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SERIE NINAS JAHR IN AMERIKA – TEIL 3

Merzig : Unvergessen: Weihnachtsfete im Schlafanzug

Statt im heimischen Losheim verbringt die 16-jährige Schülerin Nina Terwort fast ein Jahr lang in den USA. Ihr zehntes Schuljahr absolviert sie nämlich im Bundesstaat Indiana in einer familiären Highschool. Von dort berichtete sie in der SZ regelmäßig über ihre Eindrücke.

Mittlerweile ist nicht nur die Hälfte meines amerikanischen Schuljahres hier vorbei, sondern auch schon die Hälfte meines kompletten Aufenthaltes. Es ist schon merkwürdig, mitzuerleben, wie andere Austauschschüler sich von Ihren neuen Freunden, Familien und ihrem neuen „Zuhause“ verabschieden, um die Heimreise nach Deutschland, Brasilien oder gar China, anzutreten. Für mich persönlich wäre das zurzeit überhaupt nicht vorstellbar. Gerade momentan fange ich an, erstmal alles um mich herum zu realisieren und den täglichen Schulbesuch in einer amerikanischen Highschool als normal zu empfinden.

Neben den Freundschaften, die von Tag zu Tag vertrauter werden, hat sich auch mein Alltag mittlerweile gut eingespielt. An diesem Punkt angekommen, kann ich wirklich davon sprechen, das Gefühl zu haben, hier heimisch zu sein. Meine ersten Festtage – wie Thanksgiving – sind genauso typisch amerikanisch verlaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Familienmitglieder, die zum Teil drei Stunden entfernt wohnen, kamen angereist, um alle zusammen mit Truthahn und „pumpkin pie“ (Kürbiskuchen) zu feiern. Thanksgiving bedeutet auch hier, bei einem oder mehreren Festmahlen die Dankbarkeit auszudrücken für die Dinge, die wir besitzen und nicht für jeden selbstverständlich sind.

Außerdem hatte mich ein Freund namens Austin zu sich und seiner Familie eingeladen, und so konnte ich noch mehr Eindrücke von dem schönen Fest zu gewinnen. Gleich am Tag danach findet der berühmte Black Friday statt. Die Amerikaner lieben es, sich ins Getümmel zu stürzen und an diesem Tag schon Ihre Weihnachtsgeschenke und günstige Schnäppchen zu ergattern. Generell unternehme ich hier eine Menge, und für Langeweile ist fast keine Zeit.

Ob es mit Freunden zum Rollschuhlaufen, mit der Familie zum Zirkus oder zum Cheerleaden geht, es ist immer etwas los. Super ist natürlich der Führerschein mit 16. So sind Jugendliche in Amerika absolut flexibel, und ein Auto steht fast allen zur Verfügung. Ein anderes großes Event, auf das sich besonders die Mädchen das ganze Jahr über freuen, ist der sogenannte Snowball Dance. Dieses Jahr fiel der Termin auf den 15. Dezember. Alle, die ich kenne, freuten sich tierisch, den Abend zusammen in schicken Kleidern, mit viel Musik und Tanz zu verbringen. Schon Wochen vorher begannen die Vorbereitungen. Ein Kleid, eine Begleitung beziehungsweise eine Gruppe sowie Reservierungen im Restaurant mussten organisiert werden. Ein Nagel- sowie Sonnenstudiobesuch ist für viele Mädels hier ein „must have“ – ein Muss. Ehrlich gesagt war ich sehr überrascht, wie normal es hier für die meisten amerikanischen Mädchen ist in meinem Alter, ein Sonnenstudio zu besuchen.

Am Morgen des langersehnten Events ging es für meine Gastschwester, Bruder und mich zum Frisör, und die Vorfreude stieg mit jeder Minute. Schön herausgeputzt und gut gelaunt ging es am Abend los mit einem Restaurantbesuch, bevor sich alle in der Schule trafen, um gemeinsam eine tolle Party zu feiern.

Nach einem außergewöhnlichen und gelungenen Tag ging es nach Hause, und ich fiel müde und happy in mein Bett. Schon beim Homecoming hatte ich eine tolle Zeit, und diese Art von Veranstaltungen werde ich sicherlich vermissen, wenn ich zurück in Deutschland bin.

Der Dezember war vollgepackt mit Unternehmungen, und so konnte sich auch das Heimweh nicht breit machen. Es stand Weihnachten vor der Tür, und das war in diesem Jahr anders als ich es gewohnt bin. Zum Beispiel ist der hauptsächliche Weihnachtstag am 25.Dezember. Da man jedoch mehr Familien hat, mit denen man feiern möchte, starten viele Familien am 24. So auch ich.

Am Tag des Heilig Abends waren meine Gastschwester Hailey und ich bei Haileys Freund Michael zu einer Weihnachtsfeier unter dem Motto „Schlafanzug“ eingeladen. Nachdem sich alle Gäste tatsächlich in witzigen Schlafanzügen versammelt hatten, gab es ein schönes Essen. Ein Schlafanzug hatte einen tanzenden Jesus als Motiv mit der Beschreibung „Go Jesus, it is your birthday!“ Wir spielten Karten, und eine Bescherung gab es auch, die mich ein wenig ans Wichteln in der Schule erinnerte.

Es ist einfach unglaublich, jedes Mal aufs Neue zu erleben, wie mich die Menschen hier behandeln und einbeziehen als wäre ich ein Familienmitglied, und das sehe ich definitiv nicht als selbstverständlich an. Genauso herzlich und willkommen fühlte ich mich beim anschließenden Weihnachtsfest mit meiner Familie und den Eltern meines Gastvaters.

Diesen besonderen Weihnachtstag im Schlafanzug werde ich wohl nie vergessen. Am nächsten Morgen stand dann die traditionelle Bescherung mit meiner Gastfamilie in meinem Hause auf Zeit an. Von jung zu alt werden nach der Reihe Geschenke ausgepackt. Nach dieser Feier ging es für mich dann auch schon wieder zum nächsten Weihnachtsessen zur Familie von Austin, bei denen ich auch an Thanksgiving mitfeiern durfte.

Auch diese Menschen habe ich schon sehr ins Herz geschlossen, und die erneute Einladung von ihnen bedeutet mir wirklich eine Menge. Meine in der Schule selbst gemachten Tassen und Schüsseln, welche ich zu Weihnachten verschenkte, kamen bei jedem super an. Den offiziell letzten Weihnachtstag in Amerika schloss ich ab mit einem erneuten Zusammenkommen mit meiner Gastfamilie und deren Freunde in meinem Gastzuhause ab. Wir hatten eine Menge Spaß und lachten.

Auch wenn offiziell Weihnachten dann auch schon vorbei war, stand noch das nachträgliche Weihnachtsfest im drei Stunden entfernten Missouri mit der Familie meiner Gastmutter an. Aber auch dieses wurde mit Essen, Zusammensitzen mit den Lieben und Bescherung verbracht. Alles in allem kann man jedoch wirklich sagen, dass die amerikanische Prozedur an Weihnachten sehr ähnlich mit der deutschen ist.

Der Ablauf ist nahezu derselbe, und auch hier geht es den meisten darum, die Zeit mit seinen Liebsten zu verbringen und zusammen zu feiern. Natürlich war es für mich aufregend und definitiv anders und ungewohnt, von meiner Familie getrennt und soweit entfernt zu sein. Telefonieren ist nun mal einfach nicht dasselbe. Aber dieses Weihnachten hat mir eine tolle Chance geboten, noch einmal mehr über die Kultur kennenzulernen und vor allem in so viele verschiedene Familien reinzuschnuppern.

Ich wurde von jedem sehr herzlich aufgenommen, und Gastfreundschaft ist hier kein Fremdwort. Im Gegenteil, beim Austausch mit anderen wurden mir viele Fragen gestellt, wie Weihnachten in Deutschland aussehen würde, und so hatte ich eine spannende Woche und bin wirklich dankbar für all die lieben Menschen hier um mich herum.

Die Möglichkeit, auch Feiertage in anderen Kulturen kennenzulernen ist meiner Meinung was Besonderes. Ich bin es ja schließlich einfach gewohnt, vor allem Feiertage mit meiner Familie zu Hause in Deutschland zu verbringen.

Ein bisschen anders sieht es bei mir jedoch mit Silvester aus, was ich eigentlich schon immer gerne bei Freunden verbracht habe. Zum Abschluss eines unfassbar aufregenden Jahres verbrachte ich diese Nacht bei Freunden, um mit ihnen auf ein mindestens genauso gutes 2019 anzustoßen. Wenn ich jetzt auf die erste Hälfte meines Aufenthalts zurückblicke, bin ich definitiv auch etwas stolz auf mich und was ich so geleistet habe.

Natürlich ist es nicht immer leicht, und man hat auch vielleicht mit Heimweh, Missverständnissen aufgrund der Sprache, und Umstellungen der Kultur zu tun. Aber ich kann mit Überzeugung sagen, dass ich damit zum Glück noch nicht viel zutun hatte.

So habe ich zum Beispiel einmal nach den Cups (Bechern) gefragt und mein Gegenüber ist panisch geworden, weil er dachte, ich rede über „Cops“ (Polizei). Jedoch endete so etwas immer in einem Lacher und sorgte für Unterhaltung. Auch Witze über meinen Akzent gehören dazu, doch auch das ist hier ein Teil von mir und macht mich auch irgendwie aus. In diesem Sinne: auf ein aufregendes und frohes neues Jahr!