Ortsgruppe des ADFC in Merzig gegründet

Kostenpflichtiger Inhalt: ADFC in Merzig gegründet : Merzig soll für Radler attraktiver werden

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ist jetzt auch in Merzig mit einer Ortsgruppe aktiv. Das Ziel: Lösungen finden, um die Kreisstadt fahrradfreundlicher zu machen.

Wie kann Merzig fahrradfreundlicher werden? Und was muss sich dafür tun? Mit diesen Fragen hat sich Thomas Fläschner vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) am Donnerstagabend in der Villa Fuchs beschäftigt. „Das Thema ist nicht nur wegen der Diskussion um das Klima ein wichtiges Thema, sondern auch mit Blick auf die Diesel-Debatte“, sagte Fläschner, „wer Fahrrad fährt, hält sich fit und lebt gesund.“

Dabei habe die Stadt Merzig Fläschner zufolge gute Voraussetzungen für den Radverkehr. „Merzig hat eine flache Topografie, viele Ortsteile können ohne große Anstiege erreicht werden“, findet der Landessprecher des ADFC. Auch seien die Wege in die Innenstadt kurz, je nachdem aus welchem Ortsteil man in die Stadt fahre. Durch die gleiche Anzahl von Ein- und Auspendlern ergäben sich günstige Rahmenbedingungen, allerdings sei der Motorisierungsgrad hoch, „weil es eine ländlicher Raum ist“, bekundete Fläschner.

Diese Auswirkungen merke man auf den Straßen: 2016 führte der ADFC einen Fahrradklimatest durch, bei dem Merzig im Vergleich mit ähnlichen Städten nur Rang 350 von 364 belegte. Befriedigende Noten erhielt die Stadt für ihren geringen Fahrraddiebstahl und ihre Wegweisung, als mangelhaft wurden Sicherheitsgefühl, Falschparkerkontrolle und die Führung in Baustellen bewertet. „Angst ist einer der Hauptgründe, wieso viele nicht aufs Rad steigen“, sagte Fläschner.

Anhand von Bildern zeigte er die Infrastruktur der Radwege. Positiv bemerkte er den Schutzstreifen in der Torstraße in Merzig, allerdings gebe es innerorts Lücken im Radwegenetz, wie beispielsweise am Viehmarkt oder in der Hochwaldstraße. Für Diskussionen sorgte der entfernte Schutzstreifen in Ballern. Vom Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) und vom Landratsamt habe Fläschner keine Auskunft dazu erhalten, ob er wieder angebracht werde. Wie der Sprecher des Landkreises, Werner Klein, betont, habe es zwei Vororttermine gegeben, ebenso habe das Landratsamt die Bedingungen für eine Rückkehr des Schutzstreifens formuliert. „Wir sind in dem Prozess drin und mit den beteiligten Partnern diesbezüglich im Kontakt“, sagte Klein.

Fläschner schlug vor, den touristischen Radverkehr als Alltagsroute zu nutzen, bei schmalen Straßen den Gehweg sowie unechte Sackgassen für den Radverkehr zu öffnen und verkehrsberuhigte Parallelstrecken auszuschildern. Für Diskussion sorgte indes der Vorschlag, Einbahnstraßen für Radfahrer zu öffnen, zum Beispiel bei der Ausfahrt der Neustraße in die Trierer Straße. Das Problem: Die Straße sei eng und oft zugeparkt. Um dort einen Schutzstreifen einzurichten, müsste eine Spur für die Autos entfernt werden.

Moniert wurde die mangelnde Pflege der Radwege und die Blockierung dieser durch Falschparker. Ferner schlug Fläschner vor, Baustellen fahrradgerecht zu gestalten und eine Umleitungsbeschilderung für den Radverkehr einzurichten, denn nach den Erfahrungen von Fläschner seien die Schaltzeiten für Radfahrer zu kurz. Hinsichtlich der Information und Kommunikation sieht Fläschner ebenso Handlungsbedarf. „Piktogramme sind auch Kommunikation“, sagte der ADFC-Landessprecher, ebenso finde der Alltagsradverkehr auf der Internetseite der Stadt Merzig keinen Platz, der touristische dagegen schon.

Als Zeichen des Willens gründete sich am Donnerstagabend im Anschluss an den Vortrag eine Ortsgruppe der ADFC, zu deren Sprechern Pascal Bies und Angelika Conrad ernannt wurden. Die Gruppe will sich regelmäßig treffen, um gemeinsam Lösungen für ein fahrradfreundlicheres Merzig zu finden.

Radwege in Merzig werden nach Ansicht des ADFCs nur mangelhaft gepflegt. Foto: dpa/Arne Dedert

Gleichzeitig beantragte die CDU-Stadtratsfraktion Merzig die Einrichtung einer Arbeitsgemeinschaft Fahrrad, bestehend aus den Mitgliedern der Stadtratsfraktionen, externen Vertretern von Vereinen und Gruppierungen sowie Fachbereichen der Verwaltung, wie zum Beispiel das Ordnungsamt. Laut Jürgen Auweiler, Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion, existiert für Merzig ein Radwegekonzept von 2010. Unterstützung versprach die Fraktion der Grünen, die beantragte, zur Förderung des Radverkehrs 30 000 Euro in den Haushaltsplan aufzunehmen.

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