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Heimatkunde
Schulgeschichte auf dem Bietzerberg

Uwe Jockers hat das Buch „300 Jahre Schulgeschichte auf dem Bietzerberg“ geschrieben.
Uwe Jockers hat das Buch „300 Jahre Schulgeschichte auf dem Bietzerberg“ geschrieben. FOTO: Jana Bohlmann
Über 300 Jahre Tradition in der Wissensvermittlung hat Uwe Jockers jetzt ein spannendes Buch geschrieben.

Im Jahr 2008 endete mit der Schließung der Bietzener Grundschule eine 300 Jahre alte Dorfschultradition auf dem Bietzerberg. Uwe Jockers aus Bietzen hat es sich zum Ziel gesetzt diese spannende Zeit zu dokumentieren und hat nun das Buch „300 Jahre Schulgeschichte auf dem Bietzerberg“ veröffentlicht.



Wie sind Sie auf die Idee gekommen ein Buch über die Schulgeschichte auf dem Bietzerberg zu schreiben?

Uwe Jockers: Eigentlich fing alles damit an, dass ich bei dem Buch „Dokumentation Bietzerberg 2002“, welches zur 1050 Jahrfeier erschien, mitgewirkt habe. Ich sollte mich um die Schulgeschichte kümmern, obwohl ich damit ja nichts zu tun hatte. Ich war ja kein Lehrer, aber niemand anderes wollte dieses Thema bearbeiten, also musste ich ran. In der Dokumentation konnte ich nur einen Bruchteil der Schulgeschichte und der gefundenen Unterlagen vorstellen. Seitdem hat mich das Thema nicht mehr losgelassen.  

Wie ging es weiter?

Jockers: Als vor mehr als zehn Jahren viele Schulen im Saarland geschlossen wurden, unter anderem eben auch auf dem Bietzerberg, dachte ich, dass es das doch nicht gewesen sein kann. Ich wusste schließlich, dass wir hier 300 Jahre Schulgeschichte hatten. Ich wollte unbedingt was machen. Zuerst habe ich eine Fotoausstellung in der Grundschule direkt nach der Schließung gemacht. Der Heimatverein hat mich bei dieser Arbeit unterstützt. Auch die Besucher haben einen großen Teil dazu beigetragen, denn sie konnten zum Beispiel Namen ergänzen, die mir nicht bekannt waren. Danach sind auch viele Leute mit noch mehr Material auf mich zugekommen. Ich hatte schließlich so viele Informationen zusammen, dass ich gesagt habe, okay, ich mache ein Buch daraus.

Was war Ihre Motivation dabei?

Jockers: Die freiwilligen Mitglieder der Feuerwehr, des Gesangvereins und des Musikvereins opfern alle ihre Freizeit, um zu gewährleisten, dass wir hier auf dem Bietzerberg sicher sind und unterhalten werden. Sie alle tragen etwas zur Gemeinschaft bei und diese Aufarbeitung der Schulgeschichte in Form eines Buches ist mein Beitrag zu dieser Gemeinschaft.

In welchem Zeitraum haben Sie das Buch geschrieben?

Jockers: Die Stunden, an denen ich an dem Buch gearbeitet habe, kann man nicht aufzählen. Angefangen habe ich für das Buch „Dokumentation Bietzerberg 2002“ und danach ging es bis zur Fertigstellung weiter. Es war mir wirklich eine Herzensangelegenheit.

Warum war und ist es so wichtig für Sie die Schulgeschichte auf dem Bietzerberg zu dokumentieren?

Jockers: Seit 1695 gibt es Schulen auf dem Bietzerberg. Das kann ich durch einen Eintrag in einem Kirchenbuch belegen. Eine solche lange Geschichte sollte man erhalten. In meiner Arbeit habe ich gemerkt, dass ich dafür auch schon etwas spät dran bin. Bei den ganz alten Klassenfotos zum Beispiel fehlen mir sehr viele Namen, weil selbst die Hinterbliebenen verstorben sind. Viele Unterlagen sind deswegen auch nicht mehr erhalten. Dadurch geht ein Teil der Geschichte verloren. Außerdem finde ich, dass die Bietzerberger stolz sein können, dass hier schon so früh Schule gemacht wurde.

Wie sind Sie an diese aufwändige Arbeit rangegangen? Was waren die Quellen?

Jockers: Zunächst einmal habe ich alte Klassenbilder gesammelt. Ich habe in meinem Verwandten- und Bekanntenkreis nachgefragt und bin so an immer wieder neue Leute verwiesen worden, die noch alte Dokumente hatte oder mir mehr von dieser Zeit erzählen konnten. Schwierig war es, wenn es um die Namen ging. Ich habe mir die einzelnen Namen immer von zwei verschiedenen Quellen bestätigen lassen, um die Richtigkeit zu gewährleisten. Aber gerade bei den ganz alten Fotos sind im Buch immer noch Lücken. Danach habe ich mich an die Texte gewagt. Mir war es wichtig kein reines Bilderbuch zu machen, denn mein Anliegen war es auch Hintergründe zu geben. Ich war oft im Landesarchiv in Koblenz und habe mich dort durch die entsprechenden Unterlagen gearbeitet. Diese Dokumente habe ich selbst ausgewertet und die Texte geschrieben. Ich habe versucht mithilfe all dieser Quellen, die Geschehnisse dieser 300 Jahre zu rekonstruieren.

Was hat sich bei der Recherche alles offenbart?

Jockers: Bevor ich angefangen habe, mich damit zu beschäftigen, hätte ich nie gedacht, dass wir wirklich 300 Jahre Schulen auf dem Bietzerberg hatten. Bei meiner Recherche habe ich auch sehr viel über die NS-Zeit herausgefunden. Das war ein schwieriges Thema  und ich wusste nicht, ob ich die Unterlagen so verwenden konnte, wie ich sie vorgefunden habe. Da muss man sehr vorsichtig sein. Besonders dann, wenn noch Nachkommen dieser Personen leben. Ich habe aber auch erfreuliche Dinge herausgefunden. Es gab mal eine Lehrerin hier, die keinen guten Ruf hatte und auch Mitglied der NSDAP war. Nach dem Krieg hat diese Dame drei Jahre ohne Bezahlung und auch ohne Anweisung die Schule hier wieder in Gang gesetzt. So etwas finde ich wirklich toll.

Was dürfen die Besucher von Ihrer Lesung erwarten?

Jockers: Ich habe bestimmte Texte ausgewählt, die ich vorlesen werde. Danach wird es noch eine Diskussionsrunde geben und einen kleinen Umtrunk. Natürlich werde ich für Fragen zur Verfügung stehen.

Die Fragen stellte Jana Bohlmann.