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Friedhof
Neues Buch blickt auf alte Begräbnisstätten

Sie erinnert an den ehemaligen Merziger Kirchhof: die „Totenleuchte“ im Chormauerwerk in der Pfarrkirche St. Peter. In diese kleine Fensteröffnung wurde früher ein Licht gestellt, das auf den angrenzenden Kirchhof strahlte.
Sie erinnert an den ehemaligen Merziger Kirchhof: die „Totenleuchte“ im Chormauerwerk in der Pfarrkirche St. Peter. In diese kleine Fensteröffnung wurde früher ein Licht gestellt, das auf den angrenzenden Kirchhof strahlte. FOTO: Arthur Fontaine / Arhtur Fontaine
Merzig. Ein Buch über den Kirchhof um die ehemalige Merziger Pfarrkirche St. Walburgis und dessen Nachfolger, den Friedhof an der Propsteistraße, hat Arthur Fontaine herausgebracht. Er versteht es als Beitrag zur Entwicklungs- und Kulturgeschichte der Kreisstadt.

() Nur wenige Wochen nachdem der Merziger Arthur Fontaine seine Arbeit „Geschichtliches über St. Gangolf“ herausgebracht hat, ist bereits ein weiteres Buch von ihm auf dem Markt. Der Titel: „Vom Kirchhof um St. Walburgis zum Friedhof an der Propsteistraße.“ Der erste Teil des Buches beschäftigt sich nach seinen Worten mit der über 1000-jährigen Geschichte des christlichen Begräbnisplatzes, der einst im Wesentlichen den heutigen Kirchplatz umfasste.


„Diese Geschichte begann mit dem Bau der ersten Merziger Pfarrkirche am Ort, spätestens im ersten Drittel des 10. Jahrhunderts. Um diese Kirche entwickelte sich, wie es im Mittelalter üblich war, ein Kirchhof für die Angehörigen des betreffenden Pfarrbezirks. Die Begräbnisstätte war bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts in Nutzung“, berichtet er. Die profane Weiterverwendung des ehemaligen Kirchhofs wird als spannende Geschichte erzählt, denn noch Jahrzehnte nach seiner Auflassung waren die Eigentumsverhältnisse an diesem Areal zwischen der Kirchengemeinde St. Peter einerseits und der Zivilgemeinde andererseits strittig, was seine städtebauliche Entwicklung neben anderen lokalen Umständen erschwerte und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hinauszögerte.

Im zweiten Teil des Buches schildert Fontaine die Gründe für die Aufgabe des Kirchhofs um St. Walburgis und beschreibt den langen und mühsamen Weg zur Anlage eines neuen Friedhofs südlich, außer­halb der damaligen Bebauungslage zu Ende der 1830er-Jahre im Gewann „auf Kiesel“, den heutigen kommunalen Friedhof an der Propsteistraße. Zunächst auf einer Fläche von etwa 90 mal 45  Meter angelegt, musste der Friedhof im Lauf der Jahrzehnte mehrfach erweitert werden, insgesamt sechs Mal. Das vollzog sich nicht reibungslos, wie die Entwicklungsgeschichte des Friedhofs überhaupt viele Facetten aufweist, die im Buch anschaulich und detailliert dargelegt werden.



Der dritte Buchteil umfasst eine Bestandsaufnahme der über 80 historischen Grabmäler auf dem Propsteifriedhof, beginnend mit der Eröffnung des Friedhofs 1839, endend mit dem Jahr 1930.

„Zu jedem der erfassten Grabmäler gibt es eine persönliche Zuordnung, eine fotografische Darstellung, eine formale Beschreibung, die Eingrenzung des Errichtungszeitpunktes, die stilistische Einordnung sowie Hintergrundmitteilungen zur Person und/oder der Stadtgeschichte“, sagt der Autor. Ein besonderes Kapitel hat Arthur Fontaine den stadtgeschichtlich besonders bedeutsamen „Terrakotta“-Grabmälern von Villeroy & Boch gewidmet. Diese sind auf dem Friedhof an der Propsteistraße in so großer Zahl wie sonst nirgendwo erhalten.

Früh begann Arthur Fontaine als Schul- und Sachbuchautor sowie mit der Erforschung und Publikation der Geschichte der Region an der unteren Saar. In den vergangenen Jahren hat Fontaine seine Interpretation von Schwerpunkten in Hochwald, Saar und Mosel um die bildliche Darstellung erweitert. Das geschriebene Wort steht für ihn im Vordergrund. Fontaine selbst sieht sich zuerst als Autor, dann als Fotograf. Gleichwohl belegt auch eine Reihe von Bildbänden seine Arbeit.

Das Buch mit einem festen Einband hat 128 Seiten. Es ist zum Preis von 26,60 Euro im Buchhandel erhältlich. (ISBN 978-3-7460-7856-4).

Historische Grabmäler auf dem Friedhof an der Propsteistraße.
Historische Grabmäler auf dem Friedhof an der Propsteistraße. FOTO: Arthur Fontaine
Das Titelbild des Buches von Arthur Fontaine.
Das Titelbild des Buches von Arthur Fontaine. FOTO: Arthur Fontaine