| 20:23 Uhr

Bestattungsformen
„Das Verhältnis zum Tod hat sich verändert“

Pastoralreferent Jürgen Burkhardt.
Pastoralreferent Jürgen Burkhardt. FOTO: Burkhardt / SZ
Merzig-Wadern. Der Pastoralreferent des Dekanats Merzig beschäftigt sich intensiv mit den modernen Formen der Bestattung.

Eine Beerdigung ist heutzutage nicht mehr jene klassisch-traditionelle Beisetzungs-Prozedur, wie sie es in früheren Zeiten noch war. Längst gibt es die unterschiedlichsten Formen der Verabschiedung von einem Verstorbenen. Ob man seine Asche nun in den Alpen verstreuen möchte oder daraus einen Diamanten anfertigt, ob man unter Bäumen in einem Wald beigesetzt oder seine Asche auf hoher See den Wellen übergeben lassen will, bleibt letztlich jedem selbst überlassen. Der Pastoralreferent des Dekanats Merzig, Jürgen Burkhardt, hat unlängst in der Kreisstadt einen Vortrag zu dem Thema „Erdbestattung, Einäscherung, Verstreuung – Bestattungsformen und Bestattungskultur aus christlicher Sicht“ gehalten. Er ist sehr intensiv in der Trauerarbeit tätig und bezieht im SZ-Gespräch Stellung zum Wandel in der Bestattungskultur und der Position der katholischen Kirche hierzu.



Herr Burkhardt, was war für Sie die Motivation, zu diesem Thema zu referieren?

Jürgen Burkhardt: Ich erlebe immer wieder Diskussionen zum Thema „Bestattung“. Vor allem Menschen, die enger mit der Kirche verbunden sind, fragen sich zum Beispiel wie die Kirche zur Einäscherung und Urnenbeisetzung steht. Meine Schwerpunkte als Pastoralreferent sind Trauerbegleitung, Trauerpastoral- und Hospizarbeit und in diesen Kontexten gehört das Thema Bestattung mit dazu. Ich beschäftige mich schon seit Jahren damit und habe mich dabei auch eingehend mit der Frage nach Einäscherung und Kremation auseinandergesetzt. Ich sehe eine wichtige Aufgabe darin, Menschen über Bestattungsformen zu informieren und sie zu ermutigen, sich darüber Gedanken zu machen. Es ist hilfreich zu wissen, was man selbst möchte, aber auch wichtig zu überlegen, ob die Angehörigen mit der bevorzugten Bestattungsform zurecht kommen würden.

Was war für Sie wichtig anzusprechen?

Burkhardt: Erdbestattung, Einäscherung und Verstreuung sind die Bestattungsformen, die heute am häufigsten gewählt werden. Es ging an dem Abend darum, wie sich die Bestattungskultur in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat und welche Formen und Möglichkeiten es heutzutage gibt. Nicht alle werden von der Kirche gut geheißen, deshalb war es mir auch wichtig zu schauen, wie die christliche Sicht aussieht und wie offizielle Dokumente und Traditionen diese Bestattungsformen bewerten.

Warum ist es wichtig, den Menschen diese christliche Sichtweise näher zu bringen?

Burkhardt: Es gibt aus Sicht der Kirchen unterschiedliche Bewertungen im Hinblick darauf, was dem christlichen Menschenbild und der Würde der Person entspricht. Die Einäscherung sorgt in diesem Zusammenhang immer noch für viel Diskussionsstoff, in der katholischen Kirche stärker als in der evangelischen. Deshalb war es mir wichtig, aus den entsprechenden katholischen Dokumenten zu zitieren. Wenn man weiß, was darin steht, dann erübrigen sich manche Diskussionen. Die offiziellen Verlautbarungen besagen aus theologischer Sicht ganz klar, dass die Einäscherung an sich dem christlichen Glauben nicht widerspricht. Die Kernaussage ist, dass die Einäscherung des Leichnams die Seele nicht berührt und die Allmacht Gottes nicht daran hindert, den Leib aufzuerwecken. Dies ist so schon in der Instruktion „piam et constantem“ aus dem Jahr 1963 nachzulesen. Damit wurde damals für den Bereich der katholischen Kirche das Verbot der Einäscherung aufgehoben. Wir sind seit über 50 Jahren auf diesem Stand, aber das wissen viele gar nicht. Natürlich muss man berücksichtigen, dass mit „Auferweckung des Leibes“ keine Wiederbelebung des Leichnams gemeint ist. Es geht vielmehr darum, dass für Gott nichts von dem verloren geht, was uns als Menschen im Kern ausmacht.

Welche Bestattungsformen empfiehlt die katholische Kirche?

Burkhardt: Die Erdbestattung ist die Form, die traditionsgemäß mit dem Christentum verbunden ist. In den katholischen Dokumenten wird ganz deutlich die Erdbestattung empfohlen, da sie dem Begräbnis Jesu am meisten entspricht und die Wertschätzung des Leibes besonders deutlich zum Ausdruck bringt. Seit dem Jahr 1963 ist die Urnenbestattung auch in der katholischen Kirche erlaubt. Man hatte damals allerdings große Sorge, dass die Einäscherung als Absage an den Glauben gewählt wird, deshalb tat man sich schwer.

Welche anderen Bestattungsformen gibt es?

Burkhardt: Durch die Urnenbeisetzung beziehungsweise durch die Einäscherung sind ganz viele verschiedene Formen entstanden, die es früher nicht gab. Zum Beispiel ist es nun möglich, unter einem Baum oder in einem Ruheforst beigesetzt zu werden. Es gibt auch die Form der anonymen Bestattung. Auch kann man seine Asche verstreuen lassen. Das wird von Seiten der Kirchen kritisch gesehen, weil es dabei keinen identifizierbaren Beisetzungsort gibt. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass an Verstreuungsorten kein Name zu finden ist. Die Kirchen sehen das allerdings als wichtig an, um die verstorbene Person in ihrer Einmaligkeit zu würdigen.

Wie steht die katholische Kirche der Form der Verstreuung gegenüber?

Burkhardt: In Deutschland gibt es die sogenannte Bestattungspflicht, das bedeutet, dass die sterblichen Überreste auf einem dafür vorgesehenen Ort beigesetzt werden müssen. Die Form der Verstreuung ist für uns trotzdem Thema, weil wir in der Nähe von Luxemburg sind und dort ist die Verstreuung legal. Es gibt immer wieder Menschen, die genau dafür dorthin fahren. In Luxemburg gibt es eine Verstreuungswiese. In der Schweiz kann man sich in einem Bachlauf oder auf einer Alpenwiese verstreuen lassen. Auch gibt es die Verstreuung aus einem Heißluftballon heraus oder die Weltraumbestattung. Eine weitere Form ist die Diamantbestattung. Auch diese Art der Bestattung wird als problematisch eingestuft. Im Hinblick auf den Trauerprozess gibt es bei dieser Variante keinen Abschied und keine Trennung von den sterblichen Überresten. Gerade der Diamantbeisetzung und Verstreuung steht die katholische Kirche ablehnend gegenüber, denn sie entsprechen nicht dem christlichen Menschenbild. Ich denke, dass die Menschen selbst entscheiden müssen. Es ist schwierig in unserer individualisierten Gesellschaft pauschal zu sagen, was falsch und was richtig ist.

Wie haben sich diese Bestattungsformen verändert im Vergleich zu früher?

Burkhardt: Im Durchschnitt sind heute in Deutschland 60 Prozent der Bestattungen Urnenbeisetzungen. Dabei gibt es allerdings große regionale Unterschiede. Der Anteil der Urnenbeisetzungen ist aber überall im Steigen. Mittlerweile ist das die überwiegende Bestattungsform. Mit der Einäscherung hat sich vieles verändert und entwickelt. Formen wie Verstreuung und Diamantbestattung oder Weltraumbestattung sind in Deutschland nicht erlaubt, aber es gibt immer Umwege, die auch genutzt werden.

Hier in unserer Region drehen sich die Diskussionen jedoch eher um Verstreuung, anonyme Bestattung oder auch die Beisetzung im Ruheforst, welche lange umstritten war, auch hier im Bistum Trier. Seit 2007 gibt es jedoch klare Richtlinien. Eine Bestattung ist unter bestimmten Voraussetzungen für katholische Christen möglich. Dazu gehört wesentlich, dass der Bestattungsort mit Namen und gegebenenfalls mit einem christlichen Symbol gekennzeichnet werden kann.

Welche Bestattungsformen lehnt die katholische Kirche ab und warum?

Burkhardt: Die katholische Kirche lehnt Bestattungsformen ab, bei denen es keinen öffentlichen Trauerort gibt, den man aufsuchen kann und der mit Namen und Daten identifizierbar ist. Dazu gehören: Anonyme Bestattung, Aufbewahrung der Urne im Wohnraum, Verstreuung in verschiedensten Formen und die Umwandlung der Asche in andere Formen.

Ebenso lehnt die katholische Kirche die Aufteilung der Asche ab. Es ist nicht erlaubt, wird aber doch hin und wieder angeboten, dass Hinterbliebene sich einen Teil der Asche mit nach Hause nehmen können. Auch hier stellt sich wieder die Frage, ob eine solche Form für den Trauerprozess dienlich ist. Die katholische Kirche stimmt der Verteilung der Asche nicht zu. Auch das deutsche Bestattungsgesetz sieht vor, dass alle sterblichen Überreste beigesetzt werden müssen. Die Kirche will das auf jeden Fall unterstreichen. Alles, was von einem Menschen übrig bleibt, soll würdig beigesetzt werden.

Warum denken Sie, gibt es mittlerweile so viele verschiedene Bestattungsformen und woher kommt der Wunsch nach diesen Formen?

Burkhardt: Ich glaube, dass sich unser Verhältnis zum Tod verändert hat und dass es für manche keine hilfreiche Vorstellung ist, dass sich der Leib eines geliebten Menschen im Erdreich zersetzt und verwest. Es gibt Menschen, die mit anderen Bestattungsformen besser zurecht kommen. Hintergrund ist sicher auch unsere individualisierte und plurale Welt. Viele Möglichkeiten, die es heute gibt, gab es früher überhaupt nicht. Menschen können heute überlegen, was für sie passt und wählen dann dementsprechend das aus, was sie für richtig und hilfreich halten.

Denken Sie, dass sich diese verschiedenen Bestattungsformen künftig noch weiterentwickeln werden?

Burkhardt: Das denke ich schon. Menschen sind kreativ, geschäftstüchtig und der technische Fortschritt bietet immer neue Möglichkeiten. Die Veränderung der Lebensverhältnisse spielt auch eine große Rolle. Viele Bestattungsformen entwickeln sich, weil es um die Frage nach der Grabpflege geht. Das ist zwar ein sehr wichtiges Thema, doch man sollte immer auch überlegen, ob die gewählte Bestattungsart für die Trauer der Hinterbliebenen hilfreich ist oder nicht. Deshalb ist es gut, sich Gedanken zu machen und schon zu Lebzeiten miteinander zu sprechen.

Die Fragen stellte Jana Bohlmann.

Dieses Buch beschäftigt sich auch intensiv mit den modernen Formen der Trauerarbeit.
Dieses Buch beschäftigt sich auch intensiv mit den modernen Formen der Trauerarbeit. FOTO: Bistum Trier / SZ