Vortrag bei der CEB in Hilbringen zur Narkose Warum Patienten keine Angst vor der Narkose haben müssen

Merzig · Chefarzt Dr. Rainer Haas vom SHG-Klinikum Merzig hatte bei der CEB-Akademie in Hilbringen viele Fragen zum Thema Anästhesie zu beantworten.

 SHG-Anästhesist Dr. Rainer Haas (links) im Gespräch mit den Vortragsbesuchern Edith und Axel Feiler.

SHG-Anästhesist Dr. Rainer Haas (links) im Gespräch mit den Vortragsbesuchern Edith und Axel Feiler.

Foto: SHG/Harald Kiefer​

Zu einer intensiven Gesprächsrunde mit dem Kreis der Zuhörer wurde der Vortrag von Dr. Rainer Haas in der CEB Akademie. Der Chefarzt der Klinik für Anästhesie, operative Intensiv-, Notfall- und Intensivmedizin im SHG Klinikum Merzig hatte viele Fragen zum Thema Anästhesie zu beantworten.

„Jede Narkose ist ganz individuell“, stellte der Facharzt seinem Vortrag vorweg. Es gebe Patienten, die sich bei der Aussicht auf eine Allgemeinanästhesie, gemeinhin „Vollnarkose“, besser fühlten, andere zögen eine örtliche Betäubung, die sogenannte Regionalanästhesie, vor. Eine Anästhesie sei auch immer eine Kombination von verschiedenen Medikamentenklassen: von Schmerzmitteln, Schlafmitteln und Medikamenten zur Muskelentspannung, die genauso wie die Vitalparameter von einem während der OP dauerhaft anwesenden Anästhesisten individuell dosiert und überwacht werden. Nach schweren Operationen geht die Überwachung auf der Intensivstation weiter.

Häufig haben die Patienten mehr Angst vor der Narkose als vor der eigentlichen Operation. Haas konnte diese Ängste zerstreuen: „Die Narkose ist heute extrem sicher und Zwischenfälle absolut selten. Sie werden wahrscheinlich nie besser überwacht werden, als während einer Narkose.“ Auch Beschwerden wie etwa Übelkeit, die früher nach einer Narkose auftraten, seien deutlich seltener.

„Der Anästhesist ist der Wächter des Schlafs“ – dies sei eine gute Beschreibung für die Aufgaben des Anästhesisten während der Narkose, so Haas. Anästhesie sei jedoch sehr viel mehr, denn auch Notfallmedizin, Schmerztherapie und Palliativversorgung gehörten zum großen Gebiet der Anästhesiologie. Beim Begriff Palliativmedizin gelte es mit Vorurteilen aufzuräumen: „Das Ziel einer Palliativbehandlung ist die Entlassung nach Hause“, so der Facharzt. „In erster Linie geht es darum, für unheilbar kranke Menschen mehr Lebensqualität zu schaffen.“

Ausführlich ging Haas auf das Vorgespräch vor einer Narkose ein. Tipp: „Schreiben Sie alle ihre Fragen auf einen Zettel, damit sie nichts von dem vergessen, was sie wissen wollten. Und fragen Sie, wenn Sie etwas nicht verstehen, schließlich geht es geht um Ihr Wohlbefinden“. Die Wünsche der Patienten seien vorrangig. Und ganz wichtig: „Besprechen Sie mit dem Arzt die Möglichkeiten der Schmerztherapie nach der Operation. Denn je nach Operation gibt es verschiedene Möglichkeiten der Schmerzbehandlung und Schmerzen sind individuell verschieden.“

Viele Fragen gab es zum Thema „Anästhesie und Demenz.“ Allein schon ein Aufenthalt von Patienten mit beginnender oder vorbestehender Demenz in ungewohnter Umgebung könne zu einer Verschlechterung der Erkrankung führen, sagte Haas. Neuere Studien zeigten keinen Unterschied der Narkoseform hinsichtlich eines Auftretens von Verwirrtheit nach einer OP. Jedoch gebe es Hinweise darauf, bei solchen Patienten eine örtliche Betäubung zu bevorzugen.

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