SZ im Gespräch mit Marcus Hoffeld

SZ-Dämmerschoppen in Merzig : „Merzig lag mir immer schon am Herzen“

Marcus Hoffeld (CDU) hat beim SZ-Dämmerschoppen über seine bisherigen Erfahrungen als Bürgermeister gesprochen.

Seit fünfeinhalb Jahren ist er Bürgermeister von Merzig und will es bleiben: Marcus Hoffeld, 45 Jahre alt und in Merzig geboren, geht am Sonntag erneut ins Rennen und stellte sich genau eine Woche vorher beim zweiten SZ-Dämmerschoppen in der Villa Fuchs den Fragen von SZ-Lokalredakteur Christian Beckinger.

Bevor Hoffeld 2014 Bürgermeister wurde, war er schon in Merzig politisch aktiv. Woher die Motivation für sein politisches Engagement kommt? „Merzig lag mir immer schon am Herzen“, sagte er, früh habe er festgestellt: „Man kann viel bewegen, wenn man sich kommunalpolitisch engagiert. Es ist schön, Ideen zu haben, aber noch schöner, Ideen mitzugestalten“, erzählte Hoffeld. In der „kürzesten Amtszeit eines Bürgermeisters“, wie Beckinger anmerkte, „habe ich viel umgesetzt und viele Projekte angestoßen. Ich erinnere an das neu gebaute Hotel, die Stärkung der SHG-Klinik und die Bewältigung der Flüchtlingskrise 2015“, sagte Hoffeld. Diese Zeit beschreibt er als die „prägendste“. Mit Hilfe von Firmen und Ehrenamtlern habe man die zugezogenen Menschen gut in die Kreis­stadt integriert. „Das zeigt, wie gut Merzig im sozialen Bereich aufgestellt ist“, betonte Hoffeld. Als Bürgermeister könne man viel tun, die Umsetzung funktioniere jedoch nur mit dem Stadtrat. Welche Fehler er in seiner Amtszeit machte? „Wer nichts macht, macht nichts falsch“, antwortete Hoffeld, gab aber zu: „Das Thema Gustav-Regler-Platz hätte anders laufen sollen, da gab es Fehler in der Kommunikation.“ Wie viel Anfeindungen er als Bürgermeister erlebe? „Die erfahre ich teilweise, auch in Gesprächen mit den Menschen“, erzählte er. „Auch als Bürgermeister bin ich immer noch Mensch.“

Ob das Bürgermeisteramt ihn verändert hat? „Meine Wahrnehmung für und der Umgang mit Menschen hat sich geändert“, befand er, er selbst sieht sich als bürgernah. „Ich bin immer für die Bürger ansprechbar und schreibe mir ihre Belange auf“, sagte Hoffeld. Zeitgleich wurde die Verwaltung offener in der Kommunikation, sei inzwischen in den sozialen Netzwerken präsent, alle vier bis sechs Wochen würden im Rathaus Sprechstunden für Bürger angeboten. Einmal im Jahr besucht Hoffeld die Stadtteile für eine Bürgersprechstunde. „Das wird sehr intensiv genutzt“, sagte der Rathauschef.

Was für ihn die bislang schwierigste Situation war? „Die Diskussion um den Gustav-Regler-Platz und die plötzlichen Tode von Fredi Horf und Alfons Lauer“, nannte Hoffeld, sichtlich ergriffen. Den ehemaligen Bürgermeister, Manfred „Fredi“ Horf, bezeichnete Hoffeld als politisches Vorbild. Auch die Flüchtlingskrise empfand der Merziger als schwierig. „Integration ist eine Sache, aber wo bringt man all diese Menschen unter?“ Diese Frage habe ihm zahlreiche schlaflose Nächte bereitet. Es gab sowohl sprachliche als auch kulturelle Barrieren, man musste Wohnungen und Betreuungen zur Verfügung stellen. Wer ihm in dieser Zeit eine Stütze war? „Alle Menschen, die geholfen und sich ehrenamtlich eingebracht haben. Ohne sie hätten wir das nicht geschafft“, betonte Hoffeld, „auch die Firmen haben geholfen.“

Mit Blick auf den Verkehr in der Kreisstadt stellte Hoffeld fest: „Unsere Stärke ist die Anbindung an die Autobahn“, allerdings ächze die Stadt unter vielen Staus. Um für eine Entlastung zu sorgen, müsse die Nordumfahrung kommen. Derzeit führe das Wirtschaftsministerium an mehreren Routen Verkehrszählungen durch, um zu ermitteln, ob diese sinnvoll ist. Aber: „Die Finanzierung dafür ist noch nicht gesichert“, sagte Hoffeld. Der Kauflandkreisel war ebenfalls Gegenstand der Diskussion. Fest steht: Die Ampel kommt. „Auch ich hätte lieber einen Kreisel“, gab Hoffeld zu, allerdings habe ein Gutachten gezeigt, dass dort eine Ampel für Fußgänger und Verkehr am besten funktioniere. Was die Stadt während der Baustellenzeit zur Unterstützung der Merziger Geschäfte tun wolle? „Wir haben in Merzig tolle Geschäfte. Selbst wenn man im Stau steht, werden diese Geschäfte dennoch angefahren“, fand Hoffeld. „Wir werden mit dem Verein für Handel und Gewerbe nach Lösungen suchen und die Geschäfte unterstützen.“

Gegen Raser seien weitere Blitzer angedacht, ferner wünscht sich der Rathauschef an jeder Ortseinfahrt eine Tempoanzeige. Haben die Blitzer den gewünschten Effekt erzielt? „Ja, in den Bereichen wird angepasster gefahren“, bekundete Hoffeld, dennoch werden dort noch viele geblitzt. Damit verdiene die Kreisstadt Geld, „das war aber nicht das Ziel“.

Für mehr Sicherheit setzt er auf mehr Mitarbeiter beim Ordnungsamt, die Zusammenarbeit mit der Polizei und Videoüberwachung sowie auf Streetworker, die Vorsorge leisten sollen. Ein Problem: Das Jugendhaus steht dezentral, es fehlt ein Treff im Stadtzentrum. Der solle aber kommen, wie Hoffeld ansprach, „wir brauchen mehr Anlaufstellen“. Zudem habe man festgestellt, dass entlang der Bahnlinie die Kriminalität gestiegen sei, auch in Völklingen, Dillingen und Mettlach habe man diese Probleme. „Da ist das Land gefragt“, fand Hoffeld, in mehr Polizei zu investieren.

Für Diskussionen sorgten zuletzt die Veränderungen im Stadtbild von Merzig. „Wir sind kein Museum, sondern eine lebendige Stadt“, meinte Hoffeld und befürwortete: „Altes muss für Neues weichen.“ Ein gelungenes Beispiel dafür sei das neue Gebäude der Barmer. Für zukünftige Bauvorhaben soll mit Hilfe einer Gestaltungssatzung festgelegt werden, an welchen umliegenden Gebäuden sich bei Neubauvorhaben orientiert wird.

Als Gesundheits-Standort habe Merzig an Renommee gewonnen, betonte der Amtsinhaber. „Ziel war es, das Klinikum zu stärken“, sagte Hoffeld, der die Entwicklung des Gesundheitscampus begrüßt. Viele Praxen siedeln sich dort an, weitere Anfragen liegen vor. Des Weiteren erhofft sich die Kreisstadt durch das neue Industriegebiet „Auf der Haardt“ mehr Gewerbesteuereinnahmen.

Vergessen dürfe man nicht die Bürgerhäuser, die Grundschulen sowie die Feuerwehr, deren Probleme der derzeitige Amtsinhaber weiter angehen möchte. Im politischen Dialog wünscht sich Hoffeld „weniger persönliche Diskussionen“. Es solle möglich sein, sich immer noch auf ein Bier treffen zu können. Er bedauere, dass dies nicht der Fall sei.

Um die finanzielle Situation der Kreisstadt zu verbessern, wünscht sich Hoffeld mehr Bundesgelder für das Saarland. Was die Stadt selbst tun kann? „Ausgaben senken und Einnahmen erhöhen“, antwortete Hoffeld. Seine Ziele? „Die Nordumfahrung soll kommen, der Saarpark weiter ausgebaut werden, mehr in sozialen Wohnungsbau investieren, sich dem Sanierungsstau in den Schulen widmen sowie eine gebundene Ganztagsschule etablieren. Künftig stärker mit Luxemburg und Frankreich zusammenarbeiten und ein besseres Linienbussystem mit Anbindung in allen Stadtteilen, günstigeren Preisen, E-Bussen und einer besseren Taktung.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung