"Vergessen ist der falsche Weg"

Weiskirchen. Mit ihrer Kindheit beginnend, über ihre frühe Jugend, in der sie mit der Familie sehr häufig umziehen musste, stellte die Zeitzeugin Stumpfsinn und die Gräueltaten des NS-Regimes dar

Weiskirchen. Mit ihrer Kindheit beginnend, über ihre frühe Jugend, in der sie mit der Familie sehr häufig umziehen musste, stellte die Zeitzeugin Stumpfsinn und die Gräueltaten des NS-Regimes dar. Sehr ergreifend führte sie ihre Lebensgeschichte über den Einfall der Deutschen in Ungarn im Jahre 1944, die Vertreibung der Familie aus dem eigenen Haus, bis hin zur Deportation nach Auschwitz-Birkenau und die menschenunwürdige Behandlung, fort. Schließlich ließ sie alle an ihren innersten Gefühlen teilhaben, indem sie von der in Dachau vorgenommenen Selektion durch KZ-Arzt Josef Mengele berichtete, der sie von ihrer Mutter trennte: "Das war das letzte Mal, dass ich sie lebend gesehen habe!" An dieser Stelle haben einige der Anwesenden, sichtlich ergriffen, mit ihren Tränen zu kämpfen. Schockiert waren die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer zudem von den Erzählungen über den Aufenthalt der damals 15-jährigen im Konzentrationslager Auschwitz. Die Prozeduren, die sie dort über sich ergehen lassen musste, beschreibt sie als demütigend und menschenverachtend. Ihr einziger Halt in dieser schrecklichen Zeit, wie Blanka Pudler immer wieder betonte, war ihre Schwester. Nach mehreren Wochen kam es zu einer erneuten Selektion für die junge Frau und sie wurde als eine von 1000 ungarischen Häftlingen zur Zwangsarbeit nach Hessisch Lichtenau deportiert. Nach einer zweiwöchigen Pause musste sie in einer Munitionsfabrik arbeiten, in der unter unmenschlichen Bedingungen TNT hergestellt wurde. Die Zwangsarbeiterinnen wurden "Kanarienvögel" genannt, weil sich durch den Kontakt mit den giftigen Chemikalien Haut und Haare gelb verfärbten.Sie sagte, dass es, trotz der unglaublichen Gräueltaten, auch Menschen gab, die noch einen "Funken Menschlichkeit" besaßen. Im April 1945 wurde Pudler auf einen der berüchtigten Todesmärsche geschickt und schließlich von den Amerikanern befreit.

"Es hat jahrelang gedauert, bis wir uns mit der Ermordung unserer Eltern, dem Zerfall unseres Zuhauses abfinden, und bis wir uns ein neues Heim erschaffen konnten. Es quälen mich noch oft Albträume von unserer gemeinsamen, grausamen Vergangenheit", erzählte Pudler. Die heute in Budapest lebende Zeitzeugin hat sich seit einigen Jahren mit ihrer Aufklärungsarbeit zur Aufgabe gemacht, den Menschen mit ihrem Schicksal die Augen zu öffnen, damit Geschichte Geschichte bleibt und sich nicht wiederholt.

Pudlers Aufenthalt im Saarland war möglich geworden durch das Maximilian-Kolbe-Werk, welches Zeitzeugengespräche in Schulen unterstützt. Jugendliche haben so die Gelegenheit, Geschichte authentisch zu erfahren. red

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