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Wenn Häuser Geschichte erzählen

Wenn Häuser Geschichte erzählen

Der Landkreis Merzig-Wadern wird in diesem Jahr 200 Jahre alt. Zu diesem Anlass hat sich das Kreiskulturzentrum Villa Fuchs etwas Besonderes einfallen lassen: Ab morgen, Freitag, 4. November, wird jeweils ein ausgewähltes Haus in jeder der sieben Kreis-Kommunen angestrahlt und mit einem kleinen kulturellen Programm an die Geschichte dieses Gebäude erinnert. Bis zum 16. November dauert die Illumination der historischen Gebäude . Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen an diesen Veranstaltungen teilzunehmen. Ein Blechbläser-Duo der Musikschule spielt bei jedem der sieben Termine Musik aus der Zeit von vor 200 Jahren, außerdem gibt es Auftritte weiterer Künstler. Der Eintritt ist frei.

4. November, 18.30 Uhr, Halfenhaus Merzig

Das Merziger Halfenhaus wurde zur Mitte des 17. Jahrhundert erbaut. Zu dieser Zeit floss die Saar als ungebändigter Fluss noch direkt am Halfenhaus vorbei, das als Ratsstätte für die Flussschiffer fungierte, die dort die Kähne ziehenden Pferde auswechselten und sich selbst erfrischen konnten. Das waren die Halfen, in aller Regel Bauern, die mit ihren Pferdegespannen die Flussschiffe flussaufwärts zogen. Sie wurden von den Schiffsherren angeheuert. Für die Strecke von Trier bis nach Saarlouis brauchten sie dabei drei Tage. Klein und unscheinbar erscheint das Halfenhaus heute, zwischen den wesentlich jüngeren Bauten ringsherum. So wirkt das Halfenhaus heute fast wie ein Fremdkörper - verbreitet aber gerade deshalb einen Zauber, der viele Passanten staunen lässt.

Kulturprogramm: Nina Behr mit Gesang und Gitarre.

5. November, 18.30 Uhr, Bistro Domprobst Wadern

Der Marktplatz in Wadern bildet das Zentrum der Hochwaldstadt. Für sein besonderes Flair sorgt nicht zuletzt die Nordseite mit ihren historischen Gebäuden. Eines davon ist das als "Haus München" bekannte Haus, das heute das Bistro Dompropst beherbergt. Der Marktplatz mit seinem Brunnen und den anliegenden Gebäuden wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Graf Joseph Anton von Oettingen-Sötern angelegt. Gegenüber dem Marktbrunnen befindet sich das Haus München, das seine heutige Gestalt um 1870 erhielt. Vor 1881 war es im Besitz des Dompropstes Nikolaus von München, der als Waderner Sohn eine bedeutende Rolle im Bistum Köln spielte. Von 1881 bis 1963 befand sich hier die Bäckerei und das Café München, von dem noch die Backstube im Keller des heutigen Bistros erhalten ist. Als neuer Eigentümer rettete Klaus Aatz das Gebäude Anfang der 90er Jahre vor dem Abriss. Die ganze Familie und Freunde sorgten mit tatkräftigem Engagement dafür, dass das Haus München als "Bistro Dompropst" seit nunmehr über 20 Jahren den Marktplatz optisch und kulinarisch bereichert.

Musikprogramm: Jazz-Trio Michael Weiland.

7. November, 18.30 Uhr, Pfarrhaus Weiskirchen

Das Pfarrhaus in Weiskirchen wurde im Jahr 1750 erbaut. Danach wurde es mehrmals restauriert, zuletzt im Jahr 2001. Das Pfarrhaus dient im oberen Stockwerk als Wohnung des Pfarrers und wird unten durch Büroräume des Pfarrbüros und des Gemeindereferenten genutzt. Der seitliche Anbau aus dem Jahr 1975 dient als Pfarrheim zur Nutzung von kirchlichen Vereinen und Organisationen.

Musikprogramm: Klaus Meyer spiel Drehorgel.

9. November, 18.30 Uhr, Kupferbergwerk Düppenweiler

Im Jahr 1723 war ein Bauer nahe Düppenweiler bei der Feldarbeit auf kupferhaltiges Gestein gestoßen. Dies führte letztendlich dazu, dass man ab 1725 damit begann, mit Genehmigung des Trierer Kurfürsten, Kupfer bergmännisch zutage zu fördern. Erster Betreiber des Bergwerks war der wallonische Hüttenfachmann Remacle Renard Joseph de Hauzeur, der hierzu Bergleute aus dem Erzgebirge und Böhmen anwarb. Unter Hauzeurs Leitung entstand der größte Teil der heute durch alte Risse bekannten Bergwerksanlage. Wegen des weitgehenden Auskeilens der Erzgänge und eines Rechtsstreites zwischen dem Kurfürsten und den Freiherren von Hagen als Grundherren über die Abbaurechte in Düppenweiler wurde der Grubenbetrieb gegen 1735 vorübergehend stillgelegt. Mehrere Abbauperioden in den folgenden Jahrzehnten brachten nicht die Wiederholung des anfänglichen Erfolgs unter Hauzeur.

Musikprogramm: Bergsänger des Kupferbergwerkes unter der Leitung von Erhard Seger .

11. November, 18.30 Uhr, Glashaus Dreisbach

Das unter Denkmalschutz stehende Gebäudeensemble wurde um den Zeitraum 1740 bis1748 erbaut und war immer ein Gasthaus mit Wirtschafträumen gewesen. Seine herrschaftliche Bauweise und seine zentrale Stelle prägt das Gesamtbild des Ortes Dreisbach. Erster Besitzer waren wahrscheinlich Johannes Carl Ludwig Hermes und seine Frau Agatha Henrici. Im Jahr 1824 war das Haus im Besitz von Nikolaus Rausch mit Tochter Elisabeth als Eigentümer und Gastwirt genannt. 1884 ging das Haus in den Besitz der Familie Bechtel über. Danach gehörte es bis 1987 der Familie Peter Schikofsky mit Ehefrau Elisabeth geb. Johannes. Bis 2004 gehörte das Haus Frau Roßbach. Ihre Umbaumaßnahen konnten durch den plötzlichen Tod ihres Mannes nicht realisiert werden. Dadurch stand das Haus sehr lange leer und es drohte der Zerfall. 2004 kaufte der Glaskünstler Rolf Spengler mit Dr. Theo Reichling das Gebäude , um die Substanz zu retten. Nach ein paar Jahren gemeinsamer Arbeit musste Rolf Spengler alleine weiter machen. Er startete 2011 einen Aufruf zur Gründung eines Kultur- und Kunstvereins, der sich noch im gleichen Jahr gründete. Das Gebäude ist jetzt im Besitz des Vereins und wird seitdem kontinuierlich wieder instand gesetzt. Der Verein hat sich Kultur, Kunst und Tourismus auf die Fahne geschrieben. Es werden zahlreiche Veranstaltungen sowie Workshops organisiert.

Kulturprogramm: Historische Fotoausstellung und Gitarrenmusik mit Reiner Lehnert und Hans Lorenz Boesen.

14. November, 18.30 Uhr, Pfarrkirche Wahlen

Das ursprüngliche Kirchengebäude wurde in zwei Etappen errichtet. Im Jahr 1747 erfolgte der Bau des Langhauses, 1750 der des Turms. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Erweiterung, bei der das Kirchenschiff um die Hälfte vergrößert wurde. 1887 wurde das Gotteshaus einer Innenrestaurierung unterzogen. Nach Plänen des Architekten Moritz Gombert (Saarbrücken) wurde die Kirche 1927/1928 erneut umgebaut. Eine neuerliche Erweiterungsmaßnahme im Jahr 1932 führte zur Aufstockung des Turms um ein Geschoss. Außerdem erhielt der Turm ein Zwiebeldach. Von 1956 bis 1957 erfolgte eine Restaurierung unter Leitung des Restaurators Voitié (Trier). Mitte der 1960er Jahre gab es im Innenraum Umbaumaßnahmen. Dabei entstanden eine Altarinsel und ein neuer Fußboden. 1979 wurde die Kirche durch Günter und Arnold Mrziglod (Tholey) restauriert.

Musikprogramm: Gitarrenmusik mit Alex Breidt.

16. November, 18.30 Uhr, Palais von Nell Perl

Das Palais von Nell liegt im Ortszentrum von Perl zwischen der Pfarrkirche und der Quirinuskapelle. Es steht als Einzeldenkmal unter Denkmalschutz . Das Palais wurde 1733 von Johann Marx und seiner Ehefrau Elisabeth Arnoldi auf einem Lehen des Trierer Domkapitels als Hofhaus erbaut.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Barockgebäude um ein Kelterhaus erweitert. Anfang des 19. Jahrhunderts gelangte es in den Besitz des Trierer Großkaufmanns und Bankiers Georg Friedrich Job von Nell, der mit Anna Maria Emilia Marx verheiratet war. Bis 1982 blieb es im Besitz der Familie von Nell. Nach 1945 war es einige Jahre Gaststätte und von 1961 bis 1980 Bildungs- und Freizeitstätte des Jugendsozialwerks des Saarlandes. Heute befindet sich das Gebäude in Privatbesitz.

Musikprogramm: Nina Behr.