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Viele entscheiden sich für den sicheren Weg

Viele entscheiden sich für den sicheren Weg

Wer ein Geschäft eröffnen oder übernehmen will, geht oft zuerst zur Bank. Denn bei der Geschäftsgründung reicht eine gute Idee allein nicht aus. Letzter Teil der SZ-Serie „Handel im Wandel“.

Es gilt als eine der Grundweisheiten im Handel vor Ort, dass der Konkurrenz aus dem Internet vor allem mit Beratung beizukommen ist. Schließlich könne der Mitarbeiter im Geschäft dem Kunden viel besser raten, was er braucht. Doch Jürgen Kleinhanß, Bereichsleiter Marketing bei der Volksbank Untere Saar, mahnt an, dass das Internet die Händler auch dort unter Druck setze: "Viele Kunden haben sich schon vorab kundig gemacht. Das heißt, dass die Mitarbeiter Informationen vorhalten müssen, die der Kunde im Internet nicht bekommt." Vor allem aber müsse der Einkauf "zum Erlebnis" werden, sagt Kleinhanß. Das sieht auch Michael Nilles, Vertriebsleiter bei der Sparkasse Merzig-Wadern, so: "Auch das Anspruchsdenken der Kunden hat sich verändert. Der Kunde möchte zudem den Einkauf beziehungsweise das ‚Bummeln' oftmals als Erlebnis wahrnehmen, so dass sich der Handel auch darauf einzustellen hat." Das gehe oft nur gemeinsam: "Hierfür ist es notwendig, die Kräfte der Händler und der Stadt oder Gemeinden zu bündeln."

Doch trotz der Konkurrenz aus dem Netz sehen beide immer noch Chancen für Geschäftsneugründungen. "Dass mit guten Geschäftsideen Geld zu verdienen ist, stimmt immer noch", sagt Kleinhanß, "Aber wer ein Geschäft eröffnen will, der muss bereit sein, nicht nur finanziell zu investieren. Wer in die Selbstständigkeit geht, der muss dafür brennen." Allerdings müssen Lage und Angebot angepasst werden. "In den kleinen Einheiten wird es für den Handel immer schwerer, gerade in den dünn besiedelten Gegenden", sagt Kleinhanß. Zumal die Schwierigkeit für viele Geschäfte auch darin bestehe, geeignete Nachfolger zu finden. "Wenn ich mich mit unseren Spezialisten unterhalte, dann höre ich oft, dass es immer schwerer wird. Die jungen Menschen müssen bereit sein, ein Risiko einzugehen. Es gibt viele Chancen, aber auch ein gewisses Risiko. Und da scheinen viele sich für den sicheren Weg zu entscheiden", sagt Kleinhanß. Bei der Sparkasse unterscheidet sich der Eindruck allerdings, sagt Nilles: "Im Gegensatz dazu stellen wir häufig fest, dass die Kinder des Unternehmers oder die Angestellten für die Unternehmensnachfolge trotz des mit dem Unternehmertum verbundenen Risikos gerne zur Verfügung stehen und bereit sind, hohes Engagement, auch bezüglich der Arbeitszeiten, in das betreffende Unternehmen einzubringen."Wer sich bei den Kaufmannschaften im Kreis umhört, stößt immer wieder auf ähnliche Probleme. Während sich an einigen Standorten der Handel konzentriert, gibt es in den dünner besiedelten Gebieten immer weniger Geschäfte. "Einige Ortsteile haben gar keine Geschäfte mehr", sagt Norbert Louis vom Gewerbeverband Weiskirchen . Viele Kunden fahren stattdessen in die großen Märkte in Wadern und Losheim. Mancherorts gehe das auch zu Lasten der Geschäfte in den umliegenden Ortschaften. "In Weiskirchen haben wir immerhin noch eine Bäckerei und eine Metzgerei. Das ist ja mittlerweile auch schon eine Seltenheit."

Auch in Orscholz gibt es immer weniger Gewerbe. Das hat im Mai sogar dazu geführt, dass der Verein für Handel, Handwerk und Gewerbe aufgelöst wurde, nachdem der ehemalige Vorsitzende verstorben ist", sagt Ortsvorsteher Jörg Zenner, für kurze Zeit selbst Vorsitzender, "aber bei vielen Geschäftsleuten ist die Zeit eben knapp." Hinzu komme die Großbaustelle im Ort, die seit vergangenem Winter den Druck noch verstärke: "Das ist bei einigen Geschäften natürlich schon schmerzhaft zu spüren."

Auch bei den Beckinger Unternehmen gibt es ein gemischtes Bild, sagt Gerd Schneider, der zweite Vorsitzende des Gewerbeteams Beckingen: "Bei uns war es eine gute Saison. Allerdings kann ich nicht genau sagen, wie es bei den anderen aussieht."