Umfrage zur Bonpflicht bei Merzigern

Kostenpflichtiger Inhalt: Umfrage zur Bonpflicht : Zettelwirtschaft stößt auf Widerstand

Die neu eingeführte Bonpflicht sorgt bei den meisten Betrieben für Unverständnis. Für einige hat sich jedoch nicht viel geändert.

Der Start ins neue Jahrzehnt ging dieses Mal nicht nur mit zahllosen geleerten Sektflaschen und buntem Silvesterfeuerwerk einher, er brachte auch die Einführung der  Kassenbonpflicht, die sogenannte Belegausgabepflicht, mit sich. Diese verpflichtet Geschäftsinhaber dazu, bei jedem noch so kleinen Kauf, einen Beleg an den Kunden auszuhändigen.

Vor allem bei Bäckern, Metzgern und Imbissbudenbesitzern führt diese Neuerung zu Unverständnis und Achselzucken, wie eine Umfrage der SZ in der Merziger Fußgängerzone zeigt.

Bei Roland Lamest füllen sich täglich eimerweise die Belege. Foto: Daniel Bonenberger
Lothar Beining hält die Zettelwirtschaft für übertrieben. Foto: Daniel Bonenberger
Ursula Anton spürt noch keine Veränderungen. Foto: Daniel Bonenberger

Ursula Anton von der Bäckereifiliale Ecker hat zwar von der Einführung gehört, bislang aber noch keine Order von der Zentrale bekommen, wie es weitergeht: „Wenn ein Kunde einen Beleg verlangt, bekommt er ihn, das war schon immer so.“ Explizit nachfragen tut sie aber nicht, die erfahrene Bäckereifachverkäuferin weiß, dass für eine Brezel niemand einen Beleg haben will: „Nur bei Großbestellungen oder wenn Kinder etwas kaufen, frage ich nach, damit die Kleinen keinen Ärger bekommen und die Eltern Bescheid wissen.“

Für Obst- und Gemüsehändlerin Monika Reiter hat sich nichts geändert. Foto: Daniel Bonenberger
Ackan Hekmige vom Café Jobst steht der Bonpflicht positiv gegenüber. Foto: Daniel Bonenberger

Dass das neue System wirklich sicherer vor Betrug ist, glaubt Anton ohnehin nicht, da das Finanzamt bereits jetzt auf alle relevanten Daten zugreifen könne: „Was soll da ein Bonausdruck schon ändern, das verursacht nur mehr Müll.“

Yusuf Erdan vom Dönerladen „Mustafa Kebab“ gibt seit Jahresbeginn konsequent jedem einen Beleg, auch wenn seine Kasse noch nicht den neuen Anforderungen entspricht: „Meine Kasse muss ich noch umrüsten lassen, die Schnittstelle für das Finanzamt fehlt bei uns noch.“ Dennoch ist seine Kasse vor Manipulation auch bereits jetzt geschützt, ist er überzeugt: „Die meisten Kunden werfen ihre Bons wieder weg, es ist eine Papierverschwendung und nicht gut für die Umwelt – wenn Kunden einen Beleg wollen, haben sie ja immer einen bekommen.“ Auch Erdan glaubt nicht, dass das neue System für mehr Sicherheit sorgt: „Wenn ein Finanzbeamter kommt, kann er sowieso alle Daten auslesen – ich wüsste gar nicht, wie man so eine Kasse manipulieren kann.“

„Wir brauchen mindestens drei Kassenrollen am Tag, früher war es nicht mal eine“, sagt Ackan Hekmige, Mitarbeiterin im Café Jobst. Das ist ihrer Meinung nach nicht nur ein Müllproblem – da die Rollen gar nicht so billig sind, geht das auch richtig ins Geld: „Die meisten Kunden lassen den Bon sowieso auf der Theke liegen oder werfen ihn  auf den Boden, das macht uns noch mehr Arbeit.“ Dennoch findet sie die Belegpflicht gut, auch wenn sie nicht sicher ist, ob die Steuerhinterziehung so wirksam bekämpft werden kann: „Finde es trotzdem richtig, wenn ich einkaufen gehe, bekomme ich ja auch in jedem Geschäft einen Beleg, warum also nicht für einen Kaffee“, gibt sie zu bedenken.

Nichts geändert hat sich bei Obst- und Gemüse Sonnhalter, dem Laden von Monika Reiter: „Unsere Kasse ist schon seit langer Zeit fiskalfähig, bei jedem Apfel wird ein Beleg ausgedruckt.“ Gut findet sie die Ausgabepflicht dennoch nicht, das sei Müll, der vermeidbar wäre: „Deutlich gestiegen durch die Debatte ist allerdings die Zahl der Kunden, die sich aufregen, wenn sie den Bon von uns bekommen – da haben sich die Gemüter erhitzt.“

Berge von Papiermüll führen auch beim Inhaber der Metzgerei Lamest, Roland Lamest zu Kopfschütteln: „Bei mir werden jedes Mal zwei Bons ausgedruckt, einer an der Waage und einer an der Kasse.“ Da fast kein Kunde die Belege mitnimmt, führt das täglich zu einem Eimer Papiermüll, sagt der Metzger. Lamest, der in der Innung tätig ist, hat seine Kasse noch nicht auf den neuesten Stand gebracht und hat es auch nicht vor: „So eine neue Kasse kann schnell 30 000 Euro kosten.“ Auch von seinen Kollegen weiß er, dass sie die Vorteile des neuen Systems noch nicht durchschaut haben, da das Kassensystem bereits jetzt fälschungssicher sei: „In der heutigen digitalen Welt finde ich es einen Witz, dass man keine bessere Lösung als die der Belegpflicht anbieten kann“, findet der Metzger.

Die „Zettelwirtschaft“ beklagt auch Kunde Lothar Beining: „Ich finde es gut, dass gegen Steuerhinterziehung vorgegangen wird, aber diese Flut an Kassenzetteln halte ich für übertrieben.“ Beining selbst wirft die Belege meistens direkt weg, mit Ausnahme von größeren Anschaffungen: „Wenn es Garantie auf etwas gibt oder ich mit Karte bezahle, hebe ich die Belege zur Kontrolle und Sicherheit aber auf.“

Völlig übers Ziel hinausgeschossen findet Peter Bauer die Neuregelung: „Das haben sich doch irgendwelche Bürokraten ausgedacht, die das in der Praxis nicht anwenden müssen.“ Er halte es für vollkommen unverständlich, dass tagtäglich über Müllvermeidung und Umweltschutz geredet wird, und die Verantwortlichen dann solche Entscheidungen treffen: „Ich will gar nicht wissen, wie viel Millionen Bäume wegen der Bonpflicht im Mülleimer landen“, sagt er verärgert.