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Wächter über die Schutzgebiete

Ranger Frank Grütz sieht in den Schutzgebieten im Kreis Merzig-Wadern und dem westlichen Kreis Saarlouis nach dem Rechten.
Ranger Frank Grütz sieht in den Schutzgebieten im Kreis Merzig-Wadern und dem westlichen Kreis Saarlouis nach dem Rechten. FOTO: Axel Didion
Kreis Merzig-Wadern. Die Naturlandstiftung Saar feiert dieses Jahr 40-jähriges Bestehen. Damit ist sie die älteste Naturschutzstiftung Deutschlands. Viele Aktivitäten hat sie im Grünen Kreis entwickelt. Einige davon haben wir erkundet und stellen sie in einer Serie vor. Teil 5: der Ranger. Jasmin Kohl

"Die Natur braucht den Menschen nicht, aber der Mensch die Natur", lautet Frank Grütz' Leitsatz. Dass der 49-Jährige den Großteil seiner Lebenszeit in den Dienst des Naturschutzes stellt, liegt also auf der Hand. Der Primstaler war 2003 einer der ersten, der im Saarland die Ausbildung zum Ranger absolvierte. Seit 2005 ist er einer von vier hauptamtlichen Rangern, die sich im Auftrag der "Naturwacht Saarland" um die Pflege der saarländischen Naturschutzgebiete (Natura 2000- und FFH-Gebiete, siehe Infokasten) kümmern. Seit ihrer Gründung im Jahr 2005 leitet er die Naturwacht, die sich in Trägerschaft der Naturlandstiftung Saar befindet. Gebietskontrollen, Umwelt- und Erlebnispädagogik sowie öffentliche Führungen und Artenschutz: Ranger, von denen es bundesweit rund 500 gibt, erfüllen einen breiten Aufgabenbereich und müssen zudem flexibel sein. Den "typischen Arbeitsalltag" gibt es nicht.


"Die Gebietskontrollen beanspruchen schon am meisten Zeit", sagt Grütz. Mindestens alle zwei Monate und maximal vier Mal pro Monat rücken die vier Ranger aus, um in den Schutzgebieten nach dem Rechten zu sehen. Das Saarland ist in vier Bereiche aufgeteilt, jeder Ranger ist für einen von ihnen zuständig. Grütz betreut die Gebiete im Kreis Merzig-Wadern sowie den westlichen Teil des Kreis Saarlouis. Gibt es Tier- oder Pflanzenarten, die sich neu angesiedelt haben? Halten sich Bauern an die Mähvorschriften, damit Insekten genug Zeit zur Eiablage haben? Wie steht es um die Bestände von artgeschützten Tieren? Das sind nur einige Fragen, mit denen sich Grütz, den es schon immer - egal bei welchem Wetter - in die Natur zog, auf seinen Streifzügen beschäftigt. Immer dabei ist daher die Schreibkladde, auf der der Ranger seine Beobachtungen notiert, um sie an das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz weiterzuleiten. "Vor einigen Jahren habe ich bei einer Kontrolle im Frühjahr plötzlich zehn Rotmilane über mich hinwegziehen sehen", erinnert er sich an eine besonders spektakuläre Beobachtung. Um das Vorkommen von Schwebfliegen zu zählen, stellt er regelmäßig Fallen auf und grenzt mit Holzpflöcken Bereiche ein, in denen Gräser hoch wachsen können. Grütz weiß, seltene Schmetterlingsarten können ihre Eierblase nur hier ablegen.

Auch das Austeilen von Gebietsverweisen gehört zu seinen Aufgaben. Grütz berichtet von einem Dauercamper, der sich mitsamt Schwenker in einem Naturschutzgebiet niedergelassen hat, unbefugtem Angeln oder Kanufahren auf der Nied mitten in der Brutzeit. Personaldaten darf er auf freiwilliger Basis aufnehmen und an das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz weiterleiten, das dann ein Bußgeld verordnet. "Die meisten sind einsichtig", sagt er.

Gebietskarten helfen ihm in den einzelnen Schutzgebieten, die bis zu 1000 Hektar umfassen, bei der Orientierung. "Was wir zu Fuß erledigen können, machen wir zu Fuß", sagt er. Gerade in den größeren Gebieten sei die Gebietskontrolle ohne seinen Dienst-Jeep aber aus Zeitgründen nicht möglich. "Da wäre ich den ganzen Tag unterwegs", sagt der studierte Geograph. Mit dem Jeep fährt er also einzelne Punkte an und startet von dort aus Rundgänge. Dass er eine Kontrolle abbrechen muss, weil etwas anderes dazwischen kommt, passiert nicht selten. Das reicht von der Versorgung eines angefahrenen Bibers bis zur Einordnung von Reißspuren: Als vergangenen September im Kreis St. Wendel aufgrund von schwer verletzten Schafen der Wolfsverdacht aufkam, war auch Grütz Sachkenntnis gefragt.

Seinen Jeep bezeichnet Grütz als "halbes Büro", denn in ihm finden Gebietskarten, Laptop und sogenannte "Pflegepläne" Platz. Letztere halten vertraglichen Abmachungen mit Bauern fest: "Das Naturschutzgebiet Wolferskopf ist für seinen Orchideentrockenrasen bekannt. Der muss gepflegt werden, sonst wächst er schnell zu", nennt Grütz ein Beispiel. Diese Pflege wird von einem Landwirt übernommen und im Pflegeplan festgehalten, im Gegenzug bekommt er eine Aufwandsentschädigung.



Dass Naturschutz nicht bei allen Bauern auf Verständnis trifft, bekommen Grütz und seine Kollegen regelmäßig zu spüren. Wie oft er sich schon anhören musste, dass Naturschutz eine reine Verschwendung von Steuergeldern sei, kann Grütz kaum mehr beziffern. In solchen Situationen hilft dem gebürtigen Duisburger seine Geduld und das Betreben, "für die Natur zu argumentieren und Bretter zu bohren". "Natur ist kein Selbstbedienungsladen", sagt er.

Die Arbeit mit Kindern mache ihm am meisten Spaß, sagt Grütz. Regelmäßig begeht er mit Schulklassen Schutzgebiete und vermittelt den Schülern dabei zum Beispiel, wie sich eine Fledermaus zurechtfindet und nach ihrer Beute jagt. Statt auf trockene Theorie setzt er dabei auf spielerische Praxis: Einem Schüler, "meist dem vorlautesten", sagt Grütz und lacht, verbindet er die Augen. Dadurch verwandelt er sich in eine Fledermaus, die anderen Schüler schwirren als Motten um ihn herum. Das Echosignal, dass Fledermäuse zur Orientierung aussenden, imitiert der Schüler mit den verbundenen Augen, indem er "Piep piep" ruft. Die Motten antworten darauf und locken so die Fledermaus an. Ein weiteres Beispiel für die Umweltbildung, die die Ranger ausüben, ist das Wolfsprojekt mit der Erweiterten Realschule in Weiskirchen, bei dem sich die Schüler fächerübergreifend mit der Thematik auseinandersetzen. "Das direkte Feedback von den Kindern und zu sehen, dass sie Feuer und Flamme sind, ist einfach toll", sagt Grütz.

naturwacht-saarland.de

Zum Thema:

Hintergrund Natura 2000-Gebiete sind ein Netzwerk von Schutzgebieten in der EU, durch das gefährdete oder typische Lebensräume und Arten erhalten, gefördert oder wiederhergestellt werden sollen. Die Natura 2000-Flächen umfassen spezielle Vogelschutzgebiete und die so genannten FFH-Gebiete. FFH steht für Fauna-Flora-Habitat, also für Lebensräume von Tieren und Pflanzen. Im Saarland gibt es insgesamt 117 Natura 2000-Gebiete, die insgesamt 26 316 Hektar (rund zehn Prozent der saarländischen Landesfläche) umfassen. FFH- und Vogelschutzgebiete werden im Saarland als Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Quelle: Naturwacht Saar. koj