Kreisheimatmuseum: „Neues Konzept bietet neue Chancen“

Kreisheimatmuseum : „Neues Konzept bietet neue Chancen“

Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich verteidigt die Schließung des Kreisheimatmuseums im Schloss Fellenberg. Diese ist seit 1. Juli Fakt.

Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich hat die vorgesehenen strukturellen Veränderungen beim Museum Schloss Fellenberg in Merzig verteidigt und zugleich die Neukonzeption als Zukunftschance für das Museum gesehen. Gegenüber der SZ bestätigte die Landrätin zudem, dass die Dauerausstellung des Kreisheimatmuseums im ersten Obergeschoss des Schloss-Gebäudes zum 1. Juli geschlossen worden ist. Dies hatten Vorstand und Beirat der Kulturstiftung des Landkreises Merzig-Wadern, die das Museum Schloss Fellenberg betreibt, am 27. Juni beschlossen. Die dort ausgestellten Exponate werden nach den Worten der Landrätin, die qua Amt Vorsitzende der Kulturstiftung ist, derzeit abfotografiert und katalogisiert und sollen später in digitaler Form über das Internetportal Digicult beim Saarländischen Museumsverband als Fotografien abrufbar sein. Die Leihgeber der Exponate werden nach Auskunft von Schlegel-Friedrich über die Auflösung der Dauerausstellung informiert und können entscheiden, was mit den von ihnen gestifteten Gegenständen passieren soll. Wenn sie im Besitz des Kreisheimatmuseums verbleiben können, werden sie sachgerecht eingelagert und sollen, so die Landrätin, bei den für später geplanten temporären Ausstellungen zum Thema Kreisheimat, die jeweils ein spezielles Thema aufgreifen sollen, wieder zum Einsatz kommen.

Diese wechselnden Kreisheimat-Ausstellungen sollen alle zwei Jahre stattfinden, laut Beschluss von Vorstand und Beirat der Kulturstiftung soll die erste Ausstellung für den Herbst 2018 vorbereitet werden. „Wir wollen die Heimatgeschichte im Kreis mehr und besser inszenieren und durch die Setzung thematischer Schwerpunkte attraktiver machen“, sagte die Landrätin. Dass dieser Ansatz funktionieren kann, hätten gut besuchte Ausstellungen des Museums zur Rockmusik-Geschichte oder zu verschwundenen Geschäften unter Beweis gestellt.

Im Gespräch mit der SZ bestätigte Daniela Schlegel-Friedrich auch, dass im ersten Obergeschoss im Schloss Fellenberg, wo bislang die Dauerausstellung des Kreisheimatmuseums untergebracht war, in Zukunft Büroräume eingerichtet werden, die dann vermietet werden sollen. Aus Brandschutzgründen müssten die beiden Büroräume der Museums-Beschäftigten im Dachgeschoss ohnehin eine Etage tiefer verlagert werden, erklärte die Landrätin. Die weiteren Räume sollen unter anderem an die Tourismus-Gesellschaft des Landkreises, die Saarschleifenland-Tourismus GmbH, vermietet werden. Bislang ist diese im Christian-Kretzschmar-Haus in der Merziger Innenstadt untergebracht, das sich im Eigentum der Kreisstadt befindet – gemeinsam mit der Tourismus-Information der Stadt und der Stadtmarketing-Abteilung der Merziger Verwaltung. Tourist-Info und Merziger Stadtmarketing sollen nach den Worten von Schlegel-Friedrich im kommenden Jahr ins historische Rathaus umziehen. „Die städtische Touristinfo bleibt also in der Merziger Innenstadt“, betonte die Landrätin. In das Schloss Fellenberg umziehen sollen lediglich die fünf festangestellten Mitarbeiter der Saarschleifenland-Tourismus GmbH, die von bis zu drei Auszubildenden und Praktikanten ergänzt werden. Die dafür notwendigen baulichen Veränderungen seien minimal, mit der Denkmalschutz-Behörde abgestimmt und würden rund 45 000 Euro aus Mitteln des Landkreises kosten.

Dieser Umzug hat nach Ansicht der Landrätin mehrere Vorteile für das Museum: Zum einen würden durch die Vermietung des ersten Obergeschosses Mieteinnahmen erzielt, die der Kulturstiftung und damit letzlich dem Museum zu Gute kommen sollen. Bisher seien diese Mietzahlungen der Saarschleifenland-Tourismus GmbH (SLT) an die Stadt Merzig geflossen. Zudem könnten durch die Einbindung des Personals der SLT auch weitere Kosteneinsparungen erzielt werden: „Der Museumsdienst kann in Zeiten mit niedriger Besucherfrequenz gegebenenfalls durch Beschäftigte der SLT miterledigt werden“, sagte Schlegel-Friedrich. Weiterhin ist vorgesehen, dass die Geschäftsführung der Kulturstiftung, die aus drei Kreis-Mitarbeitern besteht, ins Schloss umzieht. „Damit haben wir eine Synergie zwischen den touristischen und kulturellen Einrichtungen des Landkreises“, findet Schlegel-Friedrich.

Diese Umzugspläne seien von Vorstand und Beirat der Kulturstiftung gebilligt worden, das letzte Wort habe allerdings der Kreisausschuss. Der soll voraussichtlich am 11. September über einen entsprechenden Vorschlag der Kreisverwaltung befinden. „Angestrebt ist, dass der Umzug zum 1. Januar 2018 erfolgen soll“, erläutert Schlegel-Friedrich.

Daniela Schlegel- Friedrich. Foto: rup

Dass der erst im März gegründete Förderverein für das Museum seine Arbeit schon wieder eingestellt hat, bedauert die Landrätin ausdrücklich: „Bei dem Konzept, das wir jetzt für das Museum haben, hätte es ganz viele Aufgaben und Beteiligungsmöglichkeiten für einen Förderverein geben können.“ Sie wies aber auch darauf hin, dass die Auflösung der Dauerausstellung des Kreisheimatmuseums bereits im Dezember 2016 in einem Lenkungsausschuss der Kulturstiftung bekannt gewesen sei. „Das war auch stets unstrittig dort.“ Dem Ausschuss hätten auch Mitglieder angehört, die sich später im Förderverein engagiert haben. Dass nun der Verein als Grund für die Einstellung seiner Arbeit angegeben habe, dass die angestrebte Dauerausstellung nicht zu halten gewesen sei, könne sie daher nicht nachvollziehen. Was sich erst im Laufe des Jahres entschieden habe, sei die künftige Nutzung des ersten Obergeschosses gewesen. Dabei seien verschiedene Möglichkeiten diskutiert worden, betont Schlegel-Friedrich: „Wir waren zu jeder Zeit offen für ein alternatives Konzept und haben verschiedene Varianten geprüft.“ Allerdings habe der Förderverein zu keiner Zeit ein tragfähiges Konzept für einen dauerhaften Erhalt des Kreisheimatmuseums vorgelegt oder angekündigt. Darum wehrt sich Schlegel-Friedrich auch gegen einen mutmaßlichen „Kahlschlag im Museum“. Für Ausstellungen stehe das gleiche Budget wie vorher zur Verfügung. Zudem gebe es nun sogar Mittel für die geplanten temporären Heimatausstellungen, die sich aus den Mieteinnahmen für das erste Obergeschoss speisen. Das im Dachgeschoss untergebrachte Kreisarchiv werde durch die Umstrukturierung nicht berührt, durch den Wegfall der beiden Büroräume stehe dort künftig sogar mehr Platz zur Verfügung. Daniela Schlegel-Friedrich ist überzeugt: „Wir haben nach vielen Beratungen und Abstimmungsgesprächen die Rahmenbedingungen klug verändert, so dass das Museum sein Angebot zu reduzierten Kosten beibehalten kann.“