Schüler beschäftigen sich mit Exil, Heimatverlust und Fremdheit

Schüler beschäftigen sich mit Exil, Heimatverlust und Fremdheit

Exillyrik stand auf dem Stundenplan der Oberstufenschüler des Merziger Peter-Wust-Gymnasiums. Einen etwas anderen Deutsch-Unterricht erlebten sie beim Besuch von zwei Schauspielern des Theaters Überzwerg.

"Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab: Emigranten. Das heißt doch Auswanderer. Aber wir wanderten doch nicht aus, nach freiem Entschluss wählend ein anderes Land": Mit diesen Zeilen beschrieb der Schriftsteller Bertolt Brecht im Jahre 1937 seine Eindrücke vom Leben im Exil . Im schulischen Umgang mit solchen Gedichten steht oftmals die Analyse und bisweilen kleinschrittige Interpretation im Vordergrund.

Dass lyrische Texte auch anders wahrgenommen werden können, wurde den Oberstufenschülern des Merziger Peter-Wust-Gymnasiums kürzlich von den Schauspielern Eva Coenen und Nicolas Bertholet vom Theater Überzwerg demonstriert. Im Musiksaal der Schule lasen die beiden für die Deutschkurse der Oberstufe Gedichte zu den Themen Exil , Heimatverlust und Fremdheit. Während ihrer zweistündigen Lesung mit anschließender Diskussion zeigten sie, dass gerade Gedichte das gesprochene Wort zur vollen Entfaltung brauchen.

Für die Schüler war es eine willkommene Abwechslung zum traditionellen Prüfungstraining im Umgang mit Lyrik. Denn die Rezitationsveranstaltung machte Lust, sich intensiver auf die unterschiedlichen Facetten des Themas Exil und Flucht einzulassen. Die Schüler waren durch den bewussten Vortrag von rund 20 klassischen wie modernen Exilgedichten von namhaften Dichtern wie Rose Ausländer , Theodor Kramer , Adolf Unger, Hertha Müller oder Hilde Domin sichtlich beeindruckt.

In vielen Exilgedichten werden Isolation, Ängste und Verzweiflung deutlich, aber auch Lebenslust und Hoffnung auf eine Veränderung der fluchtauslösenden Ursachen.

Die Rezitation der beiden Schauspieler bezog auch aktuelle Gedichte mit ein, die von Autoren aus Syrien, China oder Sri Lanka stammen. Besonders beeindruckte das Gedicht "Flüchtling" des algerischen Autors Hamid Skif, dessen nüchterne Erkenntnis die Diskussionsrunde einleitete: "Der Fremde ist ein Mensch, der vorübergeht".

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