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Sowjetische Zwangsarbeiter hinterließen vielfältige Spuren

Eine der Zwangsarbeiterinnen von V&B in Merzig, Marusia, wurde 1942 auf der Merziger Kirmes fotografiert. Foto: Archiv Porz
Eine der Zwangsarbeiterinnen von V&B in Merzig, Marusia, wurde 1942 auf der Merziger Kirmes fotografiert. Foto: Archiv Porz FOTO: Archiv Porz
Merzig. Kein Thema bewegt seit längerer Zeit die Gemüter im Land so sehr wie die durch die Flüchtlingskrise bedingte Masseneinwanderung nach Deutschland. In unserer Serie wird die Zuwanderung in die Merziger Region während der vergangenen 200 Jahre dargestellt. Volkmar Schommer

Als im November 1944 das Ostarbeiterinnenlager der Mettlacher Steingutfabrik von Villeroy & Boch evakuiert wurde, marschierte ein Zug sowjetischer Zwangsarbeiterinnen auch durch Losheim. In der Volksschule von Waldhölzbach wurde Station gemacht. Am 27. November 1944 gebar hier die 21jährige Lidija Bildiriwa ein Mädchen namens Ljuba. In Losheim starb im November eine Maria Kusmitschowa. In Bachem kam am 12. Dezember 1944 ein Nikolai Michailow ums Leben, in Losheim am 9. Dezember ein Felix Jwanowski sowie ein weiterer Unbekannter. 1944 starb auch in Rimlingen ein unbekannter Zwangsarbeiter .


Für den Bereich der Gemeinde Mettlach lässt sich festhalten, dass im Sommer 1941 eines der größten Arbeitskommandos des KZs Hinzert mit 165 Häftlingen in Tünsdorf eingesetzt war. Die Häftlinge arbeiteten hier an der Beseitigung von Unterständen und Schanzgräben. In Tünsdorf befanden sich daneben ein serbisches Arbeitskommando und ein russisches Gefangenenlager.

Kleinere serbische Gefangenenkommandos bestanden jeweils in Orscholz, Weiten und in Wehingen-Bethingen, in Nohn ein italienisches. Größere Zwangsarbeiterlager gab es in Faha und in Orscholz. Aus Faha ist der missglückte Fluchtversuch eines Gefangenen bekannt. Zur Strafe wurde für das gesamte Lager die tägliche Arbeitszeit von 17 auf 19 Uhr verlängert. Schon im Frühsommer 1940 war in Orscholz daneben ein französisches Kriegsgefangenenlager eingerichtet worden. Es befand sich auf dem Gelände des heutigen Hotels "Zur Cloef". Wahrscheinlich 1942 wurden die Baracken mit russischen Gefangenen und Zwangsarbeitern belegt.



Da es sich beim "Orscholzriegel" um eine der aufwändigsten Befestigungsanlagen des Westwalls handelte, ist anzunehmen, dass nicht nur die unmittelbar in Orscholz internierten "Ostarbeiter" zu Schanzarbeiten und Befestigungsbauten eingesetzt wurden. Genaue Angaben über Tote in Orscholz liegen nicht vor. Aufgrund verschiedener Eintragungen kann man allerdings davon ausgehen, dass bis zu 8 Kriegsgefangene bzw. Zwangsarbeiter hier den Tod gefunden haben.

Vier im Jahr 1944 verstorbene Sowjetbürger nennt die Bescher Liste für Saarhölzbach. Möglicherweise handelt es sich dabei um die Opfer einer Begebenheit, über die die Gendarmerie Mettlach folgendes berichtete: "Am 3. September 1944 kam gegen 16.30 Uhr ein Transport russischer Kriegsgefangener (ungefähr 600) von Saarburg in Richtung Merzig. Auf der Straße zwischen Saarhölzbach und Mettlach ergriffen nach Angaben der Begleitmannschaften 8 Gefangene die Flucht. Drei Gefangene wurden erschossen. Angeblich sollen noch einige in der Saar ertrunken sein, konnten aber bis jetzt noch nicht gefunden werden."

Für Mettlach selbst ist die Existenz eines Lagers für Ostarbeiterinnen im Bereich der Fabrikanlagen von Villeroy & Boch bekannt. Deren Insassen wurden im Spätjahr 1944 evakuiert, worüber schon berichtet worden ist. In den Wäldern der Gemeinde waren sowjetische Zwangsarbeiter zu Forstarbeiten eingesetzt.

< Wird fortgesetzt.