| 20:16 Uhr

„Erlebnis Exillyrik“ – Abiturvorbereitung am PWG einmal anders
Schauspieler halfen Gymnasiasten bei der Abiturvorbereitung

Merzig. Der professionelle Vortrag von Gedichten um Exil und Flucht lehrte Oberstufenschüler des Merziger Peter-Wust-Gymnasiums mehr über die Lyrik.

Der Schriftsteller Bertolt Brecht beschrieb im Jahre 1937 seine Eindrücke vom Leben im Exil mit folgenden Worten: „Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab: Emigranten. Das heißt doch Auswanderer. Aber wir wanderten doch nicht aus, nach freiem Entschluss wählend ein anderes Land.“ Im schulischen Umgang mit Gedichten zur Exilthematik steht oftmals die Analyse und bisweilen kleinschrittige Interpretation im Vordergrund.


Dass lyrische Texte auch anders wahrgenommen werden können, demonstrierten vor den Osterferien die Schauspieler Eva Coenen und Nicolas Bertholet vom Theater Überzwerg den Oberstufenschülern des Peter-Wust-Gymnasiums in Merzig. Im Musiksaal der Schule lasen die beiden für die Deutschkurse der Oberstufe Gedichte zum Thema Exil, Heimatverlust und Fremdheit. Während ihrer zweistündigen Lesung mit Diskussion zeigten sie, dass Gedichte, besonders als Teil der Abiturlektüre, erst dann, wenn sie vorgelesen werden, ihre volle Wirkung entfalten können.

Für die Oberstufenschüler war die Veranstaltung eine willkommene Abwechslung zum normalen Prüfungstraining im Umgang mit Lyrik. Denn die Rezitationsveranstaltung machte den Jugendlichen Lust, sich intensiver auf die Aspekte des Themas Exil und Flucht einzulassen. Die Schüler waren durch den Vortrag von rund zwanzig klassischen wie modernen Exilgedichten von namhaften Dichtern wie Rose Ausländer, Theodor Kramer, Adolf Unger, Hertha Müller oder Hilde Domin sichtlich beeindruckt, wie die anschließende Diskussionsrunde zeigte. In vielen Exilgedichten werden Erfahrungen von Isolation, Ängsten und Verzweiflung deutlich, aber auch von Lebenslust und Hoffnung auf eine Veränderung der fluchtauslösenden Ursachen. Die Rezitation der beiden Schauspieler bezog auch aktuelle Gedichte mit ein, die von Autoren aus Syrien, Ägypten, China oder Sri Lanka stammen. Besonders beeindruckte das Gedicht „Flüchtling“ des algerischen Autors Hamid Skif, dessen nüchterne Erkenntnis die anschließende Diskussionsrunde einleitete: „Der Fremde ist ein Mensch, der vorübergeht.“

Unterstützt wurde die Veranstaltung am Peter-Wust-Gymnasium vom Friedrich-Bödecker-Kreis Saar, der sich für die Leseförderung der jungen Generation engagiert.

(tth)