Viele Chancen - für beide Seiten

Merzig · Sport verbindet – ohne Vorbehalte. Über das Thema „Integration von Flüchtlingen im Sportverein“ referierte Simon Kirch vom Landessportverband (LSVS) beim Merziger Abend der Sportvereine.

 Saarländer und Flüchtlinge sind bei der LAG Saarbrücken ein Team. Die meist jungen Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien sind in die Trainingsgruppen integriert. Foto: Paulus/Verein

Saarländer und Flüchtlinge sind bei der LAG Saarbrücken ein Team. Die meist jungen Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien sind in die Trainingsgruppen integriert. Foto: Paulus/Verein

Foto: Paulus/Verein

Die Integration von Flüchtlingen in Sportvereine war das große Thema beim 2. Merziger Abend der Sportvereine . Simon Kirch, der Programmleiter des Landessportverbands Saar für Integration durch Sport, informierte Vereinsvertreter über Fördermöglichkeiten und Wege der Kontaktaufnahme und gab nützliche Tipps. Rund 60 Zuhörer waren dazu in den großen Sitzungssaal des neuen Rathauses gekommen. "Es geht um die Einbindung von Immigranten in den Sportverein und von dort in die Gesellschaft. Dabei bieten sich viele Chancen - für beide Seiten", betonte der frühere deutsche Meister im 400-Meter-Lauf.

Die Erfahrung zeige: Vorurteile zwischen Einheimischen und Auswanderern verhinderten oft ein Miteinander. Sport biete jedoch die Gelegenheit, Ängste ab- und Beziehungen aufzubauen. Gemeinsam in einen fairen Wettkampf zu treten mit universellem Regelwerk ohne kulturelle Vorbehalte - nichts verbinde schneller. "Den Flüchtlingen dient Sport im Verein auch der Vertrauensbildung. Und Sie als Verein können dem Mitgliederschwund entgegenwirken", betonte Kirch. "Die Vereinskultur ist ein großes Gut. Viele Flüchtlinge kennen organisierten Sport aus ihrer Heimat aber nicht. Wir müssen ihnen die Angebote vorstellen und vermitteln." Der Plan des LSVS: Ein mehrsprachiger Fragebogen soll in der Aufnahmestelle Lebach verteilt werden. Freiwillig können Flüchtlinge eintragen, welchen Sport sie mögen. Die Infos werden vor der Verteilung auf die Gemeinden an die Clubs weitergeleitet.

Bei einer "Nacht der Vereine" wollen in Marpingen Vereine ihre Mitmach-Angebote präsentieren. Ein Modellprojekt, das Schule machen könnte. Vereine können sich auch direkt an die Rathäuser wenden. "Willkommensnetzwerke stellen Kontakte zu Sprachlehrern und Betreuern her, denen die Flüchtlinge vertrauen", sagte Kirch. Ein Musterbeispiel ist für ihn der FV Gonnesweiler, der seine Mitgliederzahlen von 500 auf 700 gesteigert hat - binnen 18 Monaten. Ebenfalls sinnvoll ist die Kooperation mit sozialen Trägern. So arbeitet der TV St. Wendel mit der Caritas zusammen, deren Helfer die Ankömmlinge gleich bei Ankunft auf die Angebote des TV hinweisen.

Der LSVS steht den Vereinen mit Beratungen vor Ort zur Seite, er übernimmt den Versicherungsschutz, bildet Übungsleiter aus und informiert über Förderprogramme. "Für minderjährige Flüchtlinge kann es bei einem Antrag im Jobcenter Zuschüsse für Vereinsbeiträge geben, bis zu zehn Euro im Monat. Das wissen die wenigsten", sagte Kirch und bat bei der Integration im Verein um Geduld und für einen fairen Umgang miteinander: "Nur wenn wir Flüchtlingen auf Augenhöhe begegnen, werden sie sich einbringen und in Zukunft selbst Verantwortung übernehmen wollen." Die Chance dazu sei groß: Die Flüchtlinge von heute könnten die Sportfreunde und Übungsleiter von morgen sein.

Weitere Infos bei Simon Kirch unter Mail an s.kirch@

lsvs.de, oder per Telefon (06 81)3 87 91 53. Merziger Vereine können sich an Heike Wagner, Tel. (0 68 61) 8 53 82 wenden.

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