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Viele Ideen am runden Tisch zur Flüchtlingshilfe

Kooperation und Koordination ist wichtig: Darin waren sich alle Beteiligten beim Infoabend zur Flüchtlingshilfe einig. Foto: Kreis
Kooperation und Koordination ist wichtig: Darin waren sich alle Beteiligten beim Infoabend zur Flüchtlingshilfe einig. Foto: Kreis FOTO: Kreis
Merzig. Fahrdienst, Sprachunterricht, Begleitung und Beratung bei Behördengängen: Das waren nur einige Vorschläge, die die rund 70 Vertreter aus Kommunalpolitik, Kirchen, Vereinen und Institutionen mitbrachten. Lars Reusch

"Es ist ein großes Thema", sagte Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich, und meinte: "Wie schaffen wir eine Willkommenskultur?" Das Thema ist wirklich groß in letzter Zeit, Veranstaltung folgt Veranstaltung, die alle darüber beraten und informieren, wie die in wachsender Zahl nach Merzig-Wadern strömenden Flüchtlinge bestmöglich unterstützt und integriert werden können. Nachdem innerhalb der Gemeinden immer mehr runde Tische und Netzwerke organisiert worden sind, hat nun auch der Landkreis nachgelegt und am Mittwochabend zu einer Info-Veranstaltung geladen.

Dabei stellte Verwaltungschefin Schlegel-Friedrich auch die eigene Rolle in dem Bereich vor. Der Landkreis verteilt die in Merzig-Wadern ankommenden Flüchtlinge - das Saarland erreichten allein im Januar 532 Menschen, davon kommen etwa 13 Prozent in den Grünen Kreis - auf die hiesigen Gemeinden. Zudem koordiniert die Kreisverwaltung die Anträge für das Förderprogramm der Landesregierung, das Flüchtlingsprojekte finanziell unterstützt. 200 000 Euro stellt das Land insgesamt zur Verfügung, davon 23 472 Euro für Merzig-Wadern. Zusätzlich will sich der Landkreis nun auch als Koordinierungsstelle für ehrenamtliches Engagement etablieren. Dazu gehört die Vermittlung von potenziellen ehrenamtlichen Helfern, wie sie die Ehrenamtsbörse auch jetzt schon praktiziert. Aber auch mit den Zusammenschlüssen und Netzwerken innerhalb der Gemeinden will sich der Kreis regelmäßig rückschließen und Unterstützung anbieten, wie Werner Klein der SZ verrät, der gemeinsam mit Heidi Wilbois für die Koordinierung zuständig ist.

Auch eigene Initiativen will die Kreisverwaltung starten: Da die fehlende Mobilität der Flüchtlinge ein großes Problem sei, so Klein, werde über eine Art Fahrdienst nachgedacht, zum Beispiel um Flüchtlinge aus den Ortsteilen zum Sprachunterricht zu bringen. So ein Fahrdienst könne aber auch von anderen sozial Schwächeren genutzt werden, etwa um zur Tafel zu kommen. Außerdem sollen Ehrenamtlichen möglicherweise Qualifizierungsmaßnahmen angeboten werden. "Rund 30 Prozent der Flüchtlinge sind traumatisiert, da ist es sinnvoll, aufzuzeigen, wie man einer traumatisierten Person begegnen kann", sagt Klein. Aber auch über den Umgang mit verschiedenen Behörden könne man informieren. Die Grundlagen-Informationen sollen dann gegebenenfalls in einem Leitfaden zusammengefasst werden.

Für die Veranstaltung am Mittwoch hatte die Kreisverwaltung zudem drei Vorträge organisiert, die den rund 70 anwesenden Vertretern von Behörden, Kirchen und sozialen Trägern sowie Einzelpersonen, die sich für Flüchtlinge engagieren, etwas Hintergrundwissen an die Hand geben sollten. Asgar Abbaszadeh, Beratur für interkulturelle Kommunikation, der aus dem Iran stammt und seit 45 Jahren im Saarland lebt, informierte über die Herkunft und die Schicksale der Flüchtlinge . Stephanie Nickels vom Bischöflichen Generalvikariat Trier erzählte von dem Engagement für Flüchtlinge , das das Bistum leistet. Dazu gehören die Bereitstellung von Unterkunft - etwa in Brotdorf und in Haustadt - genau wie etwa Hilfe beim Spracherwerb.

Zu Gast war an dem Abend außerdem der saarländische Integrationsbeauftragte Klaus Kunz. "Ohne das Ehrenamt kämen wir nicht aus", sagte er angesichts der hohen Flüchtlingszahlen. Deshalb sei die Landesregierung bestrebt, Ehrenamtliche zu unterstützen. Er rief dazu auf, sich zusammenzuschließen, Netzwerke zu bilden, denn: "Es ist viel effektiver, wenn man zusammenarbeitet."

Genau das passiert in Merzig-Wadern, die Veranstaltung am Mittwoch brachte Kreis, Gemeinden, Träger und Bürger einmal mehr zusammen. Es sei ein "Gebot der Menschlichkeit", Flüchtlingen zu helfen, sagte Schlegel-Friedrich, und "alle Mühen wert".

Ansprechpartner beim Landkreis sind Werner Klein (0 68 61) 8 02 17 und Heidi Wilbois (0 68 61) 8 02 65. E-Mail: fluechtlingshilfe@

merzig-wadern.de.


Hintergrundwissen gab es von den drei Referenten. Foto: Landkreis
Hintergrundwissen gab es von den drei Referenten. Foto: Landkreis FOTO: Landkreis