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Serie „Merzig in Marken“: E wie Europa bei Steine an der Grenze

Serie „Merzig in Marken“ - E : Europa bestaunen bei den Steinen an der Grenze

Europa lebt, wenn es erlebbar ist. Merzig bietet gute Chancen dazu. Ein Spaziergang auf dem Skulpturenweg Steine an der Grenze mit nicht-europäischen Gästen macht dies schnell deutlich. Er wird zu einem überraschenden Aha-Erlebnis für Auswärtige wie auch für Einheimische.

Bereits nach wenigen Gehminuten taucht die Frage nach der konkreten Grenze zwischen Frankreich und Deutschland auf. Wenn der Gastgeber sie mit dem dezenten Hinweis auf den zwischenzeitlich bereits mehrfach erfolgten Grenzübertritt beantwortet und zugleich die fehlende Kenntnis der nationalen Zugehörigkeit des augenblicklichen Standorts eingesteht, beginnt bei den Besuchern ein ungläubiges Bestaunen einer bisher nicht für möglich gehaltenen Wirklichkeit, was wiederum bei den jungen Einheimischen ein Staunen über das Bestaunen auslöst. Die Spaziergänger stehen im offenen Europa: für die einen das konkrete Erlebnis des zuvor Unvorstellbaren, für die anderen die schon lange kaum mehr hinterfragte vermeintliche Selbstverständlichkeit, deren außergewöhnlichen Charakter sie erst wieder wahrnehmen durch das auswärtige Bestaunen. In einer Gegend, in der vor wenigen Jahrzehnten Geschütze des Besseringer B-Werks gen Westen und der Ouvrage nach Hackenberg gen Osten ausgerichtet wurden, leben heute die Menschen in freundschaftlich friedlicher Nachbarschaft. So, als sei dies schon immer so gewesen. Das offizielle Europa manifestiert sich in den europäischen Institutionen in Straßburg, Brüssel und Luxemburg. Es gründet rechtlich auf den Verträgen von Rom, Maastricht, Lissabon und Schengen. Das tagtägliche Europa lebt in den Köpfen und Herzen seiner Menschen.

Die deutsche Europa-Briefmarke von 1995 spricht von „Aufbruch nach Europa“ und zeigt die Flagge der EU, die symbolisch für die Einheit und Identität Europas steht.