Pfarrhaus Schwemlingen soll verkauft werden

Kostenpflichtiger Inhalt: Anonymer Brief enthüllt : Pfarrhaus Schwemlingen soll verkauft werden

Ein anonymer Brief enthüllt: Die Pfarreiengemeinschaft Merzig-Hilbringen will sich von dem rund 100 Jahre alten Gebäude trennen. Das Grundstück könnte für eine Erweiterung des Pflegeheims Kloster Marienau genutzt werden.

„Sehr geehrter Herr Pastor Frey“, so beginnt ein mysteriöser Brief ohne Absender, der außer an die Lokalredaktion der SZ in Merzig in diesen Tagen noch an zahlreiche andere Adressaten, darunter den Ortsvorsteher von Schwemlingen, Claus Linz, die Merziger CDU-Stadtratsfraktion, Bürgermeister Marcus Hoffeld und sogar Bischof Stephan Ackermann in Trier verschickt wurde. Der unbekannte Absender macht in dem Schreiben seinem Unmut darüber Luft, dass es Pläne gebe, das Pfarrhaus in Schwemlingen von Seiten der Pfarreiengemeinschaft Merzig-Hilbringen, der auch Schwemlingen angehört, zum Verkauf anzubieten.

Ohne Einbeziehung der Politik oder der Bürger solle so „eine architektonische Perle inmitten des Ortes“ zweckentfremdet, ja sogar abgerissen werden, kritisiert der Verfasser des Schreibens. Weiter führt der anonyme Absender aus, dass das Pfarrhaus wohl zugunsten einer Erweiterung des benachbarten Alten- und Pflegeheims Kloster Marienau weichen müsse. Mehr Platz für das Heim sei zwar prinzipiell begrüßenswert, der anonyme Brief erinnert aber an die großen Bemühungen und Kosten, die seitens der Bevölkerung vor nunmehr rund 100 Jahren zum Bau des Pfarrhauses aufgebracht werden mussten. Wünschenswerter sei hingegen eine andere Verwendung des Pfarrhauses, beispielsweise als Begegnungsstätte im Dorf, als Jugendcenter oder Bürgercafé, um nur einige der Vorschläge, die der Brief bereithält zu nennen.

Alles Spinnerei und Humbug oder ist an der Geschichte doch mehr dran? Tatsächlich gibt es offenbar Pläne zur Veräußerung des Pfarrheims und einer möglichen Veräußerung des Geländes an das Altenheim, wie Recherchen der Saarbrücker Zeitung ergaben.

In einem sind sich Bistum, Pfarreiengemeinschaft und Vertreter des Altenheims einig: Aufgrund des großen Detailwissens um die bislang noch nicht veröffentlichen Pläne  kann der Brief nur von einem Insider stammen, auch wenn dieser sich wohl nicht bekennen werde, betont der Vorsitzende der Pfarreiengemeinschaft, Pastor Peter Frey.

Die Politiker des Ortes sind bislang noch nicht in die Verkaufs-Überlegungen eingeweiht worden, sagt Ortsvorsteher Claus Linz: „Ich habe vor diesem Brief von diesen Plänen noch nie etwas gehört, seit er in der Welt ist, sind die Gerüchte aber in Umlauf.“

Dass der Inhalt des Schreibens im Kern der Wahrheit entspricht, das bestätigen sowohl Pfarrer Peter Frey als auch der Pressesprecher des Bistums Trier, Dominik Holl: „Wir haben in Trier einen Beschluss des Verwaltungsrates der Pfarrei St. Laurentius Merzig-Hilbringen vorliegen, wonach das Pfarrhaus und das dazugehörige Grundstück verkauft werden sollen“, sagt Holl. Das Bistum prüfe nun anhand eines in Auftrag gegeben Gutachtens, ob ein Verkauf gestattet wird: „Wir wissen auch, dass es erste Gespräche zwischen Pfarrei und der Cusanus- Trägergesellschaft, der das Altenheim gehört, gegeben hat. Mehr kann ich aber dazu nicht sagen“, schränkt der Pressesprecher ein.

Dass es solche Gespräche gegeben hat, bestreitet auch die Leiterin der Stabsstelle Kommunikation der Cusanus-Trägergesellschaft in Trier (ctt), Claudia Gerstenmaier, nicht, hält sich aber noch bedeckt: „Wir können nur so viel sagen: Von Seiten der Trägergesellschaft stehen wir in Kontakt mit dem Bistum und der Pfarreiengemeinschaft. Wir sind sehr wohl an dem Grundstück interessiert, stehen aber noch ganz am Anfang eines Entwicklungsprozesses.“

Ausführlicher und konkreter äußert sich hingegen der Vorsitzende der Pfarreiengemeinschaft, Pastor Peter Frey: „Wir haben bislang noch nichts öffentlich gemacht und niemanden von der Politik informiert, weil es zum jetzigen Zeitpunkt niemanden außer die beteiligten Parteien etwas angeht – es ist ja unser Grund und Boden“, betont der Pastor. Gleichwohl bestätigt er, dass es bereits vor einem Jahr erste Überlegungen gab, das Grundstück mit dem Gebäude zu verkaufen, was der Verwaltungsrat dann vor sechs Monaten auch beschloss: „Wir haben weder finanzielle noch personelle Mittel, um das Gebäude weiter zu halten, das Haus muss ja gewartet und instand gehalten werden“, gibt Frey zu bedenken. Zwar wohnt derzeit noch ein Geistlicher zur Miete, dieser ist aber für Beckingen zuständig, wo ebenfalls ein unbewohntes Pfarrhaus bezugsfertig ist: „Durch die Bistumsreform und die Zusammenlegung der Pfarreien ist der Pfarrer für Schwemlingen bereits 2009 weggefallen und es wird auch keiner mehr kommen.“

Frey sagte, er bedauere den Schritt sehr, dass das Gebäude verkauft werden soll, zugunsten einer Erweiterung des Altenheims sei dies dennoch zu begrüßen: „Das Heim entspricht nicht mehr dem Standard der Zeit, es hat nur Doppelzimmer und ist zu klein.“ Damit das Haus nicht schließen muss, sei eine Erweiterung sinnvoll: „Wie es weitergeht, steht allerdings noch in den Sternen – wir haben jetzt erst einmal zwei Gutachter bestellt, die das Gebäude bewerten sollen“, berichtet der Pfarrer.

Auf Grundlage des Gutachtens, mit dem er in den kommenden Monaten rechnet, wird das Bistum entscheiden, ob ein Verkauf gestattet wird: „Und wenn wir einmal so weit sind und das Pflegeheim den Kaufpreis, den das Gutachten nennt, bezahlen kann, dann ist diese Option unsere erste Wahl.“

An die Öffentlichkeit und die Gremien von Stadt und Ort will sich die Pfarreiengemeinschaft aber erst wenden, wenn alles in trockenen Tüchern und ein Verkauf beschlossen ist, ergänzt Frey.