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Stadt Merzig trennt sich von Initiator des Stolperstein-Projektes

Stadt Merzig trennt sich von Initiator des Stolperstein-Projektes

In Merzig sollen auch künftig Stolpersteine verlegt werden, die an NS-Opfer erinnern. Aber die Stadt hat sich vom Initiator des Projektes wegen zahlreicher islamfeindlicher Äußerungen getrennt.

"Der Bürgermeister hat die Verlegung weiterer Stolpersteine in Hilbringen und Brotdorf verboten", heißt es in einem Facebook-Beitrag von Bernd Schirra auf der Seite der Merziger SZ-Redaktion. Verboten? "Ich habe gar nichts verboten, ich habe den Termin verschoben", stellt Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld auf Anfrage der SZ richtig. Schirra war der Initiator der Verlegung von Stolpersteinen in Merzig , die an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen erinnern sollen. Am 22. April sollten in Hilbringen und Brotdorf weitere Steine verlegt werden. Warum kam es nicht dazu? "Bei einem Treffen im März einigten wir uns darauf, die Verlegung auf den Herbst zu verschieben", sagt Hoffeld . Grund dafür: zahlreiche islamfeindliche Äußerungen Schirras.

In einem seiner Beiträge auf Facebook heißt es: "Ich hasse den Islam und würde alle Moslems lieber heute als morgen aus dem Land befördern." In einem weiteren antwortet er auf den Kommentar eines Nutzers, der in arabischer Schrift verfasst wurde: "Schreiben Sie deutsch, das ist die Sprache der Arier." Heftige Reaktionen seitens der Bevölkerung folgten.

"Sowas können wir nicht tolerieren", kritisiert Hoffeld . Schirra sei trotz seiner großen Verdienste als Leiter des Projektes nicht mehr tragbar gewesen. "Die Situation ließ eine weitere Zusammenarbeit nicht zu", erklärt Hoffeld . Die Kooperation wurde beendet. Richard Bermann, Vorsitzender der Synagogengemeinde Saar, moderierte das Treffen: "Wir waren uns einig. Ich kann nicht verstehen wieso Schirra jetzt nachkartet." Für den plötzlichen Sinneswandel Schirras habe er keinerlei Verständnis.

Schirra sieht sich hintergangen: "Ich wurde gezwungen, meinem Rücktritt zuzustimmen. Mir blieb nichts anderes übrig." Das Verbot der Verlegung habe er per Post bekommen: "Alles war organisiert, der Künstler war bereit. Dann kam ein Brief von Hoffeld mit dem Verbot." Aus dem Rathaus heißt es: "Im Schreiben stand, dass ein neuer Termin zeitnah abgestimmt wird und wir keinen Alleingang Schirras unterstützen."

Derzeit versucht die Stadt die Merziger Schulen als Projektpartner zu gewinnen. Schirra bezweifelte im SZ-Gespräch, dass sich Schulen für das Projekt interessieren. Bermann: "Das haben wir ebenfalls bei unserem Treffen festgelegt - auch in Absprache mit Herrn Schirra." Hoffeld macht deutlich: "Die Erinnerung an die NS-Opfer ist ein sensibles Thema und erfordert einen angemessenen Umgang." Durch die Beteiligung der Schulen sollen die jungen Menschen Bewusstsein für die Lehren der Vergangenheit bekommen - einige hätten laut Bürgermeister bereits ihre Teilnahme zugesagt. Hoffeld weiter: "Schließlich ist es ein wesentlicher Gedanke der Stolperstein-Verlegung, sich gegen jede Form von Ausgrenzung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auszusprechen. Herrn Schirras Äußerungen widersprachen dieser Idee in eklatanter Weise."

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HintergrundDie Stolpersteine werden in Merzig seit 2012 von dem Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt. Die in den Boden eingelassenen Steine mit eingravierten Namen und Daten sind Gedenktafeln in Form von Pflastersteinen, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert oder in den Suizid getrieben wurden. Sie werden jeweils an den letzten freiwillig gewählten Wohnorten der NS-Opfer verlegt. Bernd Schirra hat sich ehrenamtlich engagiert, nach Betroffenen recherchiert und Gelder gesammelt, damit auch in Merzig , wo ehemals eine größere jüdische Gemeinde ansässig war, Stolpersteine verlegt werden konnten. pha