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Revolution markiert Wendepunkt des Krieges im Osten

Revolution markiert Wendepunkt des Krieges im Osten

Kein Thema bewegt seit längerer Zeit die Gemüter im Land so sehr wie die durch die Flüchtlingskrise bedingte Masseneinwanderung nach Deutschland. In dieser Serie soll die Zuwanderung in die Merziger Region während der vergangenen 200 Jahre auch als eine Geschichte der auf vielfache Weise stattgefundenen Begegnung mit dem Fremden dargestellt werden.

In der vorstehenden Meldung wird auf die Vorgänge, die sich zu diesem Zeitpunkt in Russland abspielten, eingegangen. Bereits am 8. März 1917 hatten sich in St. Petersburg mit dem Zarenregime unzufriedene und des Krieges überdrüssige Untertanen erhoben. Soldaten der Garnison hatten sich diesen angeschlossen. Es war der Beginn der Russischen Revolution, die einen historischen Wendepunkt des Krieges im Osten darstellte. Am 15. März hatte der Zar schließlich abgedankt. Eine Übergangsregierung unter Alexander Kerenski war gebildet worden, die versprach, Wahlen abzuhalten und Reformen durchzuführen, gleichzeitig aber den Krieg weiterzuführen.

Im April 1917 ließ die deutsche Reichsregierung den Russen Wladimir Iljitsch Lenin in einem bewachten Zug aus der Schweiz quer durch Deutschland nach St. Petersburg reisen. Die Deutschen taten dies in der Absicht, feindliche Völker im Osten zu "revolutionieren", um deren Kriegswillen und ihre Fähigkeit, Krieg zu führen, zu untergraben. Man hoffte, der Revolutionär Lenin werde erfolgreich das Virus der Rebellion verbreiten und das Zarenreich weiter destabilisieren.

Tatsächlich war die Machtbasis der russischen Übergangsregierung sehr schwach. Die sogenannte Kerenski-Offensive stieß im Juli 1917 in Galizien auf heftige deutsche Gegenwehr und misslang. Die zerschlagene russische Streitmacht löste sich auf, die Soldaten setzten sich ab und gingen einfach nach Hause. Schließlich ergriffen Lenins Bolschewiki am 7. November 1917 - nach dem julianischen Kalender, der ja heute noch in Russland gilt, war das der 25. Oktober - die Macht in St. Petersburg, etablierten eine Räteregierung und propagierten die Diktatur des Proletariats und die Weltrevolution.

"Weder Krieg noch Frieden"

Am 3. Dezember 1917 kündigten die Bolschewiki dann auch noch an, sich aus dem Krieg zurückzuziehen, und nahmen Friedensverhandlungen mit den Mittelmächten auf. Delegationen beider Seiten trafen sich in der russischen Festung Brest-Litowsk, um die Bedingungen auszuhandeln. Leo Trotzki , der Organisator des Aufstands und seit Anfang Januar Delegationsleiter der Bolschewiki, spielte geschickt auf Zeit. Die Bolschewisten rechneten fest damit, dass in nächster Zeit Arbeiteraufstände in allen Krieg führenden Ländern ausbrechen würden. Angesichts allzu harscher deutscher Forderungen unterbrach Trotzki allerdings die Gespräche und verkündete, nun herrsche "weder Krieg noch Frieden".

Die konsternierten Deutschen ließen daraufhin ihre Streitkräfte im Osten weiter vorrücken. So drangen im Februar 1918 deutsche und österreichische Verbände in die Ukraine ein. Im März nahmen sie Kiew und setzten eine Regierung ein, die mit den Mittelmächten zu kooperieren und eine Million Tonnen Getreide zu liefern hatte. Um die Revolution zu retten, drängte Lenin die Bolschewiki zu neuen Verhandlungen. Am 3. März 1918 wurde daraufhin in Brest-Litowsk schließlich doch ein Friedensvertrag unterzeichnet. Bald darauf waren die deutschen Besatzungstruppen allerdings mit Aufständen und Partisanenunruhen auf dem Lande beschäftigt. Dies hatte wiederum zur Folge, dass die Oberste Heeresleitung dort eine Million Soldaten zurückhalten musste, die in der Frühlingsoffensive 1918 im Westen fehlten. < Wird fortgesetzt