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Projekt „Kunst – verbindet!“ zeigt Ergebnisse am 16. Mai auf Kirchplatz

Merzig : Kinder erfahren ihre Welt in Bildern

In der Freiwelligen Ganztagsschule „Spatzennest“ der Kreuzbergschule Merzig läuft das Projekt „Kunst verbindet!“

„Kann ich noch etwas Farbe haben?“ „Kann ich noch ein Blatt Papier kriegen?“ „Kann ich…?“ Aufgeregt wirbeln vier Kinder um Sabine Brosius herum. Ungeduldig mustern die Kinderaugen sie, bis die Künstlerin ihrem Wunsch nachkommt. Es ist laut, chaotisch und bunt, aber Brosius lächelt herzlich. „Mir macht die Arbeit mit den Kindern Spaß“, erzählt sie.

Brosius ist Lehrerin für Kunsterziehung. Einmal in der Woche malt sie gemeinsam mit zehn Schülern im „Spatzennest“ – so heißt die Freiwilligen Ganztagsschule (FGTS) der Kreuzbergschule in Merzig. Neben Basiswissen rund ums Malen vermittelt die Kunstlehrerin den Kindern unterschiedliche Techniken und behandelt in den Workshop-Stunden thematische Vorgaben, die auch die Wünsche der Kinder und ihre Vorstellungen für eine friedliche Gesellschaft widerspiegeln. In dem Projekt „Kunst – verbindet!“ wirkt Kunst als Verbindungsglied zwischen den Kindern, als Medium, das ohne Sprache weltweit verstanden wird.

Seit Ende der Winterferien gehen die Schüler den Fragen „Wer bin ich? Wo komme ich her? Wer sind die anderen und wie können alle Menschen friedlich zusammenleben?“ nach. „Schon vorher, in den Ferien, haben die Kinder sich zum Beispiel selbst kostümiert gemalt und damit auseinandergesetzt: Wer bin ich?“, erzählt Sabine Brosius.

„Welche Tiere leben dort, wo ich oder meine Eltern herkommen?“, so lautet die Frage der heutigen Stunde, die die Grundschüler mit Pinsel und Farbstift beantworten. Manche von ihnen arbeiten still für sich, andere gehen rund und besprechen sich mit ihren Mitschülern.

Eingehend betrachtet Brosius die Bilder, gibt Hilfestellungen, wenn nötig. „Welche Tiere gibt es in England?“, fragt Loredana in die Runde, die Kinder überlegen. „Tiger!“, antwortet Alina. „Aber nur im Zoo“, korrigiert Brosius sie. Noch ein Versuch: „Katzen!“, schlägt die Kleine stattdessen vor. „Meine Eltern kommen aus Albanien“, meint Albiana und fährt mit ihrem Pinsel die Konturen der schwarzen Katze auf ihrem Papier nach. Katzen sind allerdings nicht ihre Lieblingstiere, wie sie erzählt. „Ich mag Pandas“, sagt sie, „aber die leben nicht in Albanien“.

Währenddessen inspiziert der siebenjährige Essey seine Tiervorlage. Ein großer, grauer Elefant soll es werden. „Meine Eltern kommen aus Eritrea“, berichtet er. Ob er selbst schon mal einen Elefanten in der Wildnis gesehen hat? Er schüttelt den Kopf. Gemeinsam mit seinen Freunden zu malen, macht ihm am meisten Spaß, sagt er, „am liebsten mit Wasserfarben“.

Voller Freude macht auch der elfjährige Lukas mit. Hier kann er seiner Kreativität freien Raum lassen, auch daheim greift Lukas gerne zum Pinsel, bastelt und malt am liebsten. Scheinbar mühelos führt er den Pinsel und malt eine Katze, die sich zum Schlafen wie ein hellgelbes Wollknäuel zusammenrollt. „Ich mag Katzen“, sagt Lukas, „die sind so süß, knuddelig und mysteriös“.

Welche Tiere leben da, wo ich oder meine Eltern herkommen? Dieser und vielen Fragen gehen derzeit Kinder aus dem Spatzennest im Projekt „Kunst verbindet!“ nach. Foto: leis/Tina Leistenschneider

„Die Kinder unterstützen sich auch, wenn einer mal Hilfe braucht“, sagt Sabine Brosius. Sie selbst wird von Sonja Brill, ebenfalls Künstlerin, und von der ehrenamtlichen Helferin Bettina Ripplinger unterstützt. Für Ripplinger ist es das erste Mal, dass sie mit Kindern in dieser Form zusammenarbeitet. „Jeder hat seine Kreativität und einen unterschiedlichen Charakter“, sagt sie, „das ist schön. Man lernt voneinander“. Das macht das Projekt „Kunst – verbindet!“ für Sabine Brosius so interessant: „Die Kinder sind in ihren Ideen noch ungezwungen, haben Freude und sind schnell begeisterungsfähig“, schildert sie. Und dabei wachsen sie zusammen.