Wenn die Flutwelle hereinbricht

Merzig. Im Landratsamt herrscht Hektik. Schokolade und Gummibärchen liegen überall herum, der Kaffee-Konsum ist enorm. Pausenlos klingelt das Telefon, das Fax-Gerät summt und die Papierberge werden höher und höher

Merzig. Im Landratsamt herrscht Hektik. Schokolade und Gummibärchen liegen überall herum, der Kaffee-Konsum ist enorm. Pausenlos klingelt das Telefon, das Fax-Gerät summt und die Papierberge werden höher und höher. Zwei Tage lang haben Rettungskräfte aus dem Landkreis Merzig-Wadern in einem Planspiel den Katastrophen-Ernstfall geprobt, das Überlaufen der Primstalsperre und die anschließende Evakuierung ganzer Ortschaften.Primstalsperre läuft über Die Lage: Seit Tagen toben Unwetter, die Prims tritt über die Ufer, Feuerwehr und Rettungskräfte sind unablässig im Einsatz, ein Kind wird vermisst. Der Kreisbrandinspekteur ruft den Krisenstab zusammen, der sich im Landratsamt versammelt.Feuerwehr, Bundeswehr, Polizei, Malteser, technisches Hilfswerk, Berater aus der Behörde, Fernmeldezentrale - alle arbeiten eng zusammen. Doch bald ist klar: an der Talsperre werden sich in absehbarer Zeit Geröllmassen lösen und eine Flutwelle die umliegenden Dörfer überspülen. Um 14.46 Uhr wird Katastrophenalarm ausgelöst und die Evakuierung der Menschen in Krettnich und Lockweiler in höherliegende Gebiete beginnt - selbstverständlich weiterhin rein fiktiv. Geleitet wird das Planspiel in Merzig von Hans Roesberg von der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Ahrweiler. Gleichzeitig gibt es einen Krisenstab in St. Wendel, die Teams stehen in ständigem Kontakt. "Das Szenario ist durchaus realistisch", sagt Hans Roesberg, "in so einem Hochwasser stecken ganz viele Folgeprobleme und Konsequenzen. Man muss immer versuchen vor der Lage zu sein."Realistisches SzenarioAm nächsten morgen geht die Übung weiter. Die Zeit wurde gestoppt, es ist also 17 Uhr, wie am Abend vorher, als das Szenario unterbrochen wurde. An den Wänden hängen Übersichtskarten, Magnettafeln zeigen an, welche Einsatzkräfte wo im Einsatz sind. Während der immer wieder stattfindenden Lagebesprechungen geht keiner ans Telefon, das ununterbrochen weiterklingelt. Und es wird klar: der Einsatz wird noch mehr als 24 Stunden andauern, irgendwann muss über einen Schicht-Wechsel nachgedacht werden; auch die fiktiven Helfer vor Ort sind seit 12 Stunden im Dauereinsatz. Doch bevor noch mehr Hiobs-Botschaften auf den Krisenstab treffen und womöglich noch ein Damm bricht, ist das Spiel vorbei.Gute KommunikationDominik Schäffer von der Bundeswehr hat die zwei Tage als Beobachter verbracht. Der Leiter der Luftrettungsstation in Saarbrücken wird häufig in Krisenstäben eingesetzt. "Die Kommunikation hat sich am zweiten Tag wesentlich verbessert", bilanziert er. Und Hans Roesberg vom AKNZ macht deutlich: "Jeder einzelne ist Profi auf seinem Gebiet. Aber diese Männer müssen auch zusammenarbeiten können, deswegen ist es wichtig, dass man das immer wieder übt. Uns es ist eine wichtige Erkenntnis, dass es immer noch Schwachstellen gibt." Aber, so sagt auch die Landrätin: "Wir hoffen, dass solch ein Katastrophen-Fall niemals eintritt." red