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SOS Kinderdorf Saar erweitert Angebot
Vom Brennpunkt zum Treffpunkt für alle

Susanna Binz und Timo Wilhelm öffnen die Pforten des SOS-Gemeinwesen-Treffs nun auch für andere Wohngebiete.
Susanna Binz und Timo Wilhelm öffnen die Pforten des SOS-Gemeinwesen-Treffs nun auch für andere Wohngebiete. FOTO: Lisa Kutteruf
Merzig. Der SOS-Gemeinwesen-Treffpunkt in der Schalthaussiedlung in Merzig öffnet sich allmählich auch für andere Wohngebiete. Von Lisa Kutteruf

Der SOS-Gemeinwesen-Treffpunkt in der Schalthaussiedlung öffnet sich: Ab sofort sind dort auch Kinder und Familien aus anderen Merziger Wohngebieten willkommen. Die Angebote und Programmpunkte haben die Mitarbeiter des SOS-Kinderdorf Saar erstmals in einem Quartalsprogramm festgehalten.


Hintergrund der Öffnung ist die verstärkte Nachfrage nach Angeboten des Treffpunkts, insbesondere aus den Wohngebieten „Schinkenloch“, Waldstraße und dem Merziger Stadtgebiet. „Der demografische Wandel macht sich bemerkbar“, sagt Sozialarbeiter Timo Wilhelm. In der Schalthaussiedlung gebe es nicht mehr so viele kinderreiche Familien wie früher. Fast ein Drittel der Bewohner gehöre dort mittlerweile zur Altersgruppe 50 plus. Wilhelm: „Einige junge Familien sind umgezogen.“

Der Gemeinwesen-Treffpunkt des SOS-Kinderdorf Saar bildet seit mehr als 20 Jahren das zentrale Zentrum der Schalthaussiedlung und wird von der Kreisstadt Merzig und dem Landkreis Merzig-Wadern unterstützt. Die Mitarbeiter stehen den Anwohnern seit 1996 in allen Lebenslagen zur Seite. Die Angebote für Erwachsene reichen von Sozial- und Erziehungsberatung über ein Treffpunkt-Café mit Frühstück bis hin zu Unterstützung von obdachlosen Menschen. Für Kinder bietet der Treffpunkt unter anderem Ferien- und Freizeitprogramme, Nachhilfe und Schülerhilfe an. In den Räumlichkeiten des Treffpunkts kommt zudem regelmäßig die Bewohnervertretung der Siedlung zusammen, die alle vier Jahre gewählt wird.

Die Strategie des SOS-Kinderdorfs war erfolgreich: Die Schalthaussiedlung galt lange als sozialer Brennpunkt. „Vor 20 Jahren waren die Wohnungen in desolatem Zustand. Die sanitäre Versorgung war schlecht“, sagt Bereichsleiterin Susanna Binz. Immer wieder kam es zu Gewalt, die Polizei war häufig vor Ort. Inzwischen hat sich die Lage zum Positiven entwickelt. Die Häuser wurden saniert, die Gegend insgesamt aufgewertet. Die Siedlungsbewohner nutzen die Angebote des Treffpunkts. Die SOS-Mitarbeiter möchten die Erfahrungen der letzten Jahre nun für ein größeres Wirkungsgebiet nutzen.

Bevor sie das neue Programm entworfen haben, befragten sie die Bewohner der Siedlung.  Welche Angebote wünschen sie sich zusätzlich? Die Befragung ergab beispielsweise, dass sich viele mehr Austausch mit anderen Eltern wünschen. Um dem gerecht zu werden, hat der Gemeinwesen-Treff ein Elterncafé ins Programm aufgenommen, das jeden ersten Mittwoch im Monat stattfinden soll. Auch Termine in Kooperation mit dem Familienzentrum Merzig wie ein Elternabend zum Thema Cybermobbing oder ein Picknick im Park stehen im Programm. Außerdem hat das SOS-Team Sonderveranstaltungen mit wechselnden Themen wie Energieberatung oder gesunde Ernährung geplant.



Die Öffnung des Gemeinwesen-Treffpunkts soll auch der Stigmatisierung des Viertels entgegenwirken. „Es gibt immer noch Barrieren in den Köpfen der Merziger“, sagt Susanna Binz und meint damit sowohl die Bewohner der Siedlung, die sich von der restlichen Stadt abgrenzen, als auch die Merziger, die sich davor scheuen, in die Schalthaussiedlung zu gehen. Diese imaginären Grenzen sollen sich durch das neue Angebot nach und nach auflösen.