt Müll, ein weggeworfenes Papiertaschentuch hier, ein ungewolltes Bonbon da. Insgesamt ist die Anlage aber noch in einem guten Zustand. Darauf achten Spangenberger und seine Mitarbeiter besonders, betont er: „Wir sagen den Leuten, sie sollen keinen Mais abreißen.“ Man müsse an die Menschen appellieren. Außerdem werde die Anlage jeden Morgen gesäubert.

Jetzt gerade bin ich nicht undankbar für die kleinen Verschmutzungen, bieten sie mir doch Anhaltspunkte. An dem Papiertaschentuch bin ich jedenfalls schon einmal vorbeigekommen. Ich ändere meine Richtung, folge einem langen Gang mit mehreren Kurven – und stehe am Eingang. Das war so aber nicht geplant. Ich drehe um und starte meinen zweiten Anlauf. Diesmal versuche ich, mit System vorzugehen, und merke wir, wann ich wo abbiege. „Ist da ein Stempel?“, fragt mich ein Kind und zeigt auf den Gang, aus dem ich gerade komme. Anscheinend wirke ich mittlerweile so, als würde ich mich hier auskennen. Allerdings zucke ich nur die Schultern.

Ich biege ab und bemerke, dass eine Gruppe Jugendlicher den gleichen Weg nimmt. „Folgt mir nicht, ich weiß doch selbst nicht, was ich tue“, denke ich bei mir. Erneut zweigen mehrere Wege ab. Ich gehe nach rechts – um mehrere Kurven. Plötzlich stehe ich wieder am Ausgangspunkt. Der Weg hat mich einfach nur einmal im Kreis geführt. Also geht es woanders weiter.

Mittlerweile bin ich fast eine Stunde unterwegs und habe die meisten Stempel gefunden. Und ich bin in einem Bereich, in dem ich bisher noch nicht war. Zumindest kommt es mir so vor. Aber diesmal ist mein Gefühl richtig. Wenige Meter weiter und ich habe den Irrgarten verlassen – und dieses Mal sogar am Ausgang.

Viele Besucher tummeln sich zwischen den Maispflanzen auf der Suche nach dem richtigen Weg und allen Stempeln. Hier: Tom aus Dillingen mit Papa und Bruder. Foto: Ruppenthal
Stefan Spangenberger ist einer der Betreiber der Anlage. Foto: Ruppenthal
Bei den Horrornächten lauern gruselige Gestalten im Mais. Foto: Ruppenthal

Die 60 Minuten, die ich dort verbracht habe, sollte man laut Spangenberger für einen Besuch immer einplanen. Manche seien schneller, andere bräuchten länger – gerade dann, wenn alle Stempel gesucht würden. Insgesamt stuft er den Parcours als leicht ein. Er hätte ihn gerne etwas komplizierter gestaltet, sein Partner Puhlmann wollte eine leichtere Streckenführung. „Wir haben uns dann in der Mitte getroffen“, schmunzelt er. Entworfen haben die beiden die Anlage selbst. Wer im vergangenen Jahr bereits auf der Maisalm war, hat dieses Jahr übrigens keinerlei Vorteile: Der Parcours ist neu.