Vom großen Calli lernen

Erfolg und Motivation waren die Hauptthemen des Vortrags von Reiner Calmund. Den würzte er mit Anekdoten aus seiner Zeit als Fußballmanager und augenzwinkernden Kommentaren. Die Zuhörer waren begeistert.

Wenn drei Zentner Lebendgewicht verpackt in einem XXL-Jacket die Bühne betreten - das kann nur Reiner Calmund sein. Noch größer als sein Sakko ist freilich sein Mundwerk. Das erlebten am Montagabend die Gäste im Cloef-Atrium, wo der ehemalige Profifußballmanager auf Vermittlung des Lions-Clubs Merzig sprach. Kaum hatte der Wahl-Saarlouiser seinen Vortrag über Sport und Wirtschaft begonnen, gab es erste Sticheleien: "Ich soll heute von Spitzenfußball erzählen, also nichts, womit der FCS zu tun hat."

Im Mittelpunkt seines Auftritts standen Erfolg und Motivation. Calli machte klar: "Wer etwas erreichen will, braucht Ehrgeiz und Leidenschaft." Wer diese Voraussetzungen nicht erfülle, der "kann sich gleich eine Briefmarke auf den Hintern kleben und verschwinden", witzelte der Ex-Manager. Sein Motto: "Malochen, malochen, und wenn es ganz schwierig wird, Stahlhelm auf, und Dreck fressen!" Dabei machte er unmissverständlich klar, was einen guten Unternehmer ausmacht: "Kompetenz und Zuverlässigkeit stehen an oberster Stelle." Gegenbeispiele gebe es genug: "Ich kenne studierte Leute, die zu blöd sind, zwei Tische im Restaurant zu bedienen." Trotz seines beruflichen Erfolgs hat der herzliche Pfundskerl seine bodenständige Art nie abgelegt - das kam an beim Publikum. "Man braucht einfach diese positive Beklopptheit, um Erfolg zu haben." Die war seiner Meinung nach auch für den WM-Sieg der deutschen Nationalmannschaft verantwortlich. "Wäre Schweinsteiger nicht immer wieder aufgestanden, hätten die Gauchos uns den Hintern versohlt", lautete seine Analyse.

Auch mit Anekdoten aus seiner Zeit als Fußball-Manager wusste er zu begeistern. Von Beckenbauer bis Matthäus, alle kamen vor. "Kurz vor dem Finale der WM 1974 verließen Beckenbauer, Hoeneß und Maier das Trainingslager, um auf der Reeperbahn die Sau rauszulassen." Heute undenkbar. Dabei machte er auch nicht vor sich selbst Halt: "Sie kennen ja meine Gewichtsklasse, das kommt daher, dass ich zu gern esse und mich zu wenig bewege." Nachteile habe das aber nicht: "Bei der Wok-WM konnte ich als menschliche Litfasssäule starten", schmunzelte das Schwergewicht über seinen Auftritt bei Stefan Raabs Sendung, wo er in einem Wok eine Eisbahn runtersauste. Calmund ist inzwischen zur Marke geworden. Er drehte zahlreiche Werbespots, TV-Shows, leitet eine Firma. "Ich bin Workaholic, doch privat geht mir vor", sagte der Vielbeschäftigte.

Dann ein ganz anderer, ein nachdenklicher Calli: Er sprach das Thema Tod an, erzählte von Schicksalsschlägen, die ihn in seiner Zeit bei Bayer Leverkusen geprägt hätten. "Ein geschätzter Kollege hatte sein Kind verloren, ich habe selten so geweint." Dann, typisch Calmund, positiv: "Es muss immer weitergehen!"

Am Schluss hatte kaum jemand bemerkt, dass Calli eineinhalb Stunden gesprochen hatte. Begeistert verließen rund 200 Gäste den Saal und alle wollten ein Autogramm. Organisator Daniel Kiefer, Präsident des Lions Clubs Merzig , war zufrieden: "Das war ein Highlight in meiner Zeit als Präsident."