Quakenbacher Brotdorf lassen es bei ihrer ersten Kappensitzung krachen

Fastnacht in Brotdorf : Gollum plagt in Brotdorf die Qual der Wahl

Wo, bei der Wahl zum Ortsvorsteher, sein Kreuzchen machen? Nicht nur die Figur Gollum (bekannt aus „Herr der Ringe“) begeisterte bei der ersten Kappensitzung der Quakenbacher. Auch die übrigen Büttenredner und die Tanzeinlagen fanden viel Beifall.

Hin und her winden sich ihre Körper, angestrengt versuchen sie, das Seil um ihre Brust zu lockern, doch es gibt keinen Millimeter nach. „Wie lange dauert’s denn noch?“, fragt Torsten Rehlinger verzweifelt, „bist du bald fertig?“, drängt sein Rivale Gerhard Enzweiler. Geschlagene vier Wochen nach der Wahl sitzen sie noch im Wahllokal, denn sie warten auf die letzte Stimme des Wahlberechtigten. Der rätselt verstohlen in der Bütt: „Wohin mit dem Kreuz? Die zwei hören doch eh nur darauf, was Marcus H., Anke R. und Tobi Hans ihnen sagen“, grummelt die Kreatur und tritt nach vorne.

Misstrauisch beäugt das aus „Herr der Ringe“ bekannte Wesen Gollum die beiden Männer, für wen soll es stimmen? „Wenn ich rot wähle, wähle ich rot-schwarz. Wähle ich schwarz, wähle ich schwarz-rot“. Mit keiner dieser Optionen scheint Gollum zufrieden. Immer wieder äußert er seinen Zwiespalt, weiß nicht, wer für den Grünen Kreis am geeignetsten ist, um seine Interessen zu vertreten. Dort, wo es nicht mal Grüne gebe.

Früher hätten die ja noch für Fahrrad und Jutebeutel gestanden und – „ja, wofür eigentlich noch?“ Golum stutzt und blickt die Kandidaten fragend an, auch die zucken nur mit den Schultern, ehe das Publikum in Lachen ausbricht. Heute dagegen stünden die Grünen für veganes Essen und Transgender. „Sie sind doch nur realistisch“, wirft die gute Seite von Golum ein, „auf realistisch reimt sich verpiss dich“, kontert seine dunkle Seite.

Die erlösende Idee kommt schließlich von Rehlinger: „Es gibt doch eine Erst- und Zweitstimme“, versucht er zu helfen, „alles Sch...“, findet Golum. „Leute, die alles sch... finden, wählen auch braun“, entgegnet Enzweiler, „so was wie die AfD...“, nuschelt er.

Nicht nur in der Bütt sind die Brotdorfer „Quakenbacher“ stark – auch die Showtänze der Garden sowie des Männerballetts unterhalten die Narren in einer gut besuchten Germania in der ersten Galakappensitzung des Prinzenpaares Christian II. und Daniela I. Ab in den Süden und an den sonnigen Ballermann heißt es für die Tanzgruppe „Nameless“, die eine kleine Urlaubsgeschichte von aufdringlichen Sonnenbrillen-Verkäufern und viel feucht-fröhlicher Party erzählt. Ein Leben, das Günter Bettinger alias der Heiland vom Eiland, der zur Audienz zum Papst geladen wurde und von seinem unfähigen Vertreter berichtet, wahrscheinlich als gotteslästerlich empfinden würde. Dem riet der Gottesmann, einen Schuss Tequila gegen die Nervosität in den Kelch zu schütten, aber das ging daneben: „Nein, an den Kelch gehört keine Zitrone. Wir haben zehn Gebote, und Jesus hängt nicht am Kreuz herum, sondern ist da festgenagelt. Und nein, er sagte nicht: Hilfe ich rutsche! Mehr Nägel!“

Eng wird es indes für Arno Zimmer und Jörg Brosette in der Bütt. „Komm doch rein“, bittet der eine seinen Kameraden, der weigert sich jedoch vehement. „Ei, warum denn nicht?“ „Da vorne sitzt ein Vertreter vom VSK. Die haben es nicht so mit gleichgeschlechtlichen Paaren“, lautet die Antwort.

Über die Witze der Büttenredner lacht auch der Elferrat, der zu Beginn der Kappensitzung noch hinter einer Leinwand versteckt saß. „Keine Sorge, unser Elferrat ist sehenswert“, versichert Sitzungspräsident Frank Gläser, bittet aber, dass die närrischen Hoheiten für einen Moment vor der Bühne Platz nehmen, um dort eine Nachricht von Kevin Trapp in Empfang zu nehmen, der ihnen vorab für die Kappensitzung viel Erfolg wünscht. „Für die, die es nicht wissen: Unser Prinz ist der Onkel von Kevin“, klärt der Sitzungspräsident auf und ermahnt die Faaseboozen dazu: „Trinkt und lacht: Denn nur einmal im Jahr ist Faasenacht!“