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Simon Asmelash aus Eritrea hat sich in Merzig ein neues Leben aufgebaut

Kostenpflichtiger Inhalt: Integration in Merzig : Vom Flüchtling zum Bäckergesellen

Vor fünf Jahren ist Simon Asmelash als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Jetzt hat er seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.

Es ist 10 Uhr morgens in der Bäckerei Andreas Marxen in Merzig. Simon Asmelash hat nun Feierabend. Der 27 Jahre alte Eritreer trägt eine weiße Bäckermütze auf dem Kopf und ein weißes T-Shirt mit dem Logo der Bäckerei über der weißen Backschürze. Als er die Backstube in der Trierer Straße 65 verlässt, läuft ihm Helmut Marxen über den Weg. Dass Asmelash heute als Bäckergeselle in Festanstellung arbeitet, hat er nicht zuletzt auch dem 76 Jahre alten Bäckermeister zu verdanken.

Um das besondere Verhältnis zwischen Simon Asmelash und Helmut Marxen zu verstehen, ist ein Blick zurück auf das Jahr 2015 hilfreich. Damals waren hunderttausende Flüchtlinge in Deutschland eingetroffen – darunter auch Asmelash. Nach seiner Ankunft in Merzig bezog er eine Mietwohnung bei Helmut Marxen am Kirchplatz. Dort befindet sich eine Filiale der Bäckerei Marxen, in deren Obergeschoss Asmelash lebte. Der Bäckergeselle aus Eritrea sagt heute über seine ersten Monate in der Kreisstadt: „Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten mit der Sprache. Aber die Familie Marxen hat mir bei der Eingewöhnung geholfen.“

Die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit, denn sein damaliger Vermieter Helmut Marxen stellte im Laufe der Zeit eine handwerkliche Begabung bei Asmelash fest: „Er hat bei Kleinigkeiten von sich aus geholfen. Wir haben gemerkt, dass er geschickt ist.“ Mit „wir“ meint Helmut Marxen seine Familie, die in Merzig mehrere Bäckereien betreibt. Von den handwerklichen Fähigkeiten seines Mieters überzeugt, machte Helmut Marxen seinen Sohn Andreas auf den potenziellen Lehrling aufmerksam. Asmelash, der in seiner Heimat Eritrea als Sanitäter gearbeitet hatte, erhielt darauf hin ein Angebot zur Ausbildung bei der Bäckerei Andreas Marxen.

Im Jahr 2017 begann dann Asmelash mit seiner Ausbildung zum Bäckergesellen. Dabei bestanden anfangs noch sprachliche Barrieren. Zwar hatte er vor dem Start der Bäckerlehre einen Deutsch-Kurs absolviert. Aber das Vokabular, das dort vermittelt wurde, unterschied sich nach seinen Worten grundlegend von den Begriffen, die er in der Backstube benötigte. Sein Chef Andreas Marxen stand ihm in dieser Zeit mit Rat und Tat zur Seite, wie Asmelash im Rückblick berichtet: „Er ist sehr hilfsbereit. Am Anfang der Ausbildung und in der Schule hat er mir viel geholfen.“ Durch den täglichen Umgang mit den Arbeitskollegen in der Backstube konnte Asmelash schließlich seine Deutschkenntnisse erheblich verbessern.

Vor kurzem hat er seine Ausbildung zum Bäckergesellen erfolgreich abgeschlossen. Für den praktischen Teil der Ausbildung erhielt er die Note drei, seine theoretischen Leistungen wurden von den Prüfern sogar als gut bewertet. Nun freut sich Asmelash über eine Festanstellung bei der Bäckerei Andreas Marxen – zusammen mit seinem Bruder Fesha, der seit einem Jahr ebenfalls dort arbeitet.

Die Familie Asmelash ist in Merzig nicht nur in beruflicher Hinsicht heimisch geworden. Simon Asmelash lebt seit nunmehr neun Monaten mit Frau und Kindern in einer Wohnung im Pfarrhaus der Kirche St. Josef. Die Familie Marxen hatte sich zuvor beim Pastor für ihn eingesetzt. Über die Menschen in der Kreisstadt hat Asmelash nur Gutes zu berichten: „Mir gefällt es sehr gut im Saarland. Die Menschen sind nett und hilfreich.“ Mit einer abgeschlossenen Ausbildung und einer Festanstellung im Gepäck kann er mit Zuversicht in die Zukunft blicken.