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Thomas Collmann gewinnt Stichwahl

Wahlsieger Thomas Collmann (links) kann sein Glück am Sonntagabend im Beckinger Rathaus kaum fassen. Derweil wirkt der unterlegene Daniel Minas (r.) konsterniert. foto: rup
Wahlsieger Thomas Collmann (links) kann sein Glück am Sonntagabend im Beckinger Rathaus kaum fassen. Derweil wirkt der unterlegene Daniel Minas (r.) konsterniert. foto: rup
Am Sonntag (26.09.2016) gab es die Stichwahl darum, wer im kommenden Jahr die Nachfolge von Erhard Seger antreten wird. SPD -Kandidat Thomas Collmann erreichte einen deutlichen Sieg. Christian Beckinger

Um kurz vor halb sieben am Sonntagabend (26.09.2016) war es klar: Thomas Collmann wird neuer Bürgermeister von Beckingen. Der SPD-Kandidat gewann die Stichwahl um den Posten des Rathauschefs mit 55,9 Prozent gegen seinen CDU-Kontrahenten Daniel Minas. Am 1. Juni 2017 wird der 54-Jährige die Nachfolge von Erhard Seger (CDU ) antreten, der in den Ruhestand geht.


884 Stimmen betrug am Ende der Auszählung der Vorsprung des Wahlsiegers Collmann. Den Grundstein für seinen Erfolg legte Collmann in seinem Heimatort Beckingen, wo er rund 67 Prozent der Stimmen einfuhr und 749 Stimmen Vorsprung herausholte. Aber auch in fünf weiteren Ortsteilen hatte der SPD-Kandidat die Nase vorn, so dass der Erfolg am Ende recht deutlich ausfiel. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,4 Prozent und damit nur unwesentlich niedriger als beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen (61,3 Prozent)

Der Wahlsieger konnte im Rathaus sein Glück kaum fassen: "Ich bin wirklich sprachlos. Das ist ein wunderbarer Tag für mich." Collmann dankte seiner Familie und seinen Parteifreunden, die ihn im Wahlkampf nach Kräften unterstützt hatten. Seit fast einem Jahr hatte der SPD-Kandidat um die Gunst der Wähler geworben, in einem "innovativen, fairen und guten Wahlkampf ", wie er selbst urteilte. Er sei stolz darauf, dass er die CDU-Hochburg Beckingen erobert habe, sagte Collmann: "Die CDU stellt hier den Bürgermeister, hat die absolute Mehrheit im Gemeinderat und besetzt sieben von neun Ortsvorsteher-Posten. Das ist schon eine Hausnummer." Für seinen Erfolg ausschlaggebend sei gewesen, "dass die Leute einen kennen und die Sympathie für einen da ist", befand Collmann. Ihm sei von Anfang an wichtig gewesen, einen fairen Wahlkampf zu machen, "und das habe ich bis zum Schluss durchgezogen".



Daniel Minas wirkte tief enttäuscht, aber auch gefasst: "Die Bürger haben so entschieden, und das haben wir zu akzeptieren. Das Ergebnis ist so, wie es ist." Er sei dennoch stolz darauf, der CDU anzugehören, betonte Minas: "Viele Parteifreunde sind im Verlaufe der letzten Monate echte Freunde geworden, und das wird bleiben." Wie seine politische Zukunft aussieht, ließ der unterlegene Kandidat offen: "Lasst mich jetzt ein paar Tage in die Berge fahren, und danach werden wir in Ruhe in der Fraktion alles bereden."

Die SPD-Kreisvorsitzende Anke Rehlinger erklärte, die Wahl in Beckingen habe gezeigt, wie wichtig es sei, "neben den richtigen Themen auch die richtigen Kandidaten zu finden". Thomas Collmann habe den direkten Kontakt zu den Bürgern gesucht, sei mit seiner Bodenständigkeit gut angekommen. "Mit der natürlichen Art und Weise, mit der er im Wahlkampf aufgetreten ist, hat er die Leute für sich eingenommen." Die Wahl in Beckingen sei für die SPD die fünfte gewonnene Direktwahl in Folge im Saarland. "Eine gewonnene Wahl allein bildet noch keinen Trend ab, aber das kann uns schon Rückenwind auch für die Landtagswahl im kommenden Jahr geben."

Rückenwind erhofft sich auch der SPD-Gemeindeverbandsvorsitzende Stefan Krutten . "Das kann für die Kommunalwahl 2019 ein Motivationsschub sein", sagte er. Als sich im Laufe des Wahltags herausgestellt habee, dass die Wahlbeteiligung wieder recht hoch sei, da sei ihm klar geworden, "dass die Wahl gut für uns laufen kann". Neben dem "super Ergebnis" in Collmanns Heimatort Beckingen sorgten auch die Resultate in Reimsbach, Saarfels und Honzrath für große Zufriedenheit beim Chef des Gemeindeverbandes: Hier hatte der SPD-Kandidat jeweils deutlich die Nase vorn. Krutten sagte weiter: "Nicht in Ordnung fand ich, dass die CDU zwischen dem ersten Wahlgang und der Stichwahl den bis dato sehr sachlichen Ton im Wahlkampf verschärft hat und in einigen Orten mit fragwürdigen Flugblättern versucht hat, Stimmung zu machen."

Die CDU-Kreisvorsitzende Helma Kuhn-Theis stärkte dem unterlegenen Kandidaten ihrer Partei demonstrativ den Rücken: "Daniel Minas ist ein Glücksfall für die CDU in Beckingen und im Kreis." Er sei, wie der gesamte Gemeindeverband, im Wahlkampf enorm fleißig und rege gewesen. "Leider ist es nicht gelungen, die Mehrheit der Wähler zu überzeugen", sagte Kuhn-Theis. Schon nach dem deutlichen Vorsprung für Collmann im ersten Wahlgang sei der CDU bewusst gewesen, dass es in der Stichwahl schwer werden würde. "Von daher bin ich froh, dass wir noch zulegen konnten, auch wenn es nicht zum Sieg gereicht hat." Der SPD-Kandidat habe den Vorteil, dass er aus einem großen Ort kommt, bei der Wahl für sich nutzen können.

Der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Frank Finkler sagte: "Man muss in Ruhe analysieren, was die Gründe für dieses Ergebnis sind." Am Kandidaten Daniel Minas habe es nicht gelegen, "der hat ganz viel investiert". Aber die Themen, auf die er und die CDU in diesem Wahlkampf gesetzt hätten, seien "vielleicht nicht so angekommen".

Meinung:

Balsam für die SPD-Seelen

Von SZ-Redakteur Wolf Porz

Das Ergebnis ist mehr als deutlich: Fast 60 Prozent der Stimmen hat am Sonntag der SPD-Bürgermeisterkandidat in Beckingen auf sich vereinigen können. Da werden nicht nur die Sozialdemokraten in der Talgemeinde, sondern auch im Kreis und im Land jubeln. Denn die SPD gewinnt nicht nur ein von der CDU geführtes Rathaus zurück. Die Botschaft vom Wahlabend: Sozialdemokraten können auch Siege einfahren. Das dürfte Balsam auf die gebeutelten Seelen nicht weniger Sozialdemokraten sein. Thomas Collmann tritt ein schweres Erbe an. Sein Vorgänger Erhard Seger hinterlässt ein wohl bestelltes Feld. Seine Schuhe sind groß.