Röntgenpraxis auf vier Rädern

Im Zuge der Kampagne zur Früherkennung von Brustkrebs ist das „Mammobil“, eine mobile Röntgenpraxis, unterwegs. In dem mit allen erforderlichen medizinischen Geräten ausgestatteten Bus wird das Screening durchgeführt.

Ein großer silberner Bus mit auffälligem rosa-pinkem Logo ist auf dem großen Platz neben der Stadthalle geparkt - das "Mammobil" macht zurzeit Halt in Merzig . Die rollende Röntgenpraxis gehört zum deutschen Mammographie-Screening-Programm zur Früherkennung von Brustkrebs . Warum die Röntgenfachkräfte mobil in einem Bus agieren? Die Antwort liegt auf der Hand, erläutert einer der beiden Programmverantwortlichen Ärzte im Saarland, Dr. Erich Keller vom Mammographie-Zentrum in Saarlouis: "Alle Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren haben alle zwei Jahre Anspruch auf eine Mammographie-Untersuchung. Mit der mobilen Einheit ersparen wir den Betroffenen weite Fahrten." Das 2002 von der Bundesregierung beschlossene Programm wird von den Krankenkassen getragen und sieht eine mobile Screening-Einheit pro eine Million Einwohner vor. "Im Saarland gibt es also eine Einheit, die ganzjährig je nach Bedarf, verschiedene Städte wie Merzig , St. Ingbert, St. Wendel oder Homburg anfährt", sagt Keller. Nach dem Beschluss sei das Saarland 2007 eines der ersten Bundesländer gewesen, das das Programm eingeführt habe.

Für Frauen ab 50 Jahren

Erfasst werden die Frauen über das Einwohnermeldeamt. Da das Krebsrisiko mit zunehmendem Alter steigt, erhalten alle Frauen ab dem 50. Lebensjahr eine Einladung zu ihrer ersten Mammographie . Sie können dann jederzeit einen Termin zur Beratung vereinbaren. "Ob jemand am Programm teilnehmen möchte oder nicht, bleibt dann jedem selbst überlassen", sagt der Gynäkologe mit über 30 Jahren Berufserfahrung: "Brustkrebs ist allerdings die häufigste Krebsart bei Frauen . Jede achte bis zehnte Frau ist im Laufe ihres Lebens mit Brustkrebs konfrontiert. Dabei ist die Tumorgröße entscheidend für die Mortalität. Je früher man ihn also erkennt, desto besser stehen die Heilungschancen", betont Keller. "Wenn der Tumor tastbar ist, umfasst er oft schon zwei Zentimeter oder mehr."

In der mobilen Einheit arbeiten drei wechselnde Röntgenfachkräfte. Beim Screening durchleuchten sie die Brust aus verschiedenen Winkeln. Dafür wird diese zunächst so flach wie möglich zwischen zwei strahlendurchlässigen Kunststoffscheiben zusammengedrückt: "Das kann unangenehm sein, ist aber wichtig für eine gute Bildqualität und um die Strahlung so gering wie möglich zu halten. Sobald das Bild ausgelöst wurde, fährt das Gerät automatisch zurück. Dadurch beschränkt sich die Kompressur auf wenige Sekunden."

Geringe Strahlenbelastung

Wer Bedenken wegen der Strahlenbelastung hat, den kann Dr. Keller beruhigen: "Dank der modernen Geräte ist die Strahlenbelastung sehr gering. Eine regelmäßig fliegende Stewardess ist durch Höhenstrahlung einer stärkeren Belastung ausgesetzt. Außerdem werden unsere Geräte jeden Morgen von einem Diplom-Physiker überprüft. Erst danach bekommen wir die Betriebserlaubnis für den jeweiligen Tag." Die Kontrollen seien streng, damit kein größerer Schaden als Nutzen entstehe.

Zwei Ärzte begutachten die Aufnahmen anschließend. Auffällige Befunde beraten sie mit einem weiteren Spezialisten. Auf den schwarz-weißen Bildern, die Dr. Keller am Computer betrachtet, kann sich Brustkrebs in verschiedenen Formen zeigen: "Mikrokalk nennt man es beispielsweise, wenn auf der Aufnahme kleine weiße Flecken zu erkennen sind, Herd, wenn das Röntgenbild einen größeren dunklen Fleck zeigt."

Brustkrebs könne in vielen verschiedenen Formen auftreten. So könne auch die architektonische Struktur der Brust verändert sein. Zeigt sich eine Auffälligkeit, werden die Frauen zum zentralen Mammographie-Zentrum nach Saarlouis eingeladen. Dort werden weitere Untersuchungen gemacht, um den Krebsverdacht zu bestätigen oder auszuschließen. "Wir versuchen die Termine so zeitnah wie möglich binnen weniger Tage zu legen, um langes ungewisses Warten zu vermeiden", sagt Keller. Außerdem sollte sich im Falle einer Krebserkrankung die Therapie in den zuständigen zertifizierten Brustzentren nahtlos anschließen.

Durch das Screening-Programm, das laut einer Befragung der Bundesregierung gut von den Frauen angenommen werde, werden allerdings auch Tumore entdeckt, die sich nie zu einer Bedrohung entwickelt und nie Probleme gemacht hätten. Von solchen so genannten Überdiagnosen betroffen sind laut Statistik des Gemeinsamen Bundesausschusses zirka fünf von 1000 Frauen , die zehn Jahre lang am Mammographie-Programm teilnehmen.

Jede entscheidet selbst

"So wirklich feststellen kann man das aber nicht", sagt Dr. Keller im Gespräch mit der SZ. "Man weiß ja letztendlich nicht, welcher der Tumore wirklich nicht bedrohlich geworden wäre. Ein Tumor kann jahrelang unverändert bleiben, und dann innerhalb kurzer Zeit sehr aggressiv wachsen. Meiner Meinung nach kann man besser schlafen, wenn man weiß, dass der Tumor weg ist. Aber auch diese Entscheidung bleibt jedem selbst überlassen."

Zum Thema:

Auf einen Blick Etwa 970 von 1000 untersuchten Frauen erhalten nach der Mammographie einen unauffälligen Befund. Etwa 30 von 1000 Frauen erhalten einen auffälligen Befund und einen Termin für weitere Untersuchungen. Bei 24 der 30 Frauen mit auffälligem Befund stellt sich der Verdacht als falsch heraus. Bei sechs Frauen allerdings bestätigt sich der Verdacht. Bei den Heilungschancen kommt es vor allem darauf an, wie weit der Krebs fortgeschritten ist. Bei etwa fünf von sechs Frauen mit Brustkrebs-Diagnose wird ein bösartiger Tumor festgestellt. Ohne Behandlung breitet sich dieser oft im Körper aus. Den meisten Frauen wird dann eine Operation empfohlen. Dabei werden der Tumor und das umliegende Gewebe oder die gesamte Brust entfernt. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind je nach Diagnose: Bestrahlung, Hormon- und Chemotherapie. Bei etwa einer von sechs Frauen mit Brustkrebs- Diagnose wird eine so genannte Duktales Carcinoma in Situ (DCIS) gefunden. Dabei handelt es sich um eine Veränderung der Zellen in den Milchgängen. Da es sich nicht vorhersagen lässt, ob das DCIS harmlos bleibt, oder sich zu einem lebensbedrohlichen Tumor entwickelt, wird in der Regel zur Behandlung geraten. nid

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