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Serie „Merzig in Marken“: H wie Holzmeister, Weltarchitekt in Merchingen

Serie „Merzig in Marken“ - H : Holzmeister – Weltarchitekt in Merchingen

In unserer Serie „Merzig in Marken“ erzählt der Wahl-Merziger und Briefmarkensammler Thomas Holkenbrink Geschichten von A bis Z über die Kreisstadt. In diesem Teil geht es um einen Weltarchitekten, der vor fast 100 Jahren seine Spuren in Merchingen hinterlassen hat: Holzmeister.

Holzmeister, ein Weltarchitekt, kommt nach Merchingen. Kunstgespür für neue Wege braucht es, um diesen Architekten zu wählen. Selbstbewusstsein, um einen Entwurf von ihm zu erwarten. Und Gottvertrauen, um sich bei leeren Kassen auf ein solches Projekt einzulassen.

Wir sind im Jahr 1928. Die 830-Seelen-Gemeinde St. Agatha in Merchingen und der Wiener Weltarchitekt Clemens Holzmeister finden zueinander. Gemeinsam sorgen sie für ein völlig überraschendes Highlight der Kirchenarchitektur. Ihr Kirchenneubau verlässt die brüchig gewordenen Schnörkelpfade des Historismus. Holzmeister entwirft stattdessen ein Gotteshaus hinein in den Alltag der Menschen. Auf kreuzförmigem Grundriss entsteht ein Bauwerk mit unverputzter Betonfassade, das sich als „schlichte Dominante“ einfügt in das bäuerliche Dorfbild. Die Portalseite der Kirche und die niedrigen Anbauten auf beiden Seiten bilden eine durchgehende Zeile. Sie entsteht in visueller Einladungskonkordanz mit den ausgebreiteten Armen des Gekreuzigten über dem Kircheneingang. Beim Eintritt in das Scheunen-ähnliche Innere der Kirche richtet sich der Blick hin zu der im Nordturm herunter strömenden Helligkeit. Nicht sichtbare Fenster im oberen Turmbereich lenken indirekt Licht hinunter zum Altar. Die dunkle Kreuzigungsgruppe an der Balustrade erfährt im Kontrast zum hellen Hintergrund ihre besondere Gewichtung. Wenige Jahre später erstellt Clemens Holzmeister auch die Entwürfe für den Umbau, beziehungsweise Neubau der Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Brotdorf.

Die österreichische Post widmete Clemens Holzmeister im Jahr 1986 anlässlich seines 100. Geburtstages eine Porträt-Briefmarke. Sie zeigt ihn vor dem Großen Festspielhaus in Salzburg, einem der bekanntesten Entwürfe des berühmten Architekten.

Alle Teile von „Merzig in Marken“:

www.saarbruecker-zeitung.de/merzig-in-marken