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Politischer Abend beim Kreisverband Merzig-Wadern der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Kostenpflichtiger Inhalt: Politischer Abend der GEW Merzig-Wadern : GEW diskutiert in Merzig über Baustellen im Bildungssystem

Wie ist das Bildungssystem aufgestellt, und wo gibt es Handlungsbedarf? Rund um diese Fragen drehte sich der politische Abend des Kreisverbands Merzig-Wadern der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Ende Februar.

An der Diskussion beteiligten sich Saar-Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD), Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich (CDU), die GEW-Landesvorsitzende Birgit Jenni (SPD) und ihr Stellvertreter Max Hewer (Linke). Ziel war es, Anreize zu Verbesserungen zu finden.

„Bildungsgerechtigkeit hat mich aktiv beschäftigt“, sagte Streichert-Clivot und äußerte den Wunsch, dass das Bildungssystem die Schüler so aufnehme „wie sie sind und das Beste für sie herausholt“. Dafür möchte sie nach ihren Worten das Bildungssystem anpassen und Schüler, Lehrer und Eltern auf demokratischem Wege in die Entwicklung miteinbeziehen. Evi Maringer, ehemaliges SPD-Kreistagsmitglied, regte an, den Wechsel vom Kindergarten in die Grundschule aufeinander abzustimmen. Während die Termine der Sommerferien rotieren, gelte das für die Ferien im Kindergarten nicht. Schlegel-Friedrich schlug vor, die Schließzeiten der Kindergärten in die ersten drei Wochen der Sommerferien zu legen. Martina Holzner, bildungspolitische Sprecherin der SPD im Landtag, stellte klar: „Ab dem 1. August hat jedes Kind Anspruch auf Betreuung.“ Viele könnten dann früher in die Freiwillige Ganztagsschule oder nach den Ferien wieder in den Kindergarten bis zum Schulbeginn. Für Kinder, die die Schuleingangsuntersuchung nicht bestehen, könnte es laut Streichert-Clivot Förderangebote zur Überbrückung des Jahres geben.

Simone Speicher, Gesamtleiterin Saarlouis der katholischen Kita, kritisierte zu lange Wartezeiten bei der Arbeitsstelle für Integrationspädagogik (AfI). „Das Problem bei der Integrationshilfe ist, dass das Kind, das Hilfe braucht, zunächst als behindert eingestuft werden muss“, räumte Landrätin Schlegel-Friedrich ein und bemängelte, man habe „null Einfluss auf das, was in den Kitas passiert“. Im Gegensatz zu den Schulen seien viele Kitas nicht in Trägerschaft des Landkreises. Dabei merkte Schlegel-Friedrich an, es sei längerfristig sinnvoller, die hilfsbedürftigen Kinder früh zu erreichen. Hier wünscht sich die Landrätin als Jugendhilfs-Träger inhaltlich mehr beteiligt zu werden.

Auch die geschlossene Grundschule in Besch war Thema des politischen Abends. Dazu sagte Streichert-Clivot, dass die Gemeinde derzeit an einer Schulentwicklungsplanung arbeite, die dem Ministerium vorgelegt werden müsse. „Wir sind auf die Entscheidungsfindung der Gemeinde angewiesen“, sagte Streichert-Clivot, die eine zügige Umsetzung erwarte.

Beim politischen Abend der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft diskutierte Max Hewer (links) stellvertretende GEW-Landesvorsitzender, Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich (mitte) und Bildungsministerin Streichert-Clivot (rechts), was sich bildungspolitisch noch tun muss. Foto: Tina Leistenschneider. Foto: leis/Tina Leistenschneider

Kritik äußerte eine Teilnehmerin daran, dass sie im Saarland einen Anerkennungskurs absolvieren müsste, nachdem sie in einem anderen Bundesland studiert habe. Hier sieht die Bildungsministerin Handlungsbedarf für einen leichteren Umstieg. Judith Kost (CDU) beanstandete zu große Betreuungsgruppen. „Die Betreuung von 20 bis 25 Kindern geht nur, wenn alle funktionieren, und das fast zehn Stunden in engeren Räumen“, sagte Kost, die sich mehr Personal und eine bessere Beziehung von Kindern und Erziehern wünscht. Um dem entgegenzuwirken, sprach sich Streichert-Clivot für mehr Sozialarbeiter aus. Katja Richter (Linkspartei) äußerte den Wunsch nach mehr Leseförderung in den Kitas, und Evi Maringer forderte: „Die GEW muss was für die Schulentwicklung tun“. Ihr zufolge müsse man die Lehrer-Kollegen angehen, die Entwicklungen behindern. GEW-Kreisvorsitzender Klaus Maringer schlug vor, statt Religionsunterricht Ethik in den Schulplan aufzunehmen.