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Abschied
Tänze zum Abschied von zwei guten Seelen

Zur Generalprobe kurz vor dem großen Auftritt haben die Schüler zusammen mit Tanztrainerin Claudia Meystre (Bildmitte) noch einmal ihren Tanz geübt.
Zur Generalprobe kurz vor dem großen Auftritt haben die Schüler zusammen mit Tanztrainerin Claudia Meystre (Bildmitte) noch einmal ihren Tanz geübt. FOTO: Ruppenthal
Merzig. Bei der Feier für Willi Bettzüche und Katharina Peric in der Merziger Kreuzbergschule haben sich die Schüler mächtig ins Zeug gelegt. Von Barbara Scherer

Rund 30 Jahre lang haben Willi Bettzüche als Hausmeister und Katharina Peric als Reinigungskraft in der Merziger Kreuzbergschule für Ordnung gesorgt. Um sich von den beiden zu verabschieden, haben Schüler und Lehrer eine kleine Feierstunde organisiert. Schon vor deren Beginn am Mittwoch gegen halb zwölf ist in der Turnhalle einiges los: Die Schüler der Klasse 4b proben ein letztes Mal ihre Tänze, die sie vor den Gästen zum ersten Mal öffentlich aufführen wollen.


An 20 Terminen haben die 24 Mädchen und Jungen gemeinsam mit Claudia Meystre von der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Tanz Saar ihre Schritte geübt. Ziel der LAG ist es unter anderem, Tanz an Schulen zu bringen, erläutert Meystre. „Viele wollten wirklich tanzen“, freut sie sich über die gute Zusammenarbeit mit ihren Schützlingen. Auf dem Programm standen Bewegungen aus dem Hip-Hop und dem zeitgenössischen Tanz, erläutert sie, „da konnten sie auch eigene Posen machen“.

Das wöchentliche Training fand im Rahmen des Sachkundeunterrichts statt – und im Klassenraum. „Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und etwas mit Stühlen eingeübt“, lacht Meystre. Der Anstoß, überhaupt ein solches Projekt mit der Klasse durchzuführen, kam von Claudia Bohr, die in der Klasse 4b Sachkunde und Kunst unterrichtet. Doch die eigentliche Initiative geht nach ihren Worten auf Ingrid Breyer, Präsidentin von Soroptimist Merzig-Saarlouis, zurück. „Unser Motto für dieses Jahr ist: Wir wollen Mädchen durch Bildung stärken“, erläutert sie. Das geplante Projekt habe gut zum Motto der Serviceorganisation für Frauen gepasst. Deshalb hat der Club beschlossen, die Tanzstunden für die Grundschüler mit 1600 Euro zu sponsern.

Bohr, selbst Mitglied bei Soroptimist, ist zufrieden mit den Ergebnissen. „Es hat den Kindern großen Spaß gemacht und sie waren immer aufgeregt, wenn das Projekt mittwochs stattfand“, erzählt sie. Sie freut sich darüber, dass die Kinder sich darauf eingelassen und große Fortschritte erzielt hätten. Zwar sei dieses Projekt an der Kreuzbergschule zum ersten Mal durchgeführt worden, doch generell sei die Schule musisch und sportlich orientiert.

„Meine Kinder haben hier zu Tanz und Musik gefunden“, erinnert sich Anne Ernzerhof, die selbst drei Kinder hat, die die Kreuzbergschule besucht haben. Insofern hat das Soroptimist-Mitglied die Idee des Projekts direkt unterstützt. „Es ist wichtig, dass die Kinder Freude an Musik und Tanz finden“, sagt sie. Normalerweise unterstützt Soroptimist vorrangig Mädchen und Frauen. Dass in der Klasse 4b natürlich auch Jungen dabei sind, stört sie jedoch nicht – im Gegenteil: „Es ist wichtig, Mädchen in einer Gruppe von Jungs zu unterstützen.“



Vom Ergebnis des Projekts in der Klasse 4b konnten sich nun Mitschüler, Lehrer und weitere Gäste überzeugen. Die Stühle für den ersten Tanz stehen schon bereit, als Schulleiter Eugen Hoffeld die Gäste begrüßt. Dann beginnt die Choreografie: Die Kinder klettern auf die Stühle, setzen sich, drehen sich und zeigen die geübten Posen. Dass das Tanzen aber auch ohne Stühle ganz gut klappt, demonstrieren sie mit einem zweiten Tanz.

Die Ehrengäste des Tages, Willi Bettzüche und Katharina Peric, haben das Treiben von ihren gemütlichen Plätzen gleich in der ersten Reihe aus beobachtet. Beide sagen, dass sie die Arbeit an der Schule vermissen werden. An die Lehrer, Schüler, den Förderverein und alle anderen Gäste richtet Bettzüche seine Abschiedsworte: „Ihr werdet ewig einen Platz in unseren Herzen behalten.“ Ganz am Ende angekommen ist er allerdings noch nicht, sagt er: „Der 28. Februar wird mein letzter Arbeitstag.“