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Umweltministerium kontert Kritik von Waldbürgerbündnis

Verhalten im Merzig-Waderner Wald : Minister Jost kontert Vorwürfe der Waldbürgerinitiativen

„Hunde sind nicht das Hauptproblem“. So lautete die Überschrift eines SZ-Berichts (11. März) der das „Bündnis saarländischer Waldbürgerinitiativen“ zu Wort kommen ließ. Dessen Sprecherin Nicole Brill führte darin die „ganzjährige Waldnutzung“ ins Feld, die sie dem Saarforst Landesbetrieb anlastet.

„Ganzjährige Holzerntemaßnahmen gelten pauschal als ordnungsgemäße Forstwirtschaft und unterliegen nicht dem Eingriffstatbestand nach Naturschutzgesetzgebung“, so Brill. Heutzutage werde das ganze Jahr auf riesiger Fläche, auch unter Einsatz lärmender Großmaschinen, geholzt. Vor allem in älteren Wäldern, die für den Artenschutz eine besondere Bedeutung hätten, sei dies ein Problem für die Tiere und ihre Fortpflanzung. Die Brut- und Setzzeit müsse unbedingt beachtet werden. Hunde, die sich im Wald bewegten, seien da nicht das Hauptproblem, sondern das Forstwirtschaftsprivileg.

Der Saarforst Landesbetrieb ist dem Umweltministerium unterstellt. Und dessen Chef, Minister Reinhold Jost, möchte aus Sicht all seiner Förster in den Landesrevieren und aus Sicht seines Hauses diese Vorwürfe parieren. Beim Gespräch mit dabei auch der neue SfL-Chef Thomas Steinmetz, der am 1. April Hans-Albert Letter im Amt beerben wird. Im Gespräch mit unserer Zeitung legen Jost und Steinmetz dar, dass der Schutz der Brut- und Setzzeit von Anfang März bis Ende Juni „eine wichtige Errungenschaft des Natur- und Artenschutzes ist“.

In von Laubbäumen geprägten Ökosystemen, wie den saarländischen Wäldern, sei es heute Stand der Dinge, dass die Brut- und Setzzeit beachtet werde. Dabei liege es in der Natur der Sache, „dass sowohl aus ökologischen wie auch aus landeskulturellen Gründen der Einschlag des Nutzholzes vorwiegend im Zeitraum außerhalb der Vegetationszeit im winterkahlen Zustand erfolgt“. Weiterhin sei zu berücksichtigen, dass mit der Einführung einer „naturnahen, einzelstamm-orientierten Holzernte bei regulären Hiebmaßnahmen je nach Alter des jeweiligen Waldes lediglich fünf bis maximal 50 Bäume pro Hektar gefällt werden.“ Somit bleibe ein Vielfaches mehr an Bäumen im Wald stehen, als geerntet würden. Diese würden ausreichend Brut- und Setzraum für die heimische Tierwelt bieten.

Im Übrigen beende der Saarforst den regulären Wintereinschlag Ende Februar. „Lediglich in Einzelfällen kann es, weil es beispielsweise wegen der Witterung zu Verzögerungen gekommen ist, auch noch Anfang März zur Komplettierung von Hiebmaßnahmen kommen.“ Auch der Transport des Nutzholzes aus dem Wald, also das Rücken der Stämme, könne sich etwa durch die nassen Böden bis in den März oder April verschieben. Ausgenommen von dieser Regel seien Holznutzungen oder Fällungen aufgrund von massenhafter Vermehrung des Borkenkäfers in Fichtenwäldern oder aufgrund von unaufschiebbaren Verkehrssicherungsmaßnahmen.

Reinhold Jost und Thomas Steinmetz geben zu bedenken, dass die Fachleute im Forst sehr wohl wissen, welche Störungen auf welche Tierarten eine besondere Auswirkung haben. Gemäß dieser Erkenntnis habe der Saarforst und der Waldbesitzerverband unter anderem eine „Horstschutzvereinbarung“ mit dem Naturschutzbund abgeschlossen, um das Brutgeschäft verschiedener, besonders geschützter Arten nicht zu beeinträchtigen. Reinhold Jost: „Erfahrungsgemäß ist es so, dass im Wald lebende Tiere mit der Holznutzung sehr gut zurecht kommen. Sorgen bereitet uns aber, dass die Zunahme der Menschen im Wald aufgrund vielfältigster Aktivitäten sehr wohl gravierende Störungen auf seltene und empfindliche Arten in ihrem Brutgeschäft oder bei der Aufzucht der Jungtiere hervorrufen können. Hierzu zählen insbesondere sportliche Aktivitäten noch vor Anbruch des Tages – Läufer oder Radfahrer mit Stirnlampen –, Geocacher oder auch frei umher laufende Hunde.“

Diese beunruhigten andere Tierarten sehr wohl, weil diese „als Nachfahren des Wolfes immer noch als bedrohlich wahrgenommen werden“. Wichtig sei, dass die Brut- und Setzzeit möglichst von allen Interessengruppen soweit wie möglich beachtet wird. „Hier ist Rücksichtnahme gefragt, und nicht Fingerzeigen auf den jeweils Anderen.“