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Merzig
Wie sicher ist es wirklich in der Stadt Merzig?

 Der Brand in der Merziger Saline hat die Diskussion um die Sicherheit in Merzig angetrieben.
Der Brand in der Merziger Saline hat die Diskussion um die Sicherheit in Merzig angetrieben. FOTO: Ruppenthal
Merzig. Dietmar Maus von der Polizei Merzig hat im Stadtrat die Kriminalitäts-Statistik vorgestellt. Insgesamt gibt es immer weniger Straftaten. Von Christian Beckinger

In der jüngsten Sitzung des Merziger Stadtrates stand ein Thema auf der Tagesordnung, das seit Wochen für Debatten in der Stadt sorgt: die Sicherheitslage in der Kreisstadt. Diverse Vorfälle in den vergangenen Monaten haben dazu beigetragen, dass das Sicherheitsempfinden der Menschen in Merzig Schaden zu nehmen droht, sagte Bürgermeister Marcus Hoffeld einleitend: „Es gab Taten im Stadtgebiet, die uns allen nicht gefallen.“ Er wies darauf hin, dass Verwaltung und Rat gemeinsam schon verschiedene Maßnahmen auf den Weg gebracht hätten, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, etwa die Aufstockung des kommunalen Ordnungsdienstes von zwei auf sechs Personen oder die ersten Schritte zu einer punktuellen Videoüberwachung.


Was aber sagt, jenseits von subjektiven Eindrücken, die Kriminalitäts-Statistik zur Entwicklung der Straftaten in der Stadt? Hierzu hatten sich Verwaltung und Rat einen Experten hinzugezogen, der die Zahlen und auch die meisten Fälle dahinter aus nächster Nähe kennt: Dietmar Maus, stellvertretender Leiter der Polizei-Inspektion Merzig. Der Polizei-Hauptkommissar räumte ein, dass die Verunsicherung in weiten Teilen der Bevölkerung gewachsen sein dürfte: „Spätestens seit dem Brand der Saline im Stadtpark Ende letzten Jahres ist das Thema in Merzig hochgekocht.“ Allerdings habe sich die Situation aus seiner Sicht nicht wesentlich verschärft, hielt Maus gleich fest: „Die Merziger Bürger sind im Moment ebenso sicher, wie sie es vor zehn oder 15 Jahren waren.“

So zeige ein Blick auf die Zahlen des Jahres 2017, die derzeit aktuellsten, die bereits abschließend bearbeitet sind, dass es in jenem Jahr bei den polizeilich bekannt gewordenen Straftaten einen Rückgang um etwa drei Prozent gegeben habe. Das Zahlenmaterial, das bislang für das vergangene Jahr vorliege, biete ein eher uneinheitliches Bild, sagte Maus: „Die Zahlen für 2018 zeigen einerseits einen deutlichen Rückgang bei den Taschendiebstählen, andererseits aber auch eine leichte Erhöhung der Fälle von Körperverletzungen auf öffentlichen Straßen und Wegen.“



Im Landesvergleich stehe Merzig noch vergleichsweise gut da: Die so genannte Häufigkeitszahl, die die Anzahl der registrierten Straftaten pro 100 000 Einwohner erfasst, betrage in der Kreisstadt 6300. Das liege unter dem Landesdurchschnitt von 7700, damit rangiere Merzig in der Rangliste der Saar-Kommunen auf Platz zehn. In bestimmten Deliktfeldern gebe es landesweit positive Entwicklungen, erläuterte Maus: „Die Einbruchszahlen im Saarland sind derzeit so niedrig wie noch nie.“

In Merzig habe die Polizei im vergangenen Jahr insgesamt 33 Einbruchsdelikte erfasst, von denen es in zwölf Fällen beim Versuch blieb. Das waren drei weniger als im Jahr zuvor. Auch auf einem anderen Gebiet gebe es rückläufige Entwicklungen, sagte der Polizei-Vertreter: „2017 haben wir 14 Taten erfasst, bei denen eine Waffe im Spiel war, 2018 waren es 13.“ Und: Sexualdelikte seien der Polizei im vergangenen Jahr in der Stadt überhaupt keine gemeldet worden.

Aber, auch das zeigt die Statistik, in anderen Fällen gibt es negative Tendenzen: „Bei der Jugendkriminalität haben wir einen Zuwachs um 89 Taten auf jetzt 374 registriert, das ist schon auffällig“, konstatierte Maus. Angestiegen sei auch die Zahl der Ladendiebstähle (plus 13), der Delikte im Zusammenhang mit dem Missbrauch von Betäubungsmitteln (plus 16) sowie bei Betrügereien. Auch Körperverletzungsdelikte, bei denen Jugendliche beteiligt waren, hätten zugenommen, sagte Maus.

Stark in der Diskussion sind in Merzig bestimmte Schwerpunkte, an denen sich viele Menschen unsicher fühlen, wie etwa der Stadtpark oder der Bereich des Rathaus-Innenhofes. Hierzu sagte der stellvertretende Leiter der Polizei-Inspektion: „Wir haben diese Hot Spots auf Grund der eingehenden Meldungen über Randalierer, Zusammenrottungen, Pöbeleien und so weiter in den Blick genommen. Dabei haben wir im Innenstadtbereich einen leichten Rückgang der Fallzahlen festgestellt, ebenso im Bereich Stadtpark/Stadthalle.“

Warum aber empfinden viele Menschen die Situation in ihrer Stadt so ganz anders, so weitaus unsicherer, als die Statistik es nahe legt? Hierzu sagte Maus: „Wir erleben im Moment, dass das subjektive Sicherheitsempfinden von negativen Vorfällen stark geprägt ist.“ Dazu würden nicht zuletzt auch moderne Kommunikationsmittel und soziale Netzwerke beitragen, die eine bestimmten Alarmismus befördern könnten: Wenn es einen gravierenden Vorfall wie etwa den Salinenbrand gibt, so schlage dieser durch seine rasche und flächendeckende Verbreitung heute wesentlich höhere Wellen als noch in früheren Jahren. Insgesamt aber zeigte sich Maus von einem überzeugt: „Man kann auch heute noch sicher durch Merzig gehen.“