Stadtrat Merzig lehnt Grünen-Antrag für mehr Lärmschutz am Wolfspark ab

Kostenpflichtiger Inhalt: Kontroverse um Schießlärm : Stadtrat Merzig gegen mehr Lärmschutz am Wolfspark

Forderung nach zusätzlichem Lärmschutz für Sportanlage des Schützenvereins am Wolfspark wird zurückgewiesen.

Grünen-Fraktionschef Klaus Borger ist mit dem Ansinnen gescheitert, dem Schützenverein Merzig mit Unterstützung und gegebenenfalls auf Kosten der Stadt zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen an seiner Schießanlage beim Merziger Wolfspark zukommen zu lassen. Der Stadtrat lehnte einen entsprechenden Antrag der Grünen-Fraktion in der Sitzung am Montagabend mit großer Mehrheit ab. Außer den vier Grünen-Vertretern unterstützte niemand im Rat den Antrag, es gab 27 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen.

Borger hatte den Vorstoß vorrangig mit touristischen Zielsetzungen begründet. Der Wolfspark sei eine der Hauptattraktionen der Kreisstadt und ziehe zahlreiche Besucher an. Allerdings habe es in letzter Zeit mehrfach Beschwerden von Besuchern gegeben, die sich wegen des Schießlärms von der benachbarten Anlage des Schützenvereins bei ihm beklagt hätten. Ausdrücklich stellte Borger klar, dass er mit seinem Vorstoß nicht den Schützenverein und dessen sportliche Aktivitäten in Frage stellen wolle. Den Verein und seine Schießanlage gebe es schon länger als den Wolfspark an dieser Stelle. Aber, so Borger: „Der Wolfspark muss auch im Interesse der Wölfe und der Parkbesucher ein Ort sein, wo man Tiere in einem möglichst natürlichen Umfeld erleben kann. Zu einem möglichst natürlichen Wolfsumfeld gehört natürlich Ruhe und Wald- und Wolfserlebnis.“ Nach seiner Auffassung und auf Basis eigener Eindrücke sei die „Verlärmung durch Schussabgaben mit großkalibrigen Waffen...teilweise extrem“. Daher solle die Verwaltung mit dem Schützenverein Kontakt aufnehmen, um für diesen „effektive lärmmindernde Maßnahmen zu planen“. Für die Finanzierung selbiger solle die Stadt den Verein bei der Suche nach Fördermöglichkeiten unterstützen und auch selbst Geld für Schallschutz bereitstellen.

Auf Unverständnis stieß der Vorschlag bei Vertretern des Schützenvereins, die ebenfalls im Stadtrat vertreten sind. So sagte Giuseppe D’Auria (SPD), die von den Grünen vorgebrachte Begründung sei nur vorgeschoben. Er verwies darauf, dass nur an etwa fünf Stunden am Wochenende auf der Schützenanlage Schießbetrieb stattfinde, wenn gleichzeitig der Wolfspark geöffnet sei. Weiterhin sei die Schützenanlage dienstags und freitags jeweils ab 18 Uhr geöffnet – zu dieser Zeit sei der Wolfspark bereits geschlossen. D’Auria verwies darauf, dass der Verein seit 2010 über eine Betriebserlaubnis für die Schießanlage verfüge, für deren Erteilung auch Lärmemissions-Messungen stattgefunden hätten. Die dabei gemessenen Werte hätten die geltenden Grenzwerte nicht überschritten. Zudem sei eine komplette Einhausung des halb offenen Schießstandes eine sehr kostspielige Angelegenheit, die mehrere 100 000 Euro kosten würde.

. . . und die Schießanlage des Schützenvereins liegen einander direkt gegenüber. Die Grünen im Rat wollten hierfür zusätzlichen Lärmschutz. Foto: cbe

Thomas Klein, CDU-Ratsmitglied und ebenfalls im Schützenverein aktiv, kritisierte das Vorgehen der Grünen: Es habe keine Gespräche von Seiten des Grünen-Fraktionschefs mit dem Verein wegen des vermeintlichen Lärmproblems gegeben. „Sie haben noch kein einziges Wort mit dem Schützenverein gesprochen oder sich die Anlage einmal angesehen“, sagte er an die Adresse von Borger gerichtet. Klein bezeichnete es als „seltsam, dass sich die Besucher von Wolfskrug und Wolfspark ausgerechnet bei Herrn Borger beschweren“. An den Schützenverein selbst und an die Verwaltung seien indes keine Beschwerden herangetragen worden. Zudem gebe es keine massive Zunahme des Schießbetriebs mit großkalibrigen Waffen, wie von Borger dargestellt. Klein wies darauf hin, dass Fördermittel für Lärmschutz seitens der Sportplanungskommission nur dann gewährt würden, wenn die Grenzwerte für Lärmemissionen überschritten werden – „das ist aber hier nicht der Fall!“ Er wertete den Antrag der Grünen als „Heuchelei“ und sagte: „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“