Simowskis Trumpfkarte sticht

Hart verdiente Punkte: Dank einer kämpferischen Aufholjagd drehte Oberligist HSV Merzig-Hilbringen am Samstag die drohende Heimniederlage gegen Bingen in einen 33:31-Sieg. Ein Handball-Krimi, der Fingernägel und Nerven kostete.

Samstag, 21 Uhr: Handball-Krimi-Zeit in Merzig , die Thielspark-Halle kocht. 90 Sekunden vor dem Abpfiff haben sich die etwa 300 Zuschauer von den Sitzen erhoben und feiern den Oberligisten HSV Merzig-Hilbringen. HSV-Kapitän Peter Laux, der von den Schiedsrichtern nach der dritten Zeitstrafe gerade auf die Tribüne verbannt wurde, feiert mit und schreit seine Freude heraus, als Teamkollege Lucian Scheid mit einem coolen Dreher die 32:30-Führung erzielt.

Noch gibt sich die HSG Rhein-Nahe Bingen aber nicht geschlagen. Die Gäste greifen an, scheitern jedoch zwei Mal an Andrej Kessler. Wie eine Trophäe reckt der HSV-Torwart den Ball nach seinen Paraden in die Luft, bevor David Pfiffer im folgenden Angriff auf 33:30 erhöht und alles klar macht. Das letzte Tor der Gäste zum 33:31-Endstand geht im Freudentaumel unter. Geschafft! Nach einer Handball-Achterbahnfahrt schnaubt Marcus Simowski erst einmal tief durch, dann sprudelt es aus ihm heraus. "Das war ein hartes Stück Arbeit gegen einen starken Gegner. Aber wir sind auf unserem Weg ein Stückchen weiter", sagt der HSV-Trainer, der in der 37. Minute dem Verzweifeln nahe war.

Zu diesem Zeitpunkt lag seine zu Hause unbesiegte Mannschaft mit 18:24 zurück und hatte wenig begeistern können. "Meine Spieler haben nicht ins Spiel gefunden. Die Körpersprache war gleich null", kommentiert Simowski die schwache erste Halbzeit. Im HSV-Angriff zeigten zunächst nur Sebastian Klein und Norbert Petö Torhunger. Die Abwehr attackierte Bingen zu spät und ließ Timo Heuft gewähren. "Meine Spieler wussten, dass der Junge einen Hammer hat, aber sie haben ihn werfen lassen", ärgert sich Simowski. Zur Pause lag Merzig mit 17:19 zurück, in der 37. Minute sogar mit sechs Toren. Dann stach Simowskis Trumpfkarte: Mathias Bochem, der in der ersten Halbzeit nur zugeschaut hatte, kam aufs Feld und ordnete die Abwehr neu. "Er hat Pässe unterbunden, Laufwege gestört und dem Gäste-Angriff viel Druck genommen", schwärmt Simowski.

Der HSV startete die Aufholjagd. In der 45. Minute erzielte Rechtsaußen Laszlo Kincses den Ausgleich (24:24). Aber erst als Spielmacher Thomas Kochann in dem jetzt hochklassigen Duell zum 31:29 (56. Minute) traf, geriet Merzig auf Sieg-Kurs. In der Tabelle kletterte der HSV auf Rang vier. Der Rückstand auf Spitzenreiter VTV Mundenheim beträgt einen Punkt.

Die Tore für den HSV Merzig-Hilbringen erzielten Sebastian Klein (7/1), Thomas Kochann (6/2), Norbert Petö (5), Laszlo Kincses (5), Peter Laux, Marius Merziger, Lars Pfiffer, Tom Paetow (je 2), David Pfiffer, Lucian Scheid (je 1).