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Viele Einkäufer in Merzig sind vernünftig - aber nicht alle

Kostenpflichtiger Inhalt: Einkaufen in Zeiten von Corona : Hamster auf der Suche nach Klopapier

Die Angst vor dem Coronavirus wird in einigen Merziger Geschäften sichtbar. Während die meisten Regale gut gefüllt sind, tun sich an manchen Stellen deutliche Lücken auf. Besonders Toilettenpapier ist derzeit ein rares Gut.

Fünf Bananen, ein Päckchen Mehl, eine Tube Zahnpasta. Dann noch Shampoo, Spülung und eine Tüte Chips. Der Einkauf der Frau, die vor mir an der Kasse des Merziger Netto-Marktes steht, wirkt sehr normal. Der Mann hinter mir hat zwei Kästen Bier in seinem Einkaufswagen. Auch das sieht nicht unbedingt aus wie ein Hamsterkauf.

Die Hamster waren wohl schon vorher da – und haben leere Regale hinterlassen. Zumindest im Bereich Toilettenpapier. Während sich im Rest des Ladens nur vereinzelt Lücken auftun, sind die Regale mit dem dreilagigen Gold verwaist. Das Bild wiederholt sich in fast allen Geschäften in Merzig. Es gibt vielleicht nicht mehr alle Sorten Nudeln, auch abgepackte Backwaren sind teilweise knapp. Aber frisches Obst und Gemüse gibt es überall, genauso wie Getränke, Konserven, Tiefkühlware und vieles mehr. Die Käsetheke im Biomarkt ist genauso gut befüllt wie der Obst- und Gemüsebereich bei Aldi und Lidl. Einzelne Lieferengpässe gibt es überall– aber verhungern muss voraussichtlich niemand.

Aber eine Sache ist fast nirgendwo zu entdecken: Toilettenpapier. Ich muss an den Spruch denken, der damals in den Neunzigern an der Wand unserer Schultoilette stand: Willst du heute Klopapier, spring ins Klo und hol’ es dir. Das scheint derzeit fast die einzige Option zu sein, um noch eine letzte Portion des raren Gutes zu erhalten.

Während ich durch die Supermärkte und Discounter der Stadt streife, sehe ich immer wieder Menschen mit Atemmasken. Viele tragen auch Handschuhe – die es, im Gegensatz zu Desinfektionsmittel, zumindest im Drogeriemarkt DM noch in Hülle und Fülle gibt. Ein Mädchen, das gerade bei Kaufland unterwegs ist, hat kurzerhand eine Plastiktüte, vermutlich aus der Obst- und Gemüseabteilung, zu Handschuhen umfunktioniert. Geht natürlich auch.

Teilweise bilden sich an diesem Donnerstagvormittag meterlange Schlangen an den Kassen. Das liegt allerdings nicht nur an der Anzahl der Kunden, sondern auch daran, dass diese tatsächlich Abstand halten. Bei DM wartet eine Frau am Ende des Bandes, bis die Kundin vor ihr bezahlt hat. Erst dann geht sie vor und bezahlt ihre eigenen Einkäufe. Dann gibt es aber auch diejenigen, die die Ansprache der Kanzlerin am Mittwoch offenkundig verschlafen haben. Sie quetschen sich an anderen vorbei, ein älterer Mann im Merziger Kaufland hustet nicht etwa in seine Armbeuge, sondern einfach so in die Luft. Auch wenn er vermutlich keinen ansteckenden Virus in sich trägt: rücksichtsvoll ist anders.

Auch wenn mehr Leute unterwegs sind als sonst um diese Uhrzeit: Apokalyptische Ausmaße nimmt es nirgendwo an. Die Verkäuferinnen und Verkäufer leisten gute Arbeit, füllen die Regale nach, wo es geht, bleiben freundlich, beantworten Fragen. Aber die Einkaufswagen vieler Kunden sind voll. Eine junge Familie kauft drei Gläser einer bekannten Nuss-Nougat-Creme, eine ältere Frau einen ganzen Karton Milch. Bei Lidl reißt eine Frau gleich zwei der Waffeleisen, die derzeit im Angebot sind, an sich. Bei Aldi greift eine Frau beim Rausgehen entschlossen nach einem Angebotsprospekt – möglicherweise als Klopapierersatz? Denn das ist kaum irgendwo zu haben.

In einzelnen Geschäften gibt es noch feuchtes Toilettenpapier. Das scheinen die Leute nicht unbedingt zu wollen. Überdurchschnittlich viele kaufen Küchenrollen, ein Mann packt sogar Allzweck-Reinigungspapier in seinen Einkaufswagen. Auf der Verpackung sind deutlich Autos und Motorräder abgebildet. Ich hoffe, dass er es wirklich dafür benutzen möchte.

Vor völlig leeren Regalen stehen die Kunden in Merzig kaum. Nur Toilettenpapier ist überall ein rares Gut. Foto: dpa/Robert Michael

Doch da – was ist denn das? Im Einkaufswagen einer Frau bei Kaufland entdecke ich eine Packung, die verdächtig nach Toilettenpapier aussieht. Ich schaue genauer hin. Tatsächlich. Ich gehe in die entsprechende Abteilung. Ist das der Himmel? Möglicherweise. Denn tatsächlich führt Kaufland sogar drei Sorten, mit Kamillen-Duft, mit Lavendel-Duft und noch irgendeine. Während ich den Schatz betrachte, bleibt eine junge Frau neben mir stehen und tut dasselbe. Sie runzelt die Stirn, es arbeitet in ihr. Schließlich schnappt sie eine Packung und entschwindet Richtung Kasse. Ich gehe ihr nach, allerdings nur mit meinen normalen Einkäufen und ohne Toilettenpapier. Ich habe noch achteinhalb Rollen zu Hause. Das sollte wohl erstmal reichen.