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Neue Corona-Abstrichstelle nimmt in Merzig ihren Betrieb auf

Kostenpflichtiger Inhalt: Drive-In in Merzig : Kaserne Auf der Ell wird zum Corona-Drive-In

Am Mittwoch ist die Teststelle in Merzig gestartet: Die Autoscheibe geht runter, der Abstrich wird entnommen, danach wird weitergefahren.

Vollschutz, Mundmaske und Handschuhe: Für Elisabeth Kohler gehört diese Ausrüstung zum Alltag. Hat die Ärztin in den letzten Tagen erst in der Seminar-Sporthalle Ottweiler im Akkord mögliche Corona-Fälle getestet, verrichtet die 75-Jährige jetzt in der Abstrichstelle Dienst, die seit Mittwoch in der Kaserne Auf der Ell in Merzig geöffnet hat.

9.50 Uhr am Mittwochmorgen: Sieben Autos warten am Nordtor der Kaserne auf Einlass. Punkt 10 Uhr geht die Tür auf. Der Wagen-Konvoi setzt sich in Bewegung – besetzt mit einem oder maximal zwei Insassen. Die Tests sind für die Medizinerin reine Routinesache. Sie nimmt die Überweisung des Hausarztes entgegen. Danach betupft sie mit einer Art Wattestäbchen, das einen längeren Stiel hat, Rachenwand und Nasenschleimhaut der Patienten, die unter Verdacht stehen, mit Corona infiziert zu sein. Wie oft sie den Betroffenen in den vergangenen Tagen erläutert hat, warum sie gerade welche Handgriffe macht, vermag sie nicht mehr zu zählen.

Etwas aufgeregt öffnet eine Frau, die auf dem Rücksitz eines Wagens sitzt, die Tür, nimmt den Schutz vom Mund schaut die Medizinerin verunsichert an. Doch die beruhigenden Worte von Elisabeth Kohler zeigen sofort Wirkung, ein kurzes Gespräch entspinnt sich. Ein bis zwei Minuten braucht die Ärztin für eine Probe. Dann: ein freundlicher Abschiedsgruß, ein fröhliches Winken – und schon setzt sich der Wagen wieder in Bewegung. „Bislang waren alle Getesteten handzahm und sehr, sehr nett“, sagt die Medizinerin. Die Ruheständlerin ist nach eigenen Worten dem Aufruf der Ärzteschaft gefolgt, im Kampf gegen die Pandemie mitzuhelfen. „Die jüngeren Kollegen werden in den Arztpraxen gebraucht“, begründet sie ihr Engagement, das nach ihrem Ermessen noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Es gelte, die Infektionen zu verlangsamen, damit die gesundheitliche Versorgung nicht an ihre Grenzen komme. „Die medizinische Ausrüstung wird von der gestellt, Gelände, logistische Ausrüstung und Unterstützung von der Bundeswehr“, sagt sie.

Vitali Strakbein weicht ihr derweil nicht von der Seite. Die Aufgabe des Mitgliedes der achten Kompanie des Fallschirmjägerregiments 26: die Röhrchen mit den Proben beschriften und die Spezialtüten samt ärztlicher Überweisung für die Fahrt ins Labor nach St. Ingbert zu präparieren. „Er ist eine große Hilfe und macht seine Sache großartig“, lobt die Ärztin den jungen Mann, der in dem mittleren Versorgungszelt an der Strecke seinen Dienst verrichtet – wie die Ärztin in besonderer Schutzkleidung.  Rund zehn seiner Kollegen helfen mit, damit alles rund läuft – einschließlich zweier  junger Soldaten,  die die Getesteten einweisen und vom Kasernengelände lotsen. Zudem haben Fahrer der Bundeswehr nach den Worten von Vitali Strakbein die Aufgabe übernommen, die Proben nach St. Ingebrt zu befördern.

Dr. Elisabeth Kohler (vorn) gíbt die Proben an Vitali Strakbein zur Bearbeitung weiter. Foto: Ruppenthal

„Wir haben drei Zelte aufgebaut“, sagt Regimentskommandeur Markus Meyer. Der Oberst ist an diesem Morgen von Zweibrücken nach Merzig gekommen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. In dem Zelt am Beginn der Strecke sollten Verwaltungssachen erledigt werden.  Überweisungen der Ärzte, die für die Testung notwendig sind, haben den Schreibkram überflüssig gemacht. An den anderen beiden Zelten könnten Tests durchgeführt werden. Es sind nach den Worten des Kommandeurs Zelte, wie sie bei Veranstaltungen der Bundeswehr genutzt werden. Markus Meyer nennt es eine Selbstverständlichkeit, Menschen in einer solch schwierigen Situation zu helfen. So stellt die Bundeswehr die Kaserne in Merzig und in St. Wendel das Heeres-Instandsetzungswerk Logistik (HIL) als Corona-Drive-In zur Verfügung, in anderen Teststation übernimmt sie die Organisation – wie am früheren Messezentrum Saarbrücken oder auf dem Fordparkplatz in Saarlouis.

Müssen die Fahrer zum Start des Testes eine kurze Wartezeit in Kauf nehmen, so wird es ab 10.30 Uhr ruhig. „Wieder kommt einer geströmt“, sagt Elisabeth Kohler, als sie ein Auto das aufs Gelände fahren sieht. Das Prozedere beginnt von vorne: Die Packung mit den Stäbchen wird geöffnet, sie werden entnommen, das Autofenster öffnet sich, die Tests starten. Wieder eine Zeitlang Ruhe, bis ein weiteres Auto vor dem Versorgungszelt hält. Die Beifahrerin eines weißen Wagens öffnet die Tür – ein Zeichen für die Ärztin, dass sie sich möglicherweise mit dem Virus infiziert hat. Es folgt ein Gespräch. „Alles Gute“, ruft die sympathische 75-Jährige der Patientin zu, nachdem sie die Probe genommen hat. „Bleiben Sie gesund“, antwortet die Frau und winkt zum Abschied aus dem Auto. Schätzungen der Verantwortlichen zufolge haben sich am ersten Tag rund 50 Menschen testen lassen. „Die Station ist ja jeden Tag von zehn bis 14 Uhr geöffnet“, sagt Elisabeth Kohler. Sie wird heute wieder in einer Drive-In-Station stehen, dieses Mal in ihrem Heimatkreis Neunkirchen. Die Ergebnisse der Tests liegen in einigen Tagen vor.